Pater Mauritius Wilde OSB
Pater Mauritius Wilde OSB

22.04.2019

Warum Blogs und Podcasts ins Kloster gehören "Die Menschen sind unglaublich hungrig"

Papst Franziskus hat in seiner Osterbotschaft dazu aufgerufen, alle modernen Kommunikationsmittel zu nutzen, um die frohe Botschaft zu verkünden. Benediktinerpater Mauritius Wilde setzt das in die Tat um und hat sich in den USA inspirieren lassen.

DOMRADIO.DE: Podcasts, Blogs, Facebook, Twitter und co. – Was macht für Sie als Mönch den Reiz daran aus?

Pater Mauritius Wilde (Prior der Benediktinerabtei Sant’Anselmo in Rom): Das ist eine Möglichkeit zu den Menschen zu kommen. Als Mönch ist man ja normalerweise im Kloster und kommt nicht raus. Trotzdem beschäftigen wir uns mit Dingen, die für die Menschen interessant sind. Im Gebet, der Meditation, unseren Überlegungen und unserer Arbeit. Die Medien sind eine Möglichkeit hinaus zu kommen, ohne dass man das Kloster verlassen muss.

DOMRADIO.DE: Wie machen Sie das?

Pater Mauritius: Das eine sind klassische Bücher und Zeitungsartikel. Das andere, das habe ich in den USA angefangen, sind zum Beispiel Blogs. In meinem Blog verfasse ich regelmäßig spirituelle Gedanken, vor allem aus dem klösterlichen Kontext. Das versuche ich zu teilen. Was auch sehr gerne gehört wird sind die Podcasts. 20 Minuten Interviews auf Englisch mit Kris McGregor, einer Freundin in den USA, die Autoren verschiedener spiritueller Richtungen regelmäßig zu Wort kommen lässt. Wir haben bis jetzt 55 Podcasts veröffentlicht. Hauptsächlich zu benediktinischen und monastischen Themen.

DOMRADIO.DE: Muss man die Menschen über Blogs und Podcasts anders ansprechen als über Bücher und Artikel?

Pater Mauritius: Auf jeden Fall. In gewisser Weise ist es als Podcast leichter, weil man sich einfach in einem normalen Gespräch unterhält. Wenn man allerdings nicht nur Blödsinn verzapfen will, muss man sich auch darauf gut vorbereiten (lacht). Wenn man ein Buch schreibt, muss man sich wirklich hinsetzen und konzipieren. Anfangen zu schreiben, noch mal neu schreiben, da steckt eine ganz andere Dramaturgie drin.

DOMRADIO.DE: Welche Möglichkeiten bieten Ihnen die modernen Medien, die Sie vorher nicht hatten?

Pater Mauritius: Das füllt eine große Lücke, weil viele Menschen einfach nicht mehr die Zeit finden, ein Buch zu lesen. Das ist heute fast schon ein Luxus. Die Podcasts und kurzen Blogs sind viel leichtfüßiger. Das enspricht auch mehr unserer heutigen Zeit. Ich weiß, dass die Podcasts bei allen möglichen Gelegenheiten gehört werden. Im Auto, bei der Hausarbeit, beim Aufstehen oder Schlafen gehen. Ich bin frei beim Podcast: Den kann ich mir anhören und downloaden, wann immer ich will. Das auch überall auf der Welt. Wenn ich im Urlaub bin, muss ich nicht das Buch mitnehmen, sondern habe online alles da. Das ist ein großer Vorteil der Podcasts.

DOMRADIO.DE: Was wollen Sie den Menschen vermitteln mit Ihren Podcasts und Blogs?

Pater Mauritius: Blogs sind entstanden als Tagebücher von Menschen, die auf Reisen sind, um zu teilen, was man erlebt hat. Bei mir ist das ähnlich. Was erlebt man auf der Reise als Mönch? In meinem Blog nenne ich das auf englisch „monastic moments“, also kontemplative Momente quasi. Darin besteht die Schönheit unseres Lebens – der Rest ist ganz normal, wie bei jedem anderen auch. Es gibt aber Momente, wo man aus dem Gebet kommt, und auf einmal Zusammenhänge sieht, Dinge versteht. Wo man die Bibel neu versteht, wo Gott einen neu berührt. Diese Momente möchte ich gerne teilen, und das kann man über einen Blog sehr gut, meine ich.

DOMRADIO.DE: Welche Reaktionen bekommen Sie?

Pater Mauritius: Die sind sehr gut! Ich lese immer wieder, dass Leute schreiben „Das ist genau das, was ich gebraucht habe." Manche sagen, sie mögen, dass die Texte so kurz und leicht verdaulich sind. Anderen gefallen die Gebete. Am Ende des Blogs steht immer ein kurzes Gebet. Darum geht es in der Kontemplation. Ich möchte die Möglichkeit geben, mit Gott ins Gespräch zu kommen. Der Text ist wie eine Startrampe. Dann bete ich in ein paar Zeilen, und das ist die Einladung an den einzelnen Leser, auch ins Gebet zu kommen.

DOMRADIO.DE: Gibt es auch Stimmen, denen das nicht gefällt? Von Mitbrüdern zum Beispiel?

Pater Mauritius: Bisher noch nicht, eher im Gegenteil. Vielleicht denken es die Leute, und sagen es mir nicht. – Die Podcasts zum Beispiel sind stark aus der benediktinischen Sicht: Benediktsregel, das Leben des Heiligen Benedikt. Das war in den USA eine wirkliche Marktlücke. In dem Bereich gab es nicht viel. Die Leute schätzen auch, dass es recht konkret ist. Es kommt immer aus dem Leben und ist nicht theoretisch. Gleichzeitig erschließen sich die Dinge aus der Tradition. Das ist ja unsere Aufgabe. Der Heilige Benedikt sagt, wir sollen in der Lage sein, aus der Tradition altes und neues hervorzuholen. Das bedeutet: Du musst deine Tradition kennen, diesen Schatz, den wir haben erkennen. Ihn aber auch sichtbar machen für heute. In diesem Prozess kommen dann manchmal ganz neue Gedanken hervor.

Für mich ist die wichtigste Frage: Nährt dies die Menschen in ihrem Glauben? Die Kirchen tun ihre Arbeit, um den Menschen spirituell zu nähren, stoßen aber auch an ihre Grenzen. Deshalb kann es gar nicht genug Wege geben, die Menschen anzusprechen. Die Menschen sind unglaublich hungrig. Wir gehen in eine Zeit hinein, in der sich alles unglaublich zersplittert. Jeder macht und kann alles, versucht alles, gibt auf, versucht neu. Darin steckt eine große Orientierungslosigkeit. Wo bekomme ich wirklich gut Nahrung für mein spirituelles Leben her? Da sind wir Mönche und Benediktiner hoffentlich ganz gute Quellen. Zwar nicht immer und nicht perfekt, aber ich glaube schon, dass wir dazu beitragen können, diesen Hunger zu stillen.

Das Gespräch führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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