Chiara Lubich, Gründerin der ökumenischen Fokolar-Bewegung
Chiara Lubich, Gründerin der ökumenischen Fokolar-Bewegung

22.01.2020

Vor 100 Jahren wurde die Fokolar-Gründerin Chiara Lubich geboren "Die wohl mächtigste Frau in der katholischen Kirche"

Sie gilt als eine der großen spirituellen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts: Chiara Lubich, die von 1920 bis 2008 lebte. Die Italienerin gründete die Fokolare, eine religiöse Laienbewegung – die nicht immer unumstritten war.

Der "Spiegel" nannte sie "die wohl mächtigste Frau in der katholischen Kirche": Chiara Lubich. Die Italienerin hat eine der heute am weitesten verbreiteten religiösen Laienbewegungen gegründet: die Fokolare. Am 22. Januar 2020 würde Lubich 100 Jahre alt. Ihre "Karriere" begann als Reaktion auf den Schrecken des Krieges.

Trient 1943: Bomben erschüttern die Stadt in Norditalien. Tausende Menschen fliehen, auch die Familie Lubich. Doch Chiara bleibt. 23 Jahre jung ist die tiefgläubige Volksschullehrerin. Mit Freundinnen bezieht sie eine kleine Wohnung. Die Frauen setzen auf praktizierte Nächstenliebe, sozusagen als Kontrastprogramm zum Weltkriegsgrauen um sie herum. Das erste Fokolar entsteht, das die Trienter Bevölkerung nach einem Wort für Herdfeuer benennt, in Anlehnung an die Wärme von Flammen und der sich darum sammelnden Familie.

"Alle sollen eins sein"

Die Frauengemeinschaft will ihr Leben komplett in den Dienst Gottes stellen, getreu einem Satz aus dem Johannes-Evangelium: "Alle sollen eins sein." Daraus entwickelt sich unter den Fokolaren - zu denen bald auch Männer zählen - der vehemente Einsatz für ein friedvolles Miteinander aller Menschen in Geschwisterlichkeit, unabhängig von Konfession und Religion.

Lubich selbst wächst mit drei Geschwistern auf. Sie ist Kind einer überzeugten Katholikin und eines engagierten Sozialisten. Mit 19 beginnt ihr "geistiges Abenteuer", wie es die Fokolare nennen. Lubich besucht den marianischen Wallfahrtsort Loreto in Mittelitalien. In der dortigen Basilika steht der Tradition zufolge Marias Geburtshaus aus Nazareth. Als sie dort gekniet habe, so Lubich später, habe etwas Göttliches sie umfasst. "Ich weinte unkontrollierbare Tränen."

Mitglieder in 182 Ländern

Vier Jahre später tritt Lubich dem Dritten Orden der Franziskaner bei. 1949 beendet sie ihre Mitgliedschaft, behält aber ihren geänderten Namen: Chiara - statt Silvia, wie sie getauft wurde -, zu Ehren der Ordensgründerin Klara von Assisi, wegen deren "entschiedener Wahl Gottes", so die Fokolare. Am 7. Dezember 1943 legt Lubich das ewige Gelübde der Keuschheit ab. Dieses Datum gilt als Beginn der Fokolar-Bewegung.

An deren Spitze steht laut Statut immer eine Frau. Dieses "weibliche Postulat" erklärt die deutsche Fokolar-Sprecherin Andrea Rösch aus Ottmaring bei Augsburg so: "Chiara wollte sicherstellen, dass die Fokolare immer laiengeführt sind, und die marianische Dimension zum Ausdruck bringen."

Und so heißen die längst päpstlich approbierten Fokolare kirchenrechtlich "Werk Mariens". Aktiv sind sie heute in 182 Ländern und zählen rund 110.000 Mitglieder, davon 3.500 in Deutschland, wie Rösch sagt. Zugehörig fühlten sich der Organisation bis zu zwei Millionen Menschen. 90 Prozent der Fokolare seien katholisch, hinzu kämen Angehörige anderer Konfessionen und Religionen sowie Bekenntnislose.

"Botin der Hoffnung und des Friedens"

So erfolgreich die Ausbreitung der Fokolare gelungen sein mag - ihre Geschichte hat auch Schatten. Da gibt es etwa den Vorwurf eines sektenähnlichen Personenkults um Chiara Lubich. Die Kritik sei heute nicht mehr haltbar, aber früher teils begründet gewesen, meint Rösch. "Chiara selbst war daran nie gelegen."

Lubich starb am 14. März 2008 mit 88 Jahren in Rocca di Papa bei Rom. Papst Benedikt XVI. gedachte ihrer als einer "Botin der Hoffnung und des Friedens". Geehrt worden war Lubich auch zu Lebzeiten: etwa mit dem Menschenrechtspreis des Europarats, dem Unesco-Friedenspreis und dem Templeton-Preis, dem "Nobelpreis der Theologie". Ferner war sie Ehrenpräsidentin der "Weltkonferenz der Religionen für den Frieden". Posthum könnte eine weitere Würde folgen: Der 2015 eröffnete Seligsprechungsprozess für Lubich hat es just in die vatikanische Prüfung geschafft.

Die Fokolare selbst huldigen ihrer Gründerin zum Jubiläum unter anderem mit einer international koordinierten Jahresschau des Historischen Museums von Lubichs Heimatstadt Trient. Zudem sind 2020 weltweit Festgottesdienste, Kulturveranstaltungen, Symposien und Tagungen zum Gedächtnis an die Italienerin geplant. Chiara Lubich mag also fast zwölf Jahre tot sein – ihr Feuer brennt weiter.

Christopher Beschnitt
(KNA)

Die neue Bibel-Nacht

Ein in Deutschland einmaliges Nachtprogramm: Jede Nacht sind in der Zeit von 23 Uhr bis 6 Uhr verschiedene Kapitel aus dem Neuen Testament zu hören.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Messenger-Gemeinde

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

 22.02.2020
06:30 - 11:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Postkartenaktion "Lebendiges Miteinander"
  • 30 Jahre Frauenspielrecht in Oberammergau
  • Karnevalsmesse in St. Heribert Köln-Deutz
  • TV-Serie "The New Pope" gestartet
10:15 - 10:20 Uhr

Alle Wetter!

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Jeck mit Thommy Millhome
  • Karneval im Münsterland und Ruhrgebiet
11:11 - 11:15 Uhr

Wort zum Samstag

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Jeck mit Thommy Millhome
  • Karneval im Münsterland und Ruhrgebiet
Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Passionsspiele 2020

Berichte, Bilder, Interviews und Videos aus Oberammergau.

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…