Darstellung des Heiligen Ignatius von Loyola im Petersdom
Darstellung des Heiligen Ignatius von Loyola im Petersdom
Iesum Habemus Socium ("Wir haben Jesus als Gefährten") - das Emblem der Jesuiten
Iesum Habemus Socium ("Wir haben Jesus als Gefährten") - das Emblem der Jesuiten

22.08.2021

Ignatius und die Entdeckung der geistlichen Unterscheidung Klärungsprozess bei wichtigen Fragen

Beim Partner bleiben oder gehen? Den Job wechseln? Das Elternhaus verkaufen? Wie findet man die richtige Antwort auf wichtige Lebensfragen? Eine zeitlos aktuelle Hilfestellung gibt der heilige Ignatius.

In diesem Jahr feiern die Jesuiten den 500. Jahrestag der Bekehrung ihres Gründers, des heiligen Ignatius von Loyola (1491-1556). Das Leitwort dieses Jahres lautet: "Alles in Christus neu sehen." Dieses Motto kennzeichnet den abenteuerlichen Wandlungsweg des Heiligen vom karrierebewussten Draufgänger und Frauenheld zum leidenschaftlichen Weggefährten Jesu. Wie kam es zu dieser Umkehr? 1521 zertrümmert eine Kanonenkugel sein Bein und seine Zukunftsträume.

Auf dem langen Krankenlager macht er eine entscheidende Entdeckung: Ritterromane, die er liest, begeistern ihn nur kurzfristig. Danach fühlt er sich leer und missmutig. Die Bibel und Heiligenlegenden, die er aus Langeweile liest, empfindet er als anregend; sie machen ihn froh und zufrieden. So gerät er langsam auf einen geistlichen Umkehrweg, der ihn an den Rand der Verzweiflung, aber auch zu einer tiefen Verbundenheit mit Jesus Christus führt.

Methode prägt Altes und Neues Testament

Seinen inneren Weg beschreibt er vor allem in den "Geistlichen Übungen", dem Exerzitienbuch, das zum markanten Kennzeichen der ignatianischen Spiritualität wird. Darin spielt die "Unterscheidung der Geister" eine wichtige Rolle. Diese Methode hat biblische Wurzeln und prägt das Alte und Neue Testament.

Was mit dem Ausdruck "Unterscheidung der Geister" - Ignatius spricht von inneren Regungen - gemeint ist, hat der Jesuit Franz Meures folgendermaßen umschrieben: "Unterscheidung der Geister ist ein Klärungsprozess, in dem ein Mensch aus einer persönlichen Vertrautheit mit Christus heraus die von ihm erlebten inneren und äußeren Bewegungen und Antriebe daraufhin überprüft, ob sie mehr zu Gott führen oder eher von ihm weg, um so zu Entscheidungen fähig zu werden, welchen Weg er vor und mit seinem Gott gehen soll." Ignatius lernt langsam auf seinem Bekehrungsweg das Gespür für den Grundsatz: "Prüfet alles, das Gute behaltet!" (1 Thess 5,21) und erfährt die heilsame Wirkung einer solchen Prüfung des eigenen Gewissens.

Tägliches Gebetsrepertoire der Gemeinschaft

Für viele Menschen hat die sogenannte Gewissenserforschung einen negativen Beigeschmack. Im Grunde aber, so erlebt es Ignatius, führt sie zu der Erkenntnis: "Die Wahrheit wird euch frei machen" (Joh 8,32), auch von der Fixierung auf Fehler und Versagen. Diese Übung hat für Ignatius und seinen Orden einen hohen Stellenwert. Er spricht von der wichtigsten Viertelstunde des Tages. Sie gehört zum täglichen Gebetsrepertoire seiner Gemeinschaft.

Der Jesuit Willi Lambert hat diese Zeitspanne positiv umbenannt: Er spricht vom Gebet der liebenden Aufmerksamkeit, das vielfach auch in "Exerzitien im Alltag" - die ebenso auf Ignatius zurückgehen - empfohlen wird. Dabei soll man sich vor Gott mit dankbarem Herzen jeden Tag seiner Lebenswirklichkeit zuwenden und so auch den Mitmenschen begegnen.

Die Bewegungsrichtung ist entscheidend

Es ist nicht immer leicht, im eigenen Leben herauszufinden, was der Wille Gottes für einen selbst bedeutet. Das Glaubensleben ist von Bewegung und Dynamik bestimmt. Dabei ist nicht entscheidend, wo jemand sich befindet, sondern, in welche Richtung er sich bewegt. So geht es beim Prozess der Unterscheidung um eine Richtungsänderung (Umkehr), die nie abgeschlossen ist.

Hier ein konkretes Beispiel zur Unterscheidung: Wichtig ist für die Beurteilung von Regungen und Gefühlen, woher diese kommen. Ob eine Freundschaft tragfähig ist, zeigt sich oft erst in Konfliktsituationen. Wenn einer der beiden dann spürt: Die Krise hat unser gegenseitiges Verstehen vertieft, empfinden wir das als Gewinn.

Wenn dagegen das Unverständnis wächst, liegt die Überlegung einer Trennung näher und wäre sinnvoller. Als Klärungshilfe dient da unser persönliches Empfinden.

Frieden, Freude und Gelassenheit

Von Martin Buber stammt der Satz: "Wer umkehrt, gerät in die Wegspur des lebendigen Gottes." Jeder kann sich selbst fragen: Befinde ich mich in dieser Wegspur, oder wie kann ich sie finden? Klarheit darüber lässt sich im Achten auf den Nachgeschmack des eigenen Tuns finden. Ziel kann sein, das zu tun, was auf Dauer und tiefgreifend froh, zuversichtlich und zufrieden macht.

Erkennungszeichen für den Willen Gottes sind nicht Angst, Furcht, Härte und Eile, sondern Frieden, Freude und Gelassenheit. Jeder Ruf Gottes ist ein Ruf in die Freiheit und bringt einen Zuwachs an Lebendigkeit, Liebe und Engagement. Der Ruf Gottes überfordert nicht, aber er fordert heraus! Charles de Foucauld rät: "Frage dich in allem, was hätte unser Herr getan, und handle so."

In die Weggemeinschaft mit Jesus hineinwachsen

Die tägliche Grundübung des Ignatius kann helfen, dankbar für das Dasein mit einem ehrlichen Rückblick auf die Tagesereignisse zu schauen und die Richtung abzuwägen: Folge ich einem guten Geist, oder zeigen sich zerstörerische Tendenzen? Alles Unversöhnte lässt sich in Gottes Hände legen - im Vertrauen auf seine Barmherzigkeit. Dann kann der Blick in die Zukunft gehen.

Wer sich regelmäßig auf diese geistliche Übung einlässt, wird spüren, dass er mehr und mehr in die Weggemeinschaft mit Jesus hineinwächst, um "alles in Christus neu sehen" zu lernen, wozu das Ignatius-Jubiläumsjahr einlädt. Vielleicht erfährt er dann auch, was Dag Hammarskjöld 1957 in sein Tagebuch schrieb: "Jeder Tag der erste - jeder Tag ein Leben. Jeden Morgen soll die Schale unseres Lebens hingehalten werden, um aufzunehmen, zu tragen und zurückzugeben."

Elke Deimel
(KNA)

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