Ein Junge trägt bei seiner Kommunion eine weiße Kommunionalbe und hält eine brennende Kommunionkerze in der Hand.
Ein Junge trägt bei seiner Kommunion eine weiße Kommunionalbe und hält eine brennende Kommunionkerze in der Hand.
Monsignore Georg Austen
Monsignore Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes

23.04.2017

Worum es bei der heiligen Erstkommunion geht Glaube und Gemeinschaft statt Geschenke

Zehntausende Kinder in ganz Deutschland gehen am Weißen Sonntag zur Erstkommunion. Statt um Geschenke gehe es vor allem darum, Glauben und Gemeinschaft zu erfahren, sagt der Generalsekretär des Bonifatiuswerks, Monsignore Georg Austen gegenüber domradio.de.

domradio.de: Immer mehr Erwachsene und Jugendliche wenden sich ja von der Kirche ab. Das zeigen Umfragen. Wie sieht es mit Kommunionkindern aus? Sind es immer noch ganz viele, die zur Erstkommunion gehen?  

Monsignore Georg Austen (Generalsekretär des Bonifatiuswerks): Klar erleben wir auf der einen Seite, dass sich Menschen von der Kirche abwenden. Aber wir dürfen nicht nur den Blick dorthin wenden, sondern, darauf, dass die meisten der Kommunionkinder eine Beziehung zur Kirche haben. Natürlich haben wir auch dort einen Rückgang zu verzeichnen. Das liegt einerseits an der demografischen Entwicklung, aber eben auch daran, dass manche Eltern sagen: Wir möchten nicht, dass unser Kind zur Erstkommunion geht. Das ist eine Realität, der wir uns stellen müssen. Aber wir dürfen eben nicht nur klagen, sondern uns auch freuen, dass es sehr viele sind, die dieses Sakrament auch empfangen möchten.

domradio.de: Jetzt beklagen viele Verantwortliche, dass diese Erstkommunion immer mehr zum Event verkommt. Da geht es dann um das Fest, das Kleid und die Geschenke, und der Gottesdienst ist weniger wichtig. Ist das etwas, was Sie auch beobachten?

Austen: Natürlich beobachten wir das mit, weil eben die Beziehung zum Gottesdienst oder zur Eucharistiefeier für viele Erwachsene nicht mehr alltäglich ist. Ich würde nicht unterschätzen, dass eine Erstkommunionfeier auch eine langfristige Bedeutung für die Kinder haben kann, als eine Art Lebensknotenpunkt. Das zu vermitteln, ist natürlich für uns eine Herausforderung als Verantwortliche und als Kirche. Es gibt in den Gemeinden sehr vielfältige Bemühungen, dass eben nicht nur ein Rahmen gesetzt wird, sondern wir sind auch die Inhalte dieses Rahmens. Das ist für mich das Wichtige.

Ich selbst habe vor genau 50 Jahren zum ersten Mal die Kommunion empfangen. Und wir sind jetzt aus dem Dorf, aus dem ich komme - in der Nähe von Paderborn - nach 50 Jahren eingeladen, uns als Jahrgang zu treffen und auch zum Gottesdienst zu gehen. Das zeigt, dass in irgendeiner Form etwas hängenbleiben kann. Ich finde es manchmal schade, dass die Kinder oft beim Gottesdienst abgesetzt werden, die Eltern selbst aber nicht dabei sind. Es wird alles auf diesen Tag zentriert. Aber ich würde mir wünschen, dass es auch eine inhaltliche Berührung gibt, mit dem Herzen. Es gibt einige, für die ihre Erstkommunion einen Mehrwert hat und andere, die tun es aus guter Tradition oder eben aus Tradition. 

domradio.de: Das Bonifatiuswerk unterstützt ja auch die Kommunionkinder und Katecheten bei der Vorbereitung. Wie versuchen Sie denn, die Kinder für das wirklich Wichtige zu sensibilisieren und vor allem auch zu begeistern?

Austen: Wir können nur Impulse setzen und vermitteln: Es geht nicht nur um die Spende, die sehr wichtig ist, um Kinder und Jugendliche in der Diaspora zu unterstützen. Sondern ganz wichtig ist auch, dass es eine generationenübergreifende Vorbereitung gibt, weil die Eltern oftmals keinen Bezug mehr zur Kirche haben. Die Frage ist für mich: Wie kann es eine Sensibilisierung für die Glaubensinhalte geben, damit wir den Glauben auch näher kennenlernen.

Außerdem finde ich wichtig, dass Kinder und auch Familien eine Glaubensgemeinschaft erleben. Also, dass sie nicht nur eine Vereinzelung im Glauben wahrnehmen, wie sie so oft auch in der Diaspora erfahrbar wird. Stattdessen sollen sie durch die Vorbereitung auf das Fest und auf diesen Tag eine positive Erfahrung machen und auch etwas mitnehmen, das ihr Leben mitträgt. Wir versuchen dazu Handreichungen zu geben mit einem Leitwort für die Erstkommunion, aber auch Ideen für Gruppenstunden. Das wird immer sehr, sehr dankbar aufgenommen.

domradio.de: Das Motto des Bonifatiuswerks ist in diesem Jahr "Gottes Nähe spüren. Mit Jesus in einem Boot". Warum haben Sie das gewählt? 

Austen: Es geht darum, dass wir alle in einem Boot sitzen - einerseits als Gemeinde, aber auch, dass wir in der weltweiten Solidarität vereint sind. Das Bild greift auch das Gleichnis Jesu´ auf, dass wir keine Angst haben müssen, weil Jesus mit uns im Boot sitzt. Darauf können wir vertrauen, in den Stürmen, die wir als Kinder und Erwachsene erleben. Bei der Feier der Erstkommunion kommt ein besonderes Zeichen hinzu. Wir dürfen die Erfahrung machen: Jesus Christus gibt sich uns selbst in der Feier der Eucharistie. Er ist mit uns im Boot und das eben nicht nur für einen Tag, sondern für das ganze Leben. 

domradio.de: Die Kommunionkinder spenden traditionell Geld an das Bonifatiuswerk, das Sie in den Wochen vor dem Weißen Sonntag gesammelt haben. Welches Projekt unterstützen Sie in diesem Jahr damit? 

Austen: Das Projekt heißt "Orte zum Leben" und ist ein Caritas-Projekt der Kinder- und Jugendhilfe im Erzbistum Berlin. Fünf Wohngemeinschaften bieten dort Kindern einen Zufluchtsort, wenn sie nicht mehr in ihren Familien leben können. Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich; Krankheit der Eltern, Vernachlässigung der Kinder oder ganz andere Probleme. An diesem Ort erleben sie eine Gemeinschaft, in der auch der christliche Geist miteinander gelebt wird, in der sie auf ihrem schweren Weg begleitet werden und in der sie spüren: Hier ist ein lebendiger Ort, wo Kirche erlebt werden kann.

Einer der "Orte zum Leben" ist der Jugendbauernhof "Biesenbrow". Dort lernen Kinder durch die Sorge und Nähe zu Tieren, wieder Vertrauen zu fassen und Verantwortung zu übernehmen. Auch da erleben die Kinder: Die Kirche lässt uns nicht allein und unterstützt Kinder und Jugendliche, neue Lebensperspektiven zu bekommen.

Das Interview führte Uta Vorbrodt. 

(DR)

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