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Stefanie de Velasco
Stefanie de Velasco

24.12.2019

Stefanie de Velasco erzählt vom Ausbruch aus einer Sekte Kein Weihnachten für die Zeugen Jehovas

Geburtstag und Weihnachten gibt es nicht. Die Zeugen Jehovas glauben, sie seien kein Teil dieser Welt. So heißt auch der Roman von Stefanie de Velasco "Kein Teil der Welt" und erzählt von einem Ausbruch aus einer Sekte.

"Ich bin selbst bei den Zeugen Jehovas groß geworden", sagt Stefanie de Velasco. „Ich habe jetzt im Oktober mein 25. Jubiläum in der Welt – wie die Zeugen Jehovas das so schön sagen – gefeiert und habe inzwischen halt auch sehr, sehr viel Abstand“. Ihr Buch 'Kein Teil der Welt' sei aber keine klassische Aufarbeitungsgeschichte oder zornige Abrechnung mit den Zeugen Jehovas, betont die Autorin, die mit 15 Jahren aus der Sekte ausgestiegen ist.

Eine ganz andere Grundfrage habe sie angetrieben, diesen Roman zu schreiben. "In welcher Verfassung muss ein Mensch sein, um sich einer solchen Gemeinschaft anzuschließen. Ich habe keine abschließende Antwort auf diese Frage gefunden, aber mir ist aufgefallen, dass es immer Menschen sind, die in irgendeiner Weise sehr verzweifelt sind und sehr viel Unsicherheit im Leben erfahren haben und die dann auch auf ihre Art und Weise keinen Platz in der Welt finden", sagt de Velasco.

Zweifel gibt es nicht

Die komplexe Welt, die unsichere Menschen heute überfordern kann. Nichts ist sicher – alles in Bewegung. Dagegen steht dann das stabile Korsett der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas, die sich über jeden Zweifel erhaben geben. "Sie bieten sozialen Zusammenhalt. Sie bieten Geborgenheit", das hat auch die Autorin erfahren, "in einer Welt, in der sehr viele Menschen auf sich selbst gestellt sind und davon überfordert sind und deswegen vielleicht auch bereit sind, den entsprechenden Preis dafür zu zahlen".

Den Preis, kein Teil der Welt der anderen Menschen zu sein. Den Titel 'Kein Teil der Welt' hat die Autorin für ihren Roman gewählt, weil diese Überschrift auch das Credo der Zeugen Jehovas ist. "Sie beziehen sich da auf einen Ausspruch Jesu, der zu seinen Jüngern gesagt hat, ihr sollt kein Teil der Welt sein, so wie ich kein Teil der Welt bin. Die Zeugen Jehovas legen diesen Satz, wie sehr vieles aus der Bibel, eins zu eins aus", sagt die Autorin. Und das führe eben auch dazu, dass man sich von allem fernhalte, dass man keinen Geburtstag, kein Weihnachten feiere.

Der erste Eindruck ist harmlos

Der siebte und neunte Geburtstag sei auch in ihrem Leben schlichtweg vergessen worden, erzählt Stefanie de Verlasco, die ihre strengen Kindheitserfahrungen bei den Zeugen Jehovas in den Roman einfließen läßt. Dabei schildert sie auch, wie ambivalent das Aufwachsen in der Sekte ist, die rein äußerlich erst einmal ganz harmlos daherkomme, denn "sie sehen aus, wie wir alle, wie die Mehrheit. Es sind weiße Christen, es sind Europäer. Ich glaube, dass sie sich dadurch auch, den rassistischen Diskriminierungen, die andere Religionen zum Beispiel durch Hautfarbe erfahren, entziehen können, obwohl sie genauso fundamentalistisch sind wie Islamisten oder andere Gruppen, die ganz klar als solche auch benannt werden".

Der Ausbruch muss kein Abschied von Gott sein

Stefanie de Velasco erzählt, wie schwer es besonders für ein pubertierendes Mädchen sei, aus der Zeugen Jehovas Familie auszubrechen, ohne zu wissen, wohin die Reise gehe und was ein neues Zuhause sein könnte. "Das ist auch wieder Teil des Korsetts, die Angst davor, alleine zu sein, da draußen kein Fuß zu fassen. Das ist sehr dramatisch," hat Stefanie de Velasco am eigenen Leib erfahren.

Häufig komme es dann zu einem kompletten Abbruch mit allen Familienkontakten. De Velasco hat sich von den Zeugen Jehovas grundlegend verabschiedet. Ihr ist es gelungen, mit 15 Jahren auszusteigen – hat sie sich damit aber auch von ihrem Glauben an Gott verabschiedet? "Das ist eine sehr schwer zu beantwortende Frage", sagt sie, "immer wieder, fast täglich hinterfrage ich die Existenz Gottes und komme dabei zu keiner abschließenden Antwort".

Der Glaube an Gott ist still

Nach den Erfahrungen bei den Zeugen Jehovas fällt es ihr schwer über Gott zu sprechen, zu viele Begriffe rund um den Glauben sind für sie vergiftet. "Daran glauben funktioniert", schreibt sie in ihrem Buch, "aber sobald man mit anderen darüber reden muss, klingt es irgendwie lächerlich", denn der Glaube sei etwas sehr stilles und wir seien immer auf der Suche nach einer angemessenen Sprache, um über Gott und die Welt reden zu können.

Im Gespräch mit DOMRADIO.DE wirkt Stefanie de Verlasco ganz und gar nicht wütend auf die Religion, in der sie in ihrer Kindheit bei den Zeugen Jehovas eingesperrt war, ganz im Gegenteil, sie hat ein sehr differenziertes Bild von Religion und sagt, dass der Glaube an Gott und Jesus Christus die Welt auch vor großen Katastrophen bewahren könne. "Angesichts der Klimakrise, in der wir uns jetzt befinden, frage ich mich schon, was der Glaube an Gott nicht nur für mich persönlich, sondern auch für unsere ganze Kultur bedeuten und welches Potential er entfalten könnte", sagt die Autorin, "auch im Hinblick auf Flucht und Nächstenliebe. Das sind für mich selbst sehr, sehr wichtige Pfeiler in meinem Leben".

Johannes Schröer
(DR)

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