Die Kirche Sant'Egidio
Die Kirche Sant'Egidio

20.03.2020

Sant'Egidio errichtet Netzwerke der Solidarität Fantasievoll menschliche Nähe zeigen

Alte, Kranke, Einsame, Obdachlose, Geflüchtete - sie trifft die Corona-Krise auf besondere Weise, vor allem, wenn das öffentliche Leben immer mehr zum erliegen kommt. Für sie knüpft die Gemeinschaft Sant'Egidio Netzwerke der Solidarität.

DOMRADIO.DE: Die Basisgemeinschaftsstand Sant'Egidio kommt aus Italien. Dort ist die Corona-Krise schon deutlich weiter fortgeschritten als bei uns. Wie organisieren die italienischen Kollgen die Hilfe?

Pfarrer Matthias Leineweber (Sant'Egidio-Mitglied): Die Lage ist noch dramatischer als bei uns, weil so viele Menschen an der Lungenerkrankung Covid-19 sterben, die durch das Coronavirus ausgelöst wird.

Vor allen Dingen ist die Begleitung erst einmal spirituell. Jeden Abend gibt es die Möglichkeit, das Abendgebet, das in der Kirche gebetet wird, im Internet zu verfolgen. Eine direkte Teilnahme ist derzeit nicht möglich. Das Gebet wird auf Deutsch und andere Sprachen übersetzt, das man jeden Abend mitverfolgen kann.

Es wird versucht, die Bedürftigen durch die verschiedensten Initiativen nicht allein zu lassen, in denen man die Mensen offen lässt, sodass einzelne Personen kommen können und Lebensmittelpakete erhalten. Die Medien werden eingesetzt: Internet, Telefon, um einfach auch zu schauen, wie man die Menschen nicht allein lässt in dieser schweren Krise, wenn man sie nicht besuchen kann.

DOMRADIO.DE: Neben all der praktischen Hilfe gibt es auch die spirituelle Unterstützung. Gucken Sie sich auch etwas für Deutschland ab?

Leineweber: Die Homepage von San'Egidio ist international. Wir haben das Gebet direkt aus Sant'Egidio simultan übersetzt auf Deutsch, sodass auch hier in Deutschland gerade die älteren Menschen und alle, die sowieso das Haus nicht verlassen können, abends sich in diese große Gebetsgemeinschaft einklinken können.

Ich glaube, das ist erst mal das Wichtigste, die spirituelle Unterstützung, die uns Hoffnung gibt, die uns die Nähe Gottes spüren lässt. Und dann natürlich die ganzen konkreten kleinen Hilfen, die im Alltag auch eine kleine Stütze in dieser Krise sind.

DOMRADIO.DE: Haben Sie da vielleicht ein kurzes Beispiel? Was kann da so eine Stütze sein?

Leineweber: Unsere Jugendlichen sind da sehr aktiv. Sie haben sich virtuell zusammengetan. Sie schreiben Briefe, malen Bilder, rufen alte Menschen an, die sie sowieso sonst im Altenheim besucht hätten, um einfach zu zeigen, dass die Freundschaft weitergeht, bestehen bleibt und sogar intensiver wird, auch wenn man sich derzeit nicht persönliche begegnen kann. Sie sind dabei sehr fantasievoll, drehen kleine Videos und verschicken sie. Viele Senioren sind inzwischen auch online. Und von daher gibt es doch große Möglichkeiten, diese Zeichen der Freundschaft zu setzen.

DOMRADIO.DE: Abstand ist die neue Fürsorge. So ungefähr hat das die Kanzlerin in ihrer Ansprache am 18. März gesagt. Das ist für Menschen, die sich ohnehin isoliert fühlen, bitter. Wie versuchen Sie, speziell einsame Menschen in diesen Tagen zu unterstützen?

Leineweber: Während der körperliche Abstand gewahrt werden muss, und das ist auch sehr wichtig, um gerade die gebrechlichen, alten Menschen zu schützen, heißt das ja nicht, dass der menschliche und freundschaftliche Abstand größer wird. Im Gegenteil, wir müssen die Fantasie aufbringen, um gerade in dieser Zeit, wo der körperliche Abstand eingehalten werden muss, die menschliche und freundschaftliche Nähe zu zeigen. Das ist ganz wichtig, oft anzurufen, zu gucken, wie es den Menschen geht und ihnen Hilfen anzubieten, die Einkäufe erledigen und zur Tür bringen. Das, denke ich, ist jetzt gerade ganz besonders wichtig. Auch zu schauen, wie es den Menschen geht und dann möglichst auch Hilfe zu leisten.

DOMRADIO.DE: Noch ist es nicht so dramatisch wie in Italien. Aber es gibt eine sich immer weiter ausbreitende Angst davor, was auf uns zukommen könnte. Wie gehen Sie persönlich damit um?

Leineweber: Ich vertraue, dass wir, wie auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Ansprache am 18. März gesagt hat, es schaffen können. Ich vertraue auf die Initiative und die Bereitschaft eines jeden Menschen zur Solidarität. Ich glaube, wir haben schlimme Krisen bewältigt. Wir haben sehr schwierige Momente bewältigt, auch in der Flüchtlingskrise. Die Kanzlerin hat sich sogar auf den Zweiten Weltkrieg bezogen, auf die Zeit danach, wo wirklich extreme Not herrschte. Ich glaube, wir haben sehr viele Energien. Es ist sicherlich keine einfache Zeit, aber wenn wir uns an das halten, was die Behörden sagen und aufeinander achten, glaube ich, können wir sehr viel leisten. Ich bin da ganz vertrauensvoll. Nach der Krise werden wir in gewisser Weise auch als Gemeinschaft und als Kirchen gestärkter sein, um den Alltag besser zu bewältigen.

(DR)

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