Papst Franziskus begrüßt die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg
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Willibert Pauels
Willibert Pauels
Pfarrer Franz Meurer
Pfarrer Franz Meurer
Maria Mesrian
Maria Mesrian

17.02.2021

Meurer, Pauels und Mesrian diskutieren über Religion und Moral "Greta und Lauterbach können das besser"

Welche Rolle spielt die Kraft der Religion? Wie gehen Moral und Trost zusammen? Ist die Kirche noch eine Moralinstitution? Pfarrer Franz Meurer, Kabarettist Willibert Pauels und "Maria 2.0"-Aktivistin Maria Mesrian haben darüber diskutiert.

Eigentlich ist die Kirche nicht für die Moral da, findet der Karnevalist und Büttenredner Willibert Pauels. "Vor der Aufklärung war das anders", damals brauchte es die Kirche, um den Menschen den richtigen Weg zu zeigen und zu betonen, dass der Mensch einen Wert hat und genauso behandelt werden sollte. Heute sei das aber anders. Greta Thunberg oder Karl Lauterbach seien viel besser darin, den Finger in die Wunden zu legen. Deshalb brauche die Kirche eine andere Existenzberechtigung.

Moral ist für den Komiker Pauels anscheinend kein angenehmes Wort. "In den Achtzigern wurden wir gequält mit Friedensmoral. Danach mit Ökomoral und mit Sozialmoral." Moral sei für ihn nichts Schlechtes, aber die Motivation des Christentums, der Religionen im Allgemeinen, müsse einen tieferen Ursprung haben. "Das innere Wesen der Religiosität geht weit darüber hinaus." Jesus habe nur ein einziges Moralgebot aufgestellt: die Liebe.

Digitale Diskussion am Karnevalsdienstag

Zur Veröffentlichung des neuen Buches von Willibert Pauels, das sich mit genau diesen existenziellen Fragen auseinandersetzt, diskutierte er am Veilchendienstag bei einer Online-Veranstaltung der Kölner Karl-Rahner-Akademie mit zwei weiteren meinungsstarken Katholiken: Dem Sozialpfarrer Franz Meurer und Maria Mesrian, Mitinitiatorin von Maria 2.0.

Eine Premiere sei die Veranstaltung, so Akademieleiter Norbert Bauer, denn erstmals an einem Karnevalsdienstag müssen nicht die Türen verschlossen werden, wegen des Getümmels in der Kölner Innenstadt. "Das erste Mal sind wir nicht im Lockdown." Stattdessen haben sich die Diskutanten mit Abstand im Raum verteilt und sowohl über die großen philosophischen Fragen des Christentums als auch über die spannungsvolle Realität im Erzbistum Köln im Jahr 2021 gesprochen.

Mesrian: Kirche im "freien Fall"

Und Konflikte gibt es genug, das macht die Frauenrechts-Aktivistin Maria Mesrian ganz klar. Für sie befinde sich das System katholische Kirche im freien Fall. Alles, was ihr früher Trost und Halt gegeben habe, befinde sich in den letzten zwei Jahren mehr und mehr im Zusammenbruch.

"Was machen wir, wenn Moral in der Kirche keinen Platz mehr hat?" Fragt die Maria 2.0-Mitbegründerin. Sie erlebe eine kirchliche Realität, in der ihr nicht nur Zustimmung, sondern auch viel Abneigung und Schweigen entgegenkommen. "Die Kirche ist nicht mehr zu retten, wenn sie sich nicht über die Moral definiert."

Meurer: Moral heißt Handeln

Pfarrer Franz Meurer geht die Frage der Moral praktisch an. Ihm geht es mehr ums Handeln als ums Reden. Wenn dem so wäre, dass die Moral in der Kirche keinen Platz mehr habe, wäre er der Erste der Laut geben würde. Das sei eine Frage unabhängig von allen kirchlichen Strukturen. Selbst wenn alle Strukturen zusammenbrechen, blieben die Menschen mit ihrem Handeln und ihrer Nächstenliebe. "Die Kirche ist ein Werkzeug, so wie ein Hammer oder ein Laptop," so Meurer. Er habe kein Problem damit, wenn die Strukturen zusammenbrechen würden, es gebe nur zwei wichtige Orte, die bleiben müssten: der Altar zum Beten – und die Caritas zum Handeln.

Willibert Pauels, nicht nur Komiker, sondern katholischer Diakon, inzwischen im Ruhestand, stimmt dem zu: "Wenn die Strukturen fallen, kommt die innere Freiheit."

Tiefe Gräben in der Kirche

Pauels, Meurer und Mesrian stellen gemeinsam fest, dass es tiefe Gräben gibt, in der Gesellschaft wie in der Kirche. "Wir beziehen uns alle auf die gleiche christliche Botschaft. Da dürfe man sich nicht gegenseitig den Glauben absprechen". Sowas mache sie "fuchsteufelswild", so Mesrian. Eine Diskussion wie am Karnevalsdienstag sei ein wichtiger Schritt und ein gutes Gegenargument. Man müsse sich gegenseitig zuhören und auch den Standpunkt der anderen Seite verstehen.

Das neue Buch von Willibert Pauels "Unseren täglichen Trost gib uns heute" ist am 1. Februar im Herder Verlag erschienen. Jede Woche teilt er seine Gedanken in der DOMRADIO.DE-Reihe "Das Wort zum Samstag".

Renardo Schlegelmilch

(DR)

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