Jesuit und Kunstexperte Friedhelm Mennekes wird 80

Vom Gottesverneiner zum Pater

Friedhelm Mennekes hat erst auf Umwegen den Weg zum Jesuitenorden gefunden. Seine Überzeugung von der Inspirationskraft der modernen Kunst für die Kirche prägt ihn bis heute. Nun feiert er einen runden Geburtstag.

Autor/in:
Birgitt Schippers
Pater Mennekes / © Birgitt Schippers (DR)
Pater Mennekes / © Birgitt Schippers ( DR )

"Gott existiert nicht" – das war das Credo des jungen Friedhelm. Nach dem Krieg wuchs er als Kind von Wirtsleuten in Bottrop mitten unter polnischen Arbeitern auf, die keinen Widerspruch zwischen ihrem katholischen Glauben und kommunistischen Idealen sahen.

Doch Mennekes ging nach der Erstkommunion und Firmung nicht in die Kirche, obwohl die Eltern ihn dazu drängten. Den Ortspfarrer zu grüßen kam für ihn nicht in Frage, was ihm eine Backpfeife und eine ihn prägende Belehrung durch den Vater einbrachte: "Wir leben von den Menschen, wir grüßen alle und wir sind allen gegenüber offen und freundlich."

In der Welt der Mode

Gerne wäre Mennekes in die Goldschmiede- und Uhrmacherlehre gegangen. Doch er begann eine Lehre als Zuschneider in einem Bottroper Textilunternehmen. Dort lernte er die Welt der Stoffe und der modischen Schnitte kennen und schätzen. Später als Priester bewegte ihn die Frage, wie künstlerisch gestaltete sakrale Gewänder innovative Impulse im kirchlichen Leben setzen könnten.

Der Weg zum Jesuitenorden

Als junger Mann fühlte Mennekes "Abwehrmechanismen" gegenüber der Kirche. Er wollte weder mit Pfarrern noch mit Gott etwas zu tun haben. "Man solle leben, als gäbe es keinen Gott", so seine Devise, "wie ein moderner Arzt." Als Mennekes sich dafür entschied, über den zweiten Bildungsweg das Abitur zu machen, lernte er einen ihn überzeugenden Religionslehrer kennen, der ihm die entscheidende Frage stellte: "Und was ist, wenn es doch einen Gott gibt?".

Diese Frage veränderte sein Leben. Über den Glauben an Gott reifte in ihm der Wunsch, in die Nachfolge Jesu als Priester einzutreten. Die damals übliche Lebensweise als Pfarrer mit Pfarrhaushälterin allein im Pfarrhaus schreckte ihn eher ab. Mit 21 Jahren ist er in den Jesuitenorden eingetreten. Es war für ihn der richtige Weg ins Priesterleben, denn dort "konnte man etwas von der Welt sehen."

Kirche und Kunst

Mennekes machte schnell die Beobachtung, dass die Kirche ein problematisches Verhältnis zur zeitgenössischen Kunst und Theaterkultur hat: "Die Kirche war der Tod für die Kreativität, weil sie alles schon festgelegt hat." Er konnte schwer nachvollziehen, warum die Kirche das theatrale Potenzial ihrer Liturgie nicht nutzt. Hochfeste wie Ostern oder die Karfreitagsliturgie müsste man zu einem Ereignis machen, so Mennekes.

Auch in einer kreativen Predigtkultur sah Mennekes eine Chance für eine lebendige Kirche. Besonders kritisierte er, dass seiner Meinung nach viel zu wenige zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler in der Kirche einen Ort fanden, ihre Arbeiten zu präsentieren. Ab 1979 begann er, Ausstellungen mit modernen und zeitgenössischen Künstlern zu organisieren.

Kunststation St. Peter

Es war für Mennekes "ein Glücksfall", 1989 nach Köln als Pfarrer in die Pfarrei St. Peter zu kommen. Er gründete die Kunststation St. Peter als Zentrum für zeitgenössische Kunst und Musik, die er bis 2008 leitete. Seine Ausstellungen, die mit ihren zum Teil provozierenden Inhalten heftige Diskussionen auslösten, fanden überregional Beachtung.

Konsequent verfolgte Mennekes seine Überzeugung, dass Künstler mit ihren Werken nicht von der Kirche instrumentalisiert werden dürfen. Für ihn sind sie Dialogpartner auf Augenhöhe, die der Kirche mit ihren in uneingeschränkter Freiheit kreierten Werken wichtige Impulse und Infragestellungen für die Auseinandersetzung mit Gott und der Welt vermitteln: "Wenn eine christliche Pastoral nicht lebt aus der permanenten Suche nach neuen Entwürfen, nach Brechen von erstarrten Formen, dann kann sie nicht das tun, wofür sie gegründet wurde."

Mennekes geht sogar so weit zu sagen, dass traditionelle Kirchenkunst ein Hindernis für die Weiterentwicklung der Kirche ist. Das Kölner Richter-Fenster ist für ihn ein "Freisprung in die Kunst" und eine gelungene Absage an düstere Heiligen-Darstellungen: "Wir brauchen neue Kunst, das Alte haben wir genug, lassen wir es ziehen."

Mennekes und sein Verhältnis zu Kardinal Meisner

"Irre, aber katholisch", so hat der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner den kunstsinnigen Pfarrer von St. Peter beschrieben. Doch Mennekes sagt, er habe sich von Kardinal Meisner verstanden gefühlt. "Er hatte so aus dem Bauch heraus eine Wertschätzung der Kunst und das Bewusstsein, dass Kirche einen Anschluss an die Kunst finden muss, um nicht stehen zu bleiben."

Mennekes erinnert sich, dass Kardinal Meisner ihn auch das eine und andere Mal "herausgehauen" hat, wenn er angefeindet wurde. Auch kontroverse Einstellungen wie zum Richterfenster haben das Verhältnis der beiden nicht getrübt.

Warum noch in der Kirche?

Auch für für Pater Mennekes ist es nicht einfach, in der Kirche zu wirken, deren Glaubwürdigkeit nach den Missbrauchsvorwürfen "gegen Null" geht. "Wenn Sie als Vertreter der Kirche mit Menschen ins Gespräch kommen, dann stehen Sie mit dem Rücken gegen die Wand." Diese Ereignisse haben ihn erschüttert."Es gab auch eine Zeit, da konnte ich öffentlich keine Messe feiern".

Geholfen hat ihm sein Grundvertrauen zu Gott und in die Lebendigkeit Jesu: "Es gibt in mir ganz still, ganz leise das Grundgefühl, gehalten zu sein." Getragen von diesem Grundvertrauen macht es für den Kunstpater Friedhelm Mennekes Sinn, in der Kirche weiter zu wirken – als Pfarrer und als weltweit gefragter Kunstvermittler. Seinen Geburtstag wird Mennekes alleine am Meer verbringen, um in sich zu gehen und Gott zu danken: "Das Leben war und ist sehr schön, sehr rund, sehr frei. Und ich möchte gerne in diese Richtung weiterleben."


Volles Haus in der Kirche und Kunststation St. Peter. / © Ralf Müller-Knöchelmann (DR)
Volles Haus in der Kirche und Kunststation St. Peter. / © Ralf Müller-Knöchelmann ( DR )

Einen Raum zur Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Kunst will die Kunststation St. Peter öffnen. / © Beatrice Tomasetti (DR)
Einen Raum zur Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Kunst will die Kunststation St. Peter öffnen. / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Das Hungertuch in der Kunststation St. Peter (Erzbistum Köln)
Quelle:
DR
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