Bonifatiuswerk eröffnet Nikolausaktion
Heute sind viele Nikolaus-Darsteller im Einsatz
Manfred Becker-Huberti
Manfred Becker-Huberti

06.12.2018

Brauchtumsforscher Becker-Huberti über den heiligen Nikolaus "Neue Erkenntnisse"

Nikolaus ist einer der beliebtesten Heiligen, nicht nur bei Kindern. Zurecht findet der Brauchtumsforscher und Theologe Manfred Becker-Huberti. Im Interview erläutert er, was uns der Heilige jenseits von gefüllten Nikolausstiefeln noch bieten kann.

KNA: Über den Nikolaus gibt es zahllose Bücher. Warum haben Sie ein weiteres geschrieben?

Prof. Manfred Becker-Huberti (Theologe und Brauchtumsforscher): Es gibt neue Erkenntnisse über den Heiligen. Bisher waren die meisten Experten, die sich mit Nikolaus befasst haben, überzeugt, dass er sich nicht datieren lässt. Inzwischen glaubt die Mehrheit der Forscher, dass man ihn historisch im 4. Jahrhundert festmachen kann - auch wenn das nicht im streng wissenschaftlichen Sinn bewiesen ist. Die Angaben, die in einigen Heiligenlegenden enthalten sind, könnten also stimmen. Außerdem wurde festgestellt, dass die Nikolaus-Reliquien, die andernorts aufbewahrt werden, identisch sind mit jenen Reliquien, die in Bari liegen. Sie stammen von demselben Skelett.

KNA: In dem Nikolaus-Lexikon Ihres Buches findet sich unter "G" sogar der Gartenzwerg, der auf den heiligen Nikolaus zurückgehen soll. Das müssen Sie erklären...

Becker-Huberti: Der verzwergte und vervielfältigte Weihnachtsmann aus Steingut ist eine Erfindung von Philipp Griebel aus dem thüringischen Gräfenrode. Im September 1883 formte er den ersten Gartenzwerg aus Terrakotta und erweckte damit eine ganze Industrie zum Leben. Als "kleine Helfer" des amerikanischen "Father Christmas" tauchten die bärtigen Miniatur-Klons schon früh in amerikanischen Weihnachtsmann-Zeichnungen auf. Die Ableitung des Gartenzwerges vom heiligen Nikolaus ist noch an zwei Elementen zu erkennen: dem langen Bart und vor allem an der spitzen und natürlich (bischofs-)roten "Zipfelmütze", die beim klassischen Gartenzwerg nach vorn geneigt ist und so exakt die typische zentralasiatische Mütze wiedergibt. Manche Zwergenforscher sehen allerdings keine Verbindung von Gartenzwerg und Nikolaus.

KNA: Zurück zu Nikolaus: Was macht ihn zu einem der meistverehrten Heiligen der Christenheit?

Becker-Huberti: Er ist schnell Liebling der Kinder geworden, vor allem nördlich der Alpen. Denn schon früh gab es ein Kinderbeschenkfest, nämlich am 28. Dezember, dem Tag der Unschuldigen Kinder. Dieses Schenken ist dann zum Nikolaus verlagert worden, der ja auch schenkt. Das ist etwas anderes, als dass man den Kindern ein paar Bonbons in die Hand drückt. Hier wird beim Schenken nachvollzogen, was Nikolaus tut. Die Kinder erleben an diesem Tag, was es bedeutet, wenn der Himmel die Erde berührt.

KNA: Und welche Botschaft hat der heilige Mann für die Erwachsenen?

Becker-Huberti: Nikolaus ist nicht einfach einer, der eine große Stiftung hat, von der aus er Mittel verteilt. Als junger Mann wird er Vollwaise, er sieht sein Vermögen als Verpflichtung, damit anderen Menschen zu helfen. Von Nikolaus können wir etwas lernen, was heute völlig verlottert ist: die Schenk-Kultur. Es geht nicht um besonders viel, das Neueste oder Teuerste. Vielmehr geht es darum, sich dem anderen zuzuwenden. Schenker, Beschenkter und Geschenk sind dann eine Einheit. Diesen alten Gedanken muss sollte man wieder entdecken.

KNA: Was hat Nikolaus uns heute, jenseits des netten Brauchtums, zu sagen?

Becker-Huberti: Nikolaus ist einer, der selbstlos ist. Sein Ziel ist nicht, sein Vermögen zu vermehren - das hätte er prima machen können. Stattdessen geht er auf andere zu und hilft ihnen in ihrer Schwäche. Das ist etwas, was unsere Gesellschaft heute verdammt nötig hat.

Heute sieht jeder nur noch seine eigenen Interessen. Der Nikolaus zeigt, dass es auch anders gehen kann. Er sagt uns auch: Das was ich habe, ist nichts, das ich ewig besitzen werde. Ich lebe nur auf Zeit, und ich werde mich an irgendeinem Tag bei Gott für mein Leben verantworten müssen. Ich bin also ständig gefragt, ob mir das, was ich tue, dabei später dient oder schadet.

Sinn des Lebens ist es nicht, möglichst viel, möglichst schnell zusammenzuraffen und anderen wegzunehmen. Sondern mein Ziel ist es, mit anderen gemeinsam am Ziel anzukommen.

KNA: Haben Sie einen Vorschlag, wie Erwachsene den Nikolaustag begehen können?

Becker-Huberti: Ich kenne durchaus auch Erwachsene, die sich den Nikolaus bestellen, etwa eine Frauengemeinschaft oder ein Kegelverein. Im besten Falle ist das ein kluger und weiser Mensch, der einem und der ganzen Gruppe etwas mit auf den Weg gibt. So ein Impuls kann dann noch Monate später nachwirken.

Das Interview führte Angelika Prauß.

(KNA)

Mit Schwester Katharina durch die Osterzeit

Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen durch die Fasten- und Osterzeit.

Das neue Bischofsquartett

Endlich: Die aktualisierte neue Auflage des Bestsellers ist da! Ab sofort ist das neue Bischofsquartett bestellbar.

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Glockenkarte Kölner Dom

Verschicken Sie pünktlich zum Osterfest eine ganz besondere Grußkarte mit dem Geläut des Kölner Doms!

Team der Woche

Sie sind ein tolles Team? Sie tun etwas für andere Menschen? Dann werden Sie unser Team der Woche!

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 24.04.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Blickpunkt: Die Rolle der Frauen am leeren Grab
  • Franziskaner-Orden verlässt Köln
  • Nach Anschlägen in Sri Lanka noch viele Fragen offen
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Nimmt Christenverfolgung weltweit zu? - Während der Wahl in Indien
  • Schatzsuche im Rhein in den Osterferien
  • Was hält Europa zusammen? Werte und Interessen in turbulenten Zeiten
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Nimmt Christenverfolgung weltweit zu? - Während der Wahl in Indien
  • Schatzsuche im Rhein in den Osterferien
  • Was hält Europa zusammen? Werte und Interessen in turbulenten Zeiten
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Zu Ostern in Taizé
  • Internationaler Tag des Versuchstieres
  • Katholischer Pfarrer zur Suche nach einem Atommüll-Endlager
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Zu Ostern in Taizé
  • Internationaler Tag des Versuchstieres
  • Katholischer Pfarrer zur Suche nach einem Atommüll-Endlager
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Blickpunkt: Die Rolle der Frauen am leeren Grab
  • Nimmt Christenverfolgung weltweit zu?
  • Schatzsuche im Rhein in den Osