Statue der Ordensfrau Edith Stein von Künstler Paul Nagel
Statue der Ordensfrau Edith Stein von Künstler Paul Nagel
Die Karmelitin Edith Stein wurde 1987 selig- und 1998 heiliggesprochen
Die Karmelitin Edith Stein wurde 1987 selig- und 1998 heiliggesprochen

09.08.2020

Zum Todestag der Heiligen Edith Stein Das gelebte Beten

Am Sonntag ist es 78 Jahre her, dass die Karmelitin Edith Stein von den Nationalsozialisten hingerichtet worden ist. 1998 wurde sie heiliggesprochen. Schwester Ancilla vom Kloster Maria vom Frieden erzählt im Interview, was wir heute noch von Edith Stein lernen können.

DOMRADIO.DE: Was bedeutet Edith Stein denn für das Karmelitinnenkloster Maria vom Frieden?

Schwester Ancilla (Karmelitinnenkloster Maria vom Frieden): Wir erinnern uns dieser Tage, als Edith Stein von der Gestapo verhaftet wurde, am 2. August in Holland. Sie wurde mit vielen anderen getauften Juden in ganz schrecklichen Waggons in den Osten abtransportiert. Am 9. August kamen diese Waggons in Auschwitz an, und dort wurden die Menschen vergast.

Ich denke in diesem Zusammenhang immer an einen kleinen Brief, den Edith Stein von dem Lager Westerbork an die Priorin in Echt geschrieben hat. Da schreibt sie Folgendes: "Nun kommen wir ein bisschen dazu, zu erfahren, wie es ist, wenn man nur noch von innen her leben kann." Ich finde, das ist ein sehr besonderes Wort, wenn man bedenkt, in welchem Umfeld das gesagt worden ist.

DOMRADIO.DE: In welcher Form haben Sie Edith Stein diese Woche gewidmet?

Sr Ancilla In der Corona-Zeit haben wir die heilige Messe um acht Uhr nur in sehr begrenztem Maße. Während dieser Tage gehen die Schwestern den Weg der Edith Stein von innen mit. Das passiert sehr unterschiedlich und in sehr verschiedener Form. Aber es ist eine innere Form der empathischen Mitnahme und des Mitleidens auch mit all den vielen Menschen, die heute in ähnlicher Form leiden. Es ist ja leider nicht zu Ende, was damals passiert ist.

DOMRADIO.DE: Sie haben ja auch Ihre ganz persönliche Geschichte mit Edith Stein. Sie waren damals bei Ihrer Heiligsprechung dabei. Wie war das denn für Sie?

Sr Ancilla: Das ist für mich ein ganz untervergessliches Ereignis gewesen. Am 11. Oktober 1998 wurde Edith Stein in Rom heiliggesprochen, und ich durfte damals im Gottesdienst auf dem Petersplatz einen Abschnitt aus dem Buch Ester lesen. Ich sah dann die vielen Tausend Menschen vor mir - so viele, dass der Platz gar nicht passte, die Nebenstraßen waren noch gefüllt mit den Menschen.

Ich hatte damals das ganz starke innere Empfinden, und das ist heute noch genauso intensiv wie damals: Edith Stein ist unserer Zeit geschenkt, den Menschen des dritten Jahrtausends, um für die Menschen jeder Sprache, jeder Kultur, jeder Religion Schwester, Freundin und Mutter auf dem Weg zu werden. Auf dem Weg der Suche nach Leben, auf dem Weg ins Weite, ins Offene, ins Freie - einfach Mut machen, mit allen unterwegs zu sein. Das war und ist mein großes Empfinden.

DOMRADIO.DE: Bei der Heiligsprechung ist Ihnen ja auch ein Bild ganz fest in Erinnerung geblieben, oder?

Sr Ancilla: Während der Heiligsprechung am Petersdom gab es ein Bild von Edith Stein. Es hing zwischen Stangen und Brettern, weil der Petersdom eingerüstet war. Das war richtig wie eingequetscht. Und all das erinnerte mich an Bilder, die wir von Auschwitz kennen.

Mir wurde immer deutlicher, dass es für Edith Stein dennoch der allerschönste Platz war. Denn in ihrer Person wird für alle Menschen offenbar, jede Enge und jede Unfreiheit und jede Verriegelung kann von innen her aufgebrochen werden - ins Leben, ins Freie, in das Geheimnis des Lebens in und mit Gott. Die liebe Edith macht Mut mit gelebtem Beten. Still, einfach und ganz klar. Und das ist mir an diesem seltsamen Bild damals in Rom ganz innerlich offenbar geworden.

Das Interview führte Julis Reck.

(DR)

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