Zum Gebet gefaltete Hände
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Vatertag: Eine Gruppe junger Männer mit einem mit Bier gefüllten Bollerwagen (Archiv)
Vatertag: Eine Gruppe junger Männer mit einem mit Bier gefüllten Bollerwagen (Archiv)

13.05.2021

Fragen und Antworten rund um das Fest Christi Himmelfahrt Himmelfahrt und Vatertag in der Corona-Krise

An diesem Donnerstag ist "Christi Himmelfahrt". In vielen Kalendern steht auch "Vatertag". Reine Verweltlichung? Oder gibt es eine Verbindung? Und wie sehr verändert die Corona-Krise - jetzt schon zum zweiten Mal - das Fest?

Am Donnerstag feiern Christen in diesem Jahr das Fest Christi Himmelfahrt. Andere freuen sich einfach nur über ein verlängertes Wochenende oder hoffen vielleicht sogar auf eine Corona-gemäße Alternative zur feuchtfröhlichen Vatertagstour. Aber was steckt eigentlich hinter dem Fest? Fragen und Antworten rund um den Feiertag:

Woher kommt das Fest und was steht dazu in der Bibel?

Im Neuen Testament steht, dass Jesus nach seiner Auferstehung an Ostern noch mehrfach seinen Jüngern erschien, bevor er in den Himmel auffuhr. Die Himmelfahrt wird an drei Stellen erwähnt. Im Markus- und Lukas-Evangelium gibt es dabei keine Zeitangaben. In der Apostelgeschichte steht, dass Jesus noch 40 Tage bei seinen Jüngern war, bevor es heißt: "Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken." Laut Katechismus beschreibt die Himmelfahrt den "endgültigen Eintritt der menschlichen Natur Jesu in die göttliche Herrlichkeit". Dies wird im biblischen Sprachgebrauch durch die Rede von der Wolke und vom Himmel ausgedrückt.

Wann und seit wann wird das Fest gefeiert?

Die Feier war zuerst mit dem Pfingstfest verbunden, ehe sich seit dem vierten Jahrhundert ein eigenständiges Fest entwickelte. In Anlehnung an die Apostelgeschichte wird Christi Himmelfahrt am 40. Tag nach Ostern gefeiert. Mit der Himmelfahrt verbunden ist das Versprechen Jesu, seinen Anhängern zur Stärkung seinen Heiligen Geist zu senden. Zehn Tage nach Himmelfahrt feiern die Christen deshalb das Pfingstfest.

Ist Christi Himmelfahrt überall Feiertag?

Anders als Fronleichnam zehn Tage nach Pfingsten ist Christi Himmelfahrt in allen deutschen Bundesländern gesetzlicher Feiertag. Das gilt auch für viele Nachbarländer wie Schweiz, Österreich, Dänemark, Niederlande, Belgien, Luxemburg und Frankreich sowie für weitere Länder wie Norwegen, Schweden, Finnland, Island, Liechtenstein, Kolumbien, Haiti, Indonesien oder Namibia. Kein gesetzlicher Feiertag dagegen ist Christi Himmelfahrt in klassischen katholischen Ländern wie Italien, Polen, Ungarn oder Spanien. Dort wird die kirchliche Feier in der Regel am darauffolgenden Sonntag nachgeholt.

Wo soll die Himmelfahrt stattgefunden haben?

Nach biblischer Überlieferung soll Jesus von der höchsten Stelle des Ölbergs aus zum Himmel aufgefahren sein. Dort - östlich der Jerusalemer Altstadt - steht die kleine, schlichte Himmelfahrtskapelle, die seit der Kreuzfahrerzeit Eigentum der islamischen Stiftungsverwaltung ("Wakf") ist. Seit osmanischer Zeit darf dort nur einmal im Jahr, am Fest Christi Himmelfahrt, eine katholische Messe gefeiert werden. Die Muslime haben die Derwisch-Moschee, in deren Innenhof die Kapelle steht, aus Respekt neben der Stelle der Auffahrt des "Propheten Jesus zu Allah, dem Allmächtigen" errichtet und nicht darüber.

