Vokalensemble Kölner Dom
Das Vokalensemble Kölner Dom
Domkapellmeister Prof. Eberhard Metternich
Domkapellmeister Eberhard Metternich

06.01.2019

Weihnachtsoratorium in der Kölner Philharmonie "Ehre sei dir, Gott, gesungen"

Bis einschließlich zum Dreikönigsfest spannt Bach einen inhaltlichen Bogen mit den sechs Kantaten seines Weihnachtsoratoriums. An diesem Sonntag singt das Vokalensemble Kölner Dom daraus die Teile IV bis VI.

Es ist das populärste aller geistlichen Vokalwerke von Johann Sebastian Bach und zählt zu seinen berühmtesten Kompositionen: das Weihnachtsoratorium. Aus der Advents- und Weihnachtszeit ist es für viele längst nicht mehr wegzudenken. Da versteht sich geradezu von selbst, dass dieses mit seinen sechs Kantaten auf eine dreieinhalbstündige Aufführungsdauer hin angelegte Monumentalwerk auch fest ins Repertoire der Kölner Dommusik gehört, es wegen seiner Länge aber vornehmlich nur in Teilen gesungen wird. Wobei diese schon mal – je nach Vorliebe oder auch Anlass – variieren können.

Sechste Kantate passend zum Hochfest "Erscheinung des Herrn"

An diesem Sonntag stehen nun die Kantaten IV bis VI auf dem Programm des Vokalensembles Kölner Dom, das gemeinsam mit dem Kölner Kammerorchester unter der Leitung von Domkapellmeister Eberhard Metternich in der Kölner Philharmonie auftritt, nachdem es bereits im Advent die ersten drei Kantaten am selben Ort unter der Leitung von Orchesterchef Christoph Poppen gesungen hatte.

Damit wird die sechste Kantate, in der die Anbetung des Kindes durch die Magier aus dem Osten im Zentrum steht – wie selten passender – an dem für sie vorgesehenen Fest der Erscheinung des Herrn aufgeführt. Und darüber hinaus gibt es noch eine sinnvolle thematische Ergänzung: die 1724 in Leipzig entstandene Kantate "Sie werden aus Saba alle kommen", die Bach eigens für das dort erstmalig verlebte Epiphaniefest schrieb und die Chorleiter Metternich zwischen die vierte und fünfte Kantate des Weihnachtsoratoriums einschiebt.

Gleich im ersten Rezitativ folgert hier der Textdichter, dass es nach dem Vorbild der Weisen aus dem Morgenland auch Aufgabe jedes Christen sein muss, dem neugeborenen Jesuskind zu huldigen und ihm ein Geschenk zu bringen: nämlich das eigene Herz. Im zweiten Rezitativ wird der Glaube mit Gold verglichen, das Gebet mit Weihrauch und die Geduld mit Myrrhe; ein thematischer Ansatz, der das Dreikönigsfest kaum anschaulicher machen könnte.

Bach als "Ausleger der Bibel"

Bachs Vertrag als Thomaskantor verpflichtete ihn, zu allen Sonn- und Feiertagen eine Kantate aufzuführen. Und so macht sich der gläubige Lutheraner bald als "Ausleger der Bibel" einen Namen, der "klingende Predigten" verfasst. Eines solcher Zeugnisse mag auch das Weihnachtsoratorium sein, in dem Bach – vom ersten Weihnachtstag über den Neujahrstag bis zu Dreikönigen – das jeweilige biblische Geschehen vertont. So bilden das textliche Rückgrat dieses Oratoriums aus dem Jahr 1734 die Evangelienberichte von der Geburt Jesu, der Verkündigung durch den Erzengel Gabriel, der Anbetung der Hirten, der Namensgebung Jesu und der Weisen aus dem Morgenland.

Der Komponist folgt darin in großen Zügen den für die einzelnen Feiertage vorgeschriebenen Lesungen, weicht jedoch überall da von der kirchlichen Einteilung ab, wo es gilt, die Kontinuität der Erzählung zu wahren. Das heißt, die sechs Teile des Weihnachtsoratoriums, die am 6. Januar enden, bilden, auch wenn sie ursprünglich an sechs verschiedenen Tagen in der Weihnachtszeit aufgeführt werden sollten, doch ein inhaltliches Ganzes. Wie es heute auch gängiger Aufführungspraxis entspricht.

Ausgewogene Gesamtwerke geschaffen

Auffällig ist, dass auch Bach schon auf Synergieeffekte setzte und er immer mal die Wiederverwendbarkeit von musikalischen Zitaten – vor allem aus weltlichen Kantaten – prüfte. So wagte er es beispielsweise, Chöre und Arien der Kantaten "Lasst uns sorgen, lasst uns wachen" aus "Herkules auf dem Scheideweg", Bachwerkeverzeichnis 213, und "Tönet ihr Pauken, erschallet, Trompeten", BWV 214, fast vollständig ins Weihnachtsoratorium zu übernehmen.

Auch an anderen Stellen wird die Fähigkeit Bachs deutlich, aus verschiedensten älteren und ad hoc komponierten Stücken ein neues und in sich ausgewogenes Gesamtwerk zu schaffen. An seiner Originalpartitur lassen sich solche Vorgehens- und Angleichungsprozesse nachvollziehen und ablesen. Nach einer intensiven Phase vor allem weltlicher Kantaten war es außerdem zur Entstehungszeit des Weihnachtsoratoriums sein Vorhaben, für einige wichtige Feste des Kirchenjahres Oratorien zu schreiben, die nach Art der Kantate in den Sonntagsgottesdiensten aufgeführt werden sollten.

So entstehen neben dem Weihnachtsoratorium, dem zweifelsohne bekanntesten dieser Gattung, auch ein Himmelfahrtsoratorium und ein Osteroratorium; ein Pfingstoratorium stand ebenfalls auf der Agenda des vielbeschäftigten Musikdirektors und Kantors. Ob es je zur Ausführung kam und heute verschollen ist, konnte letztlich aber nie ganz geklärt werden.

Das Konzert in der Philharmonie beginnt um 16 Uhr. Als Solisten wirken mit: Sibylla Rubens, Sopran, Ingeborg Danz, Alt, Jörg Dürmüller, Tenor, Konstantin Krimmel, Bass. Es musizieren das Vokalensemble Kölner Dom und das Kölner Kammerorchester unter der Leitung von Eberhard Metternich.

Beatrice Tomasetti

(DR)

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