Pfingstbrauch: Barfuß über die feuchte Wiese laufen
Pfingstbrauch: Barfuß über die feuchte Wiese laufen
Prof. Dr. Manfred Becker-Huberti
Prof. Dr. Manfred Becker-Huberti
Zu Pfingsten gibt es Pfingstrosen
Zu Pfingsten gibt es Pfingstrosen

07.06.2019

Brauchtumsforscher über Besonderheiten zu Pfingsten Ochse, Taube und feuchte Wiesen

Weihnachtsbaum und Osterfeuer kennt jeder. Wie sieht es aber mit den Bräuchen rund um das Pfingstfest aus? Der Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti berichtet über das Laufen durch feuchte Wiesen und andere spezielle Traditionen. 

DOMRADIO.DE: Der Heilige Geist wird in der bildenden Kunst immer gern als Taube dargestellt. Ist die Taube damit das pfingstliche Symbol schlechthin?

Prof. Dr. Manfred Becker-Huberti (Theologe und Brauchtumsforscher): Seit dem Konzil von Nicäa ja. Vorher ist es ein Jüngling oder ein Mädchen. Dabei ist die Hagia Sophia, also die heilige Weisheit, zu nennen, die die gleiche Funktion hatte, als Metapher für Pfingsten zu stehen.

Die Taube kommt erst zu einem späteren Zeitpunkt auf, bleibt aber bis in die Gegenwart. Sie hat allerdings dadurch, dass sie heute auch negative Bedeutung hat, ein wenig gelitten. Die Taube gilt in den Großstädten eher als "Ratte der Lüfte" und ist nicht mehr alleine dieses Friedenssymbol, als das sie einmal gegolten hat.

DOMRADIO.DE: Es gibt noch ein Tier, das immer mit Pfingsten in Verbindung gebracht wird, nämlich den Pfingstochsen. Den gibt es ganz konkret, aber auch im übertragenen Sinne. Das müssen Sie einmal erklären.

Becker-Huberti: Der Pfingstochse ist einer, der geschmückt durch die Gegend läuft und auf sich selber stolz ist. Er merkt dabei aber nicht, dass er sich auf seinem letzten Gang befindet. Der Pfingstochse ist das Tier, das früher zu Pfingsten durch das Dorf geführt wurde: geschmückt und poliert und in Glanz gebracht - aber auf dem Weg, auf dem Rost zu landen.

Das Bild wird real und im übertragenen Sinne gebraucht: Ein Pfingstochse ist einer, der nicht kapiert, wie es eigentlich um ihn steht.

DOMRADIO.DE: An Pfingsten ist von Feuerzeugen die Rede. Gibt es auch ein Pfingstfeuer, so wie es ein Osterfeuer gibt?

Becker-Huberti: Die Feuerzeugen werden in der Bibel beschrieben und wurden nachgeahmt. Man warf aus dem sogenannten Heilig-Geist-Loch in der Kirche, also einer Öffnung in der Decke, brennendes Werk herunter auf die Leute, die es dann aufzusammeln versuchten. Dem Aberglauben nach galt dieses brennende Werk als etwas, was die Fruchtbarkeit auf den Feldern beförderte. Deshalb sammelten es die Bauern.

Mit der Zeit ist man davon abgekommen - nicht nur, um diesem Aberglauben keinen Vorschub zu leisten, sondern auch wegen der Brandgefahr. Dann hat man Heiligenbildchen von oben herabregnen lassen. Das fanden die Leute weniger unterhaltsam und insofern ist der Brauch dann irgendwann eingestellt worden.

"Heilig-Geist-Loch" heißt dieses Loch aber, weil man eine aus Holz geschnitzte Taube an einem langen Seil herunter ließ und durch die Kirche schwang. Sie symbolisierte auf diese Art und Weise das Erscheinen des Heiligen Geistes an Pfingsten.

DOMRADIO.DE: Es soll auch Pfingstbäume geben. Was hat es damit auf sich?

Becker-Huberti: Pfingstbäume sind eine Adaption der Maibäume. Es gibt Orte, an denen das Mai-Brauchtum und das Pfingst-Brauchtum miteinander ausgetauscht wurden oder sich entsprechen. Der Maibaum kann dann Pfingstbaum heißen. Pfingstmaien entsprechen den Maien, die zum ersten Mai aufgestellt werden, also Birkenzweigen oder Birkenbäumchen. Sie sollen die neue Natur, das Aufbrechen, den Beginn des Sommers darstellen.

DOMRADIO.DE: Wir haben von Pfingsttauben gesprochen, vom Pfingstochsen, von Feuer, von Pfingstbäumen. Fällt Ihnen darüber hinaus noch anderes, pfingstliches Brauchtum ein?

Becker-Huberti: Es gibt da noch das ein oder andere: Zum Beispiel das Wasserbrauchtum, das auch mit Pfingsten verbunden ist. Man musste sich an Pfingsten mit Wasser waschen, um auf diese Art und Weise den Segen auf sich herunterzurufen oder musste mit nackten Füßen durch feuchte Wiesen laufen. So, wie der Maikönig auf den ersten Mai ermittelt wurde, wurde der Pfingstbräutigam oder der Pfingstkönig bei entsprechenden Spielen ermittelt.

Dann gibt es noch vom Sonntag auf den Montag das Brauchtum, dass man irgendwelchen Schabernack treibt. Das ist ein alter, vorchristlicher Abwehrzauber oder zumindest die Reste davon, die eine Rolle spielen. Dann ist mit Pfingsten die Rose ohne Dornen verbunden: die Päonie, oder Pfingstrose, oder Benediktinerrose, wie sie auch genannt wird.

Es gibt noch etwas, was hier vom Rheinland aus gesehen sehr interessant ist, weil man relativ gut hinkommen kann. Das ist eine Springprozession in Echternach, Luxemburg. In ihr wird das nachgeahmt, gegen das die Prozession helfen soll - nämlich dagegen, dass man eine neurologische Krankheit bekommt, bei der man nicht mehr laufen kann. Das wurde nachgespielt. Früher hüpfte man drei Schritte vor, drei Schritte zurück. Heute hüpft man zur Seite. Es ist ganz schön anstrengend, eine ganze Prozession lang auf diese Art und Weise durchzuhüpfen. Zwischen den Fußgruppen gibt es dann einzelne Musikgruppen, die immer die gleiche Melodie spielen, zu der dann gehüpft wird. Es ist hochinteressant, das zu sehen.

Seit dem 17. Jahrhundert gibt es etliche Orte in der Umgebung, auch in der Eifel hier in Deutschland, die das Gelübde abgelegt haben, dass sie, wenn sie von dieser Krankheit verschont werden, jedes Jahr diese Prozession durchführen. Sie laufen zu Fuß nach Echternach, nehmen an der Prozession teil und laufen zu Fuß auch wieder zurück.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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