Mit welchem Brauchtum ist Christi Himmelfahrt verbunden?

Um den Menschen die Himmelfahrt vor Augen zu führen, wurden und werden vor allem in einigen Regionen Süddeutschlands und Österreichs Christusfiguren durch ein Loch in der Kirchendecke nach oben gezogen. Ansonsten wird das Fest traditionell an vielen Orten mit Gottesdiensten und Prozessionen im Freien gefeiert. Bekannte Prozessionen sind etwa der "Gymnicher Ritt" in Erftstadt bei Köln, die Kutschenwallfahrt im münsterländischen Telgte, die Meereshochzeit in Cervia an der italienischen Adria oder die Heiligblutprozession im belgischen Brügge. Am Freitag nach Himmelfahrt zieht jährlich Europas größte Reiterprozession, der Blutritt, durch die oberschwäbische Stadt Weingarten.

Und in Zeiten der Corona-Krise?

Gottesdienste sind weiterhin nur mit Einschränkungen erlaubt unter Einhaltung der Hygiene- und Sicherheitsvorschriften. Darüber hinaus wird weiter empfohlen, an Christi Himmelfahrt genau wie an Pfingsten und Fronleichnam möglichst viele Gottesdienste im Freien zu feiern. Die Kutschenwallfahrt in Telgte ist abgesagt, der "Gymnicher Ritt" findet erneut in kleinem Rahmen und ohne Zuschauer und ohne Volksfest statt. Auch beim Blutritt in Weingarten werden sich nur kleine Reitergruppen auf dem Weg machen - ohne Musikkapellen, Besucher und Pilger. An vielen anderen Orten gibt es ebenfalls wieder Absagen oder zumindest erhebliche Einschränkungen im Vergleich zu früheren Jahren.

Was passiert an Christi Himmelfahrt beim Dritten Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt?

Ohne Corona hätte es ein großes und buntes Fest des Glaubens mit rund 100.000 Teilnehmern werden können - jetzt aber geht der Kirchentag von Donnerstag bis Sonntag fast ausschließlich digital über die Bühne. Die Eröffnung am Himmelfahrtstag könnte allerdings schon spektakulär werden: Geplant ist ein ökumenischer Gottesdienst in luftiger Höhe auf einem Parkdeck in der Frankfurter Innenstadt mit Blick auf die Skyline - ab 10 Uhr live in der ARD übertragen. Der genaue Ort des Parkdecks soll vorher nicht veröffentlicht werden, um Menschenansammlungen in der Pandemie zu vermeiden.

Und was hat Christi Himmelfahrt mit dem Vatertag zu tun?

Viele verbinden das Fest - bisher jedenfalls - auch mit feuchtfröhlichen Ausflügen zum Vatertag, an dem Männergruppen mit Bollerwagen und Bierfass losziehen. In einigen Statistiken nimmt Christi Himmelfahrt wohl auch deshalb eine traurige Spitzenposition bei den Unfällen unter Alkoholeinfluss ein. Dabei gibt es Hinweise darauf, dass das Treiben am Vatertag aus dem Himmelfahrtsbrauchtum entstanden sein könnte. So verraten kirchliche Chroniken, dass schon im 17. Jahrhundert manche Himmelfahrtsprozession in Trinkgelagen geendet habe. Daraus entwickelten sich seit dem 19. Jahrhundert in manchen Großstädten sogenannte "Schinkentouren": Fuhrunternehmer organisierten Ausflugsfahrten mit Pferdefuhrwerken aufs Land. Frauen waren bei diesen Herrenpartien nicht zugelassen. In den 1930er Jahren propagierten holländische Zigarrenfabrikanten und Metzger dann den Vatertag als Gegenstück zum etablierten Muttertag.

Gottfried Bohl
(KNA)

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