Exerzitien im Alltag mal anders

"Es haben sich neue Möglichkeiten ergeben"

In Corona-Zeiten werden Menschen flexibel. So auch die Exerzitien im Alltag in Hürth. Der Gruppenaustausch musste wegfallen, Einzelgespräche fanden aber statt. Und die haben eine besondere Tiefe, meint Gemeindereferentin Tanja Limmer. 

Das "Wort Gottes" - die Bibel lesen (shutterstock)

DOMRADIO.DE: Die Exerzitien im Alltag sind rum, aber sie waren ganz anders als im vergangenen Jahr. Wie blicken Sie auf diese Wochen zurück?

Tanja Limmer (Gemeindereferentin in Köln-Hürth): Ja, wir mussten die Exerzitien im Alltag natürlich ein bisschen umstellen. Die wöchentlichen Gruppentreffen mussten ersatzlos wegfallen. Aber die Einzelgespräche, ein wichtiges Element der Exerzitien, konnten wir per WhatsApp anbieten - schriftlich und telefonisch.

DOMRADIO.DE: Nun sind ja Gruppengespräche genau das Element, das viele Menschen überhaupt dazu bringt, die Exerzitien im Alltag zu machen. Haben Sie diese jetzt in irgendeiner anderen Form?

Limmer: Nein. Die konnten wir, wie gesagt, so nicht mehr halten. Das wurde natürlich auch von einigen Teilnehmern bedauert. Die Gruppe trägt und hält die Menschen durch diese Zeit. Aber viele Teilnehmer haben auch sehr positiv reagiert und waren sehr dankbar, dass wir alternativ die Form der Einzelgespräche anbieten.

DOMRADIO.DE: Was fehlt, wenn die Gruppentreffen wegfallen?

Limmer: Es fehlt der Halt, der Austausch, das gegenseitige Bereichern im Glauben, das Empfinden "da sind viele Menschen, die glauben mit mir gemeinsam und die sprechen offen über Ihren Glauben". Ja und natürlich der persönliche Kontakt, die Beziehung.

DOMRADIO.DE: Persönliche Gespräche kann es trotzdem geben – Einzelgespräche mit Ihnen, per Telefon, per E-Mail oder per WhatsApp. Wie wird denn das Angebot von den Teilnehmern angenommen?

Limmer: Die Teilnehmer sind sehr dankbar, dass sie diesen Austausch haben. Der Charakter hat sich natürlich total verändert, es haben sich aber auch neue Möglichkeiten und Dimensionen ergeben. Viele haben gesagt, dass es sehr schön sei, diese Exerzitien im Alltag so weiterführen zu können. Der Austausch, gerade jetzt in dieser schweren Zeit, gebe ihnen einen wichtigen Halt.

DOMRADIO.DE: Es ist ja unklar, ob es einen Abschluss der Exerzitien in Form von Gottesdiensten geben wird. Frustriert das Ihre Teilnehmer?

Limmer: Nein, Frust habe ich bisher noch nicht gespürt. Wir haben sowieso immer den letzten Abend anders gestaltet – mit einem Gottesdienst und anschließender Agapefeier. Den Teilnehmern ist schon bewusst, dass dieses Element dieses Jahr wegfällt. Frust bezüglich des fehlenden Abschlusses habe ich noch nicht gespürt.

DOMRADIO.DE: Sie selber haben in die Vorbereitungen jede Menge Herzblut reingesteckt. Blutet Ihr Herz jetzt, dass es diesmal nicht so laufen kann wie sonst?

Limmer: Ja, natürlich, da möchte ich gar nichts beschönigen. Diesen Kurs in der Fastenzeit zu leiten und mitgestalten zu dürfen, war und ist für mich auch immer eine sehr wertvolle Zeit. Das fehlt natürlich schon. Aber gerade in den Begleitgesprächen merke ich, dass sehr viel von den Teilnehmern zurückkommt. Noch mehr als in den letzten Jahren. Auch mir als Begleiterin tut es sehr gut, sich auszutauschen.

DOMRADIO.DE: Haben Sie denn inhaltliche Impulse wegen der Corona-Krise verändert oder eingebaut?

Limmer: Nein. Die Teilnehmer haben ja eine Mappe bekommen, in der die Impulse schon vorgefertigt waren. Da hat sich nichts geändert. In den Begleitgesprächen muss man ja allerdings immer ganz spontan reagieren. Man schaut, ob ein zusätzlicher Impuls, Bibeltext oder ein Zitat passt. Das hat sich natürlich nicht verändert.

Das Gespräch führte Dagmar Peters. 


Quelle:
DR