Gläubige auf dem Petersplatz in Rom
Gläubige auf dem Petersplatz in Rom

18.11.2015

Heiliges Jahr wird durch Pariser Terroranschläge nicht gestoppt Problemlösung auf "italienische Art"

Soll der Papst das Heilige Jahr verschieben? Nach den Terroranschlägen von Paris wurden solche Vorschläge laut. Doch Vatikan und Italien halten an ihren Plänen fest - und die Stadt Rom redet ihre Probleme schön.

Die Terroranschläge von Paris werfen ihre Schatten auch auf das bevorstehende Heilige Jahr in Rom. Waren die Sicherheitsvorkehrungen bereits in den vergangenen Monaten rund um den Vatikan verstärkt worden, so haben die Präsenz von Polizei und Carabinieri sowie Kontrollen seit dem Wochenende nochmals zugenommen. Von einer Verschiebung des Jubiläumsjahres, das am 8. Dezember beginnen soll, war zwischendurch sogar die Rede.

Für die Sicherheit der Pilger würde das freilich nichts bringen, gab sich Roms zuständiger Stadtpräfekt Franco Gabrielli jetzt vor Journalisten überzeugt. "Terroristen handeln nicht nach einem festen Kalender. Sie schlagen zu, wenn sie fertig sind."

Liturgische Vorbereitungen laufen

Unterdessen hat der liturgische Countdown für das "Jubiläum der Barmherzigkeit" begonnen. Dazu werden nach jüngsten Schätzungen des Sozialforschungsinstituts Censis 33 Millionen Besucher in der Ewigen Stadt erwartet. Am Dienstagabend erfolgte die sogenannte Recognitio der Heiligen Pforte im Petersdom: Die nach dem bislang letzten Anno Santo am 6. Januar 2001 hinter dem Bronzeportal hochgezogene Mauer wurde eingerissen. Die in einer Kassette eingemauerten Dokumente wurden entnommen - eine notarielle Schließungsurkunde, Pontifikatsmedaillen und Schlüssel für das Portal - und dem Päpstlichen Zeremonienmeister übergeben.

Bei der Öffnung der Heiligen Pforte in drei Wochen braucht Papst Franziskus die Mauer dann nicht mehr selbst einzureißen. Dieser Vorgang hatte beim Heiligen Jahr 1975 fast zu einem tragischen Unfall geführt: Damals stürzten Ziegelsteine wenige Zentimeter neben dem Kopf von Papst Paul VI. vorbei.

Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen

Mit Blick auf das Heilige Jahr haben die staatlichen Behörden für Rom jetzt strenge Sicherheitsmaßnahmen verordnet. 700 zusätzliche Militärs sollen ihre 1.300 Kollegen beim Objektschutz unterstützen. 94 Punkte der Stadt wurden als "besonders sensibel" eingestuft, angefangen von der Wohnung des Papstes im Gästehaus Santa Marta, aber auch 39 diplomatische Vertretungen, die Einwanderungsbehörde, Fluggesellschaften von USA und Israel und neun internationale Schulen, darunter die jüdische und die saudische.

Dazu zählen aber auch symbolische Orte wie das Kolosseum, die Spanische Treppe, die Synagoge, Bahnhöfe, Metro-Stationen und natürlich die Flughäfen. Über der Stadt soll ein Flugverbot gelten. Besondere Gefahren sehe man durch Drohnen, berichten Medien. Zudem wurde am Mittwoch eine einheitliche Notrufnummer (112) geschaltet, in der Polizei, Carabinieri, Feuerwehr und ärztlicher Notdienst zusammenlaufen.

Hotels vermelden Stornierungen

Römische Hoteliers berichten von fünf bis sechs Prozent Stornierungen. Allerdings leidet deren Geschäft ohnehin seit einigen Jahren unter dem Boom von "Bed and breakfast"-Angeboten und Ferienwohnungen, die teils am Fiskus vorbeilaufen - und durch die der Stadt nach eigenen Angaben Einnahmen von 40 Millionen Euro entgehen. Gerade diese Angebote profitieren besonders vom kontinuierlichen Besucheranstieg in Rom, der sich laut der Zeitung "La Repubblica" (Mittwoch) von 7,5 Millionen im Jahr 2001 auf zuletzt 13,4 Millionen erhöht hat.

Derweil hat die Stadtverwaltung eine neue Antwort auf die Vorhaltungen gefunden, sie habe viel zu spät mit den Vorbereitungen für das Jubiläumsjahr begonnen. Da die großen Heilig-Jahr-Veranstaltungen erst im Februar einsetzten - und nicht mit dem nominellen Beginn am 8. Dezember - sei es vollkommen ausreichend, wenn die Infrastruktur mit Beginn der Fastenzeit stehe, argumentiert man. Das gebe der Stadt noch zwei Monate Luft, die Anlage der Pilgerwege und die erforderlichen Empfangsmaßnahmen für die Besucher aus aller Welt herzurichten. Eine Problemlösung auf "italienische Art".

Johannes Schidelko
(KNA)

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