Ordensschwester versorgt Verletzte im Vietnamkrieg
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09.05.2021

Gedenken an den rebellischen US-Jesuiten Berrigan "Prison Poems"

Der Amerikaner Daniel J. Berrigan verbrachte mehr Zeit im Gefängnis als viele Theologen in ihren Fakultäten. Bis zuletzt verstand es der Jesuit und Friedensaktivist zu provozieren. Zur Welt kam er am 9. Mai vor 100 Jahren. 

Die Sachbearbeiter staunten, als die Priesterbrüder Daniel und Philip Berrigan mit sieben Begleitern in die Büroräume des Wehrdiensterfassungsamtes von Catonsville im US-Bundesstaat Maryland kamen. Ohne viele Umstände gingen die neun Anti-Vietnamkriegs-Aktivisten an die Aktenschränke und holten Hunderte Einberufungsbescheide heraus.

Sie schleppten die Dokumente auf einen Parkplatz - und zündeten sie an. Es war Mai 1968. "Wir zerstören diese Einberufungsbescheide nicht nur, weil sie unsere jungen Männer ausnutzen", verkündeten die beiden Geistlichen damals.

Polizeibekannte Aktivitäten

"Wir konfrontieren auch die katholische Kirche, andere christliche Körperschaften und die Synagogen in Amerika mit ihrem Schweigen und ihrer Feigheit im Angesicht der Verbrechen unseres Landes." Bei den nicht minder rebellischen Studenten der Anti-Vietnamkriegs-Bewegung kam das gut an. Nicht so bei der Wehrbehörde, die die Polizei verständigte.

Daniel und Philip beteten mit ihren Mitstreitern, als die Beamten kamen, den Protest auflösten und die "Catonsville Nine" festnahmen. Den Prozess nutzten die Priester, um ihre Anti-Vietnam-Botschaft zu verbreiten. Der Richter verurteilte sie zu jeweils drei Jahren Haft. Angesichts seiner angeschlagenen Gesundheit gelang es den Jesuiten, Father Berrigan vorzeitig frei zu bekommen.

Sohn eines Eisenbahn-Ingenieurs

Daniel Berrigan wurde vor 100 Jahren, am 9. Mai 1921, als vierter von sechs Söhnen eines Eisenbahn-Ingenieurs geboren. Seit seiner Geburt litt er an einer Gehschwäche. Schon früh wollte er Priester werden. 1946 studierte er im Jesuiten-Seminar von Hyde Park im US-Bundesstaat New York und am Woodstock College in Baltimore.

Danach war er in Frankreich, wo ihn die Bewegung der Arbeiterpriester beeinflusste. Neben der Theologie faszinierte Berrigan die Poesie, mit der er sich neben seiner Arbeit als Lehrer an der Brooklyn Preparatory School beschäftigte. Er verfasste eine Fülle literarischer Werke und Gedichte; seine "Prison Poems" (Gefängnisgedichte) sind vielleicht die berühmtesten.

Friedensaktivist durch und durch

Berrigan freundete sich mit der katholischen Sozialaktivistin Dorothy Day und dem Trappisten Thomas Merton an. Einen Widerpart fand Berrigan im New Yorker Kardinal Francis Spellman (1889-1967), der ihn zu einer Recherche-Reise nach Südamerika schickte.

Nach Protesten der damals einflussreichen linkskatholischen Fraktion in den USA durfte der Aktivist schließlich zurückkommen - und zeigte sich entschlossener denn je. Sein Friedensaktivismus brachte ihm Bewunderung bei der US-amerikanischen Linken ein.

Paul Simons Song

Paul Simon setzte ihm mit dem Song "Me and Julio Down by the Schoolyard" ein Denkmal. Er diente dem irischen Schriftsteller Colum McCann als Inspiration für den fiktiven Father Corrigan in dessen Bestseller "Let the Great World Spin" (dt. "Die große Welt", 2009).

Bevor er seinen Platz an der katholischen Fordham University in der Bronx von New York fand, lehrte Berrigan unter anderen an der Columbia University, in Cornell und Yale. Zudem setzte sich der Jesuit für Aids-Kranke ein.

Bis ins hohe Alter behielt er sich seine Streitbarkeit. So tauchte er 2012 in Manhattan auf, um sich mit den Demonstranten von "Occupy Wall Street" zu solidarisieren. Gefragt, wann er denn wohl zur Ruhe kommen werde, sagte Berrigan zu seinem 80. Geburtstag: "An dem Tag, nachdem ich einbalsamiert wurde. Dann gebe ich auf."

Ende April 2016 starb Daniel Berrigan, kurz vor seinem 95. Geburtstag, in New York.

Thomas Spang
(KNA)

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