Suizidbeihilfe in der Diskussion
Suizidbeihilfe in der Diskussion
Prof. Franz-Josef Bormann
Prof. Franz-Josef Bormann
Ralf Meister, Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
Ralf Meister, Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers

26.08.2020

Moraltheologe widerspricht Landesbischof zu Suizidbeihilfe "Leben darf auf keinen Fall zerstört werden"

In der Diskussion um Suizidbeihilfe hat der katholische Moraltheologe Franz-Josef Bormann dem evangelischen Landesbischof Ralf Meister widersprochen. Nach Ansicht Bormanns könne man sich in einer solchen Situation nicht auf die Bibel berufen.

Bormann sagte dem Katholischen Sonntagsblatt für die Diözese Rottenburg-Stuttgart (Ausgabe vom 30. August), es gebe eine "ganz klare biblische Grundorientierung, dass Leben auf keinen Fall zerstört werden darf". Wer dies tue, um den Belastungen eines Alterungs­ oder Krankheitsprozesses zu entgehen, könne sich auf keinen Fall auf die Bibel berufen.

Der Hannoveraner Landesbischof Meister hatte für ein Recht auf Selbsttötung plädiert. Wenn das Leben von Gott geschenkt sei, dürfe der Mensch "auch über die Art und Weise und den Zeitpunkt des Lebensendes selbstbestimmt nachdenken", so Meister.

"Tötungsverbot gilt auch für Selbsttötung"

Bormann hielt dem entgegen, gerade in der christlichen Tradition gebe es die ganz klare Vorstellung, dass das in den Zehn Geboten festgeschriebene Tötungsverbot auch die Selbsttötung einschließe. Daher sei es "sehr eigentümlich", dass ein evangelisch­lutherischer Landesbischof, der sich als Protestant ja in besonderer Weise der Heiligen Schrift verpflichtet wisse, "eine solch abseitige Position vertritt", sagte der Tübinger Theologieprofessor. Der 55-Jährige ist auch Mitglied des Deutschen Ethikrats.

Akt der Nächstenliebe

Meister plädiert für Beihilfe zum Suizid auch in kirchlichen Einrichtungen. "Wenn ein Mensch sterben will und die Unterstützung von Dritten wünscht, muss ich das ernst nehmen", sagte der lutherische Theologe in einem Interview der "Zeit"-Beilage "Christ und Welt" (Donnerstag). "Natürlich wünsche ich mir, dass er von seinem Vorhaben Abstand nimmt. Aber wenn das nicht geschieht, muss ich ihm beistehen, auch in der Phase des Suizids. Warum sollte die Kirche das einem Sterbehilfeverein überlassen?"

Es sei ein Akt der Nächstenliebe und der Jesus-Nachfolge, schwerstkranke Menschen bis zum Schluss zu begleiten - egal, welchen Weg sie gehen, betonte der 58-Jährige. Er unterstrich zugleich, es müssten bestimmte Bedingungen erfüllt sein, um Suizidhilfe ermöglichen zu können. So müssten gesellschaftlicher und familiärer Druck ebenso ausgeschlossen werden wie Depressionen oder psychische Erkrankungen.

Mit Blick auf eine lange Tradition der Verurteilung der Selbsttötung durch die Kirchen sagte Meister, die Kirche sei "eine lernende Gemeinschaft von Menschen, die über ethische Grundsatzfragen Vereinbarungen suchen - immer in Verbindung mit der Gottesbeziehung und der Auslegung der Heiligen Schrift". Es gebe keine abschließende evangelische ethische Soziallehre oder eine Lehre vom Sterben.

"Ökumenischer Konsens ist brüchig"

Bormann beklagte, innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gebe es "mittlerweile einen enormen Binnenpluralismus der moralischen Überzeugungen". Das erschwere das ökumenische Gespräch ungemein und zeige, "wie brüchig der ökumenische Konsens in ethischen Fragen inzwischen geworden ist".

(KNA)

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