Gedenktafel für Max Josef Metzger
Gedenktafel für Max Josef Metzger
Der Priester Max Josef Metzger
Der Priester Max Josef Metzger

17.04.2019

Vor 75 Jahren wurde der Pazifist von den Nazis hingerichtet Katholiken hoffen auf Seligsprechung Max Josef Metzgers

Schon im Ersten Weltkrieg engagierte sich der badische Priester Max Josef Metzger für Frieden in Europa. Dann geriet er ins Visier der Nationalsozialisten. Im Vatikan läuft nun sein Seligsprechungsverfahren.

Was sich im Oktober 1943 vor dem Volksgerichtshof in Berlin abspielte, war unter dem berüchtigten Gerichtspräsidenten Roland Freisler grausame Routine. Und doch hob der NS-Richter das Verfahren gegen den katholischen Priester Max Josef Metzger (1887 – 1944) in besonderer Weise hervor: "Die Handlung Metzgers ist so abartig und verbrecherisch, dass der Angeklagte ausgemerzt werden muss. Ich habe in meinen Verhandlungen noch nie das Wort 'ausgemerzt' gebraucht. Hier aber gebrauche ich es: Eine solche Pestbeule muss ausgemerzt werden."

Spaltung christlicher Kirchen überwinden

Der aus dem badischen Schopfheim stammende Metzger hatte sich 1914/15 als Feldpfarrer an der französischen Front zum radikalen Pazifisten gewandelt und sich seitdem in Initiativen und Aktionen für weltweiten Frieden eingesetzt. Eine wesentliche Voraussetzung sah er in einer Überwindung der Spaltung zwischen den christlichen Kirchen.

Bereits unmittelbar nach der Machtergreifung Hitlers wurde er wegen öffentlicher Kritik überwacht und wiederholt verhaftet. Schon früh war Metzger überzeugt, dass der Wahnsinn des Krieges mit einer totalen Niederlage Deutschlands enden würde. Und er befürchtete, dass das Land dann zerschlagen und geteilt würde. So verfasste er eine Denkschrift über ein neues Deutschland, das nach dem Krieg in ein vereintes, christlich fundiertes Europa eingebunden sein sollte.

Denkschrift über ein neues Deutschland

Dieses Memorandum übergab Metzger der Schwedin Dagmar Imgart, die sich scheinbar für die von ihm gegründete ökumenische Una-sancta-Bewegung interessiert hatte, in Wirklichkeit aber Gestapo-Agentin war. Sie sollte die Denkschrift an die protestantische Staatskirche von Schweden übergeben. Stattdessen verhaftete die Gestapo Metzger dann im Juni 1943.

Als Freisler beim rasch folgenden Schauprozess vor 400 bestellten Zuhörern aus Metzgers Denkschrift vorlas, kam es im Publikum zu lautstarken Unmutsäußerungen. So etwa, als Freisler Metzgers Friedensvision verhöhnte, die die Lebensrechte fremder Völker achte.

Menschenrechte gefordert

Besonders angekreidet wurden Metzger auch die von ihm vorgeschlagene Abrüstung zugunsten einer überstaatlichen Armee im Dienste der "Vereinigten Staaten von Europa" oder die Forderung des Geistlichen, jedem Bürger die Unantastbarkeit der persönlichen Würde und Rechtssicherheit, die Freiheit des Gewissens, der Religionsausübung, der Meinungsäußerung und des persönlichen Eigentums zu gewährleisten.

Als besonderes Verbrechen wurde dem Angeklagten die Friedensarbeit angelastet. Metzger entgegnete, er habe "im Krieg die Not, das Elend und den Schrecken des Krieges kennengelernt, so dass es für mich keine vornehmere Aufgabe gab, als für die Völkerverständigung und den Frieden zu arbeiten". Freisler verhängte über Metzger "als für alle Zeit ehrlosen Volksverräter" die Todesstrafe. Am 17. April 1944 – vor genau 75 Jahren – wurde der Geistliche in Brandenburg-Görden durch das Fallbeil hingerichtet.

Gedenken an den Friedensvisionär

Vergessen ist Metzger nicht. Regelmäßig wird in Gottesdiensten in seiner badischen Heimat an den Friedensvisionär erinnert.

Rund um den Jahrestag hält der Leiter des Freiburger Priesterseminars, Christian Heß, der über Metzger promoviert hat, Vorträge, in denen er Metzgers Friedensengagement und dessen Einstellung zum Judentum beleuchtet.

Seligsprechungsverfahren

Den Anstoß zum offiziellen Seligsprechungsverfahren gab der damalige Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch. Ein aufwendiger Prozess, an dessen Ende der Vatikan Metzger als vorbildhaften und verehrungswürdigen Glaubenszeugen auszeichnen könnte.

Das komplizierte Verfahren wurde auf diözesaner Ebene 2006 begonnen. Eine Theologen-Historiker-Kommission recherchierte zu Leben und Werk und schickte Anfang 2014 alle Akten – mehr als 6.000 Seiten – in einer während einer feierlichen Zeremonie versiegelten Kiste nach Rom. Dort entscheidet die zuständige Behörde über eine Seligsprechung.

Etappe erreicht

Nun teilte die Diözese auf Anfrage mit, dass im Vatikan bei der Bearbeitung des Antrags ein weiterer Zwischenschritt erreicht sei.

Wann der Vatikan indes entscheiden wird, ist aber auch 13 Jahre nach Eröffnung des Seligsprechungsverfahrens und 75 Jahre nach Metzgers Hinrichtung unklar.

Hans Lipp und Volker Hasenauer
(KNA)

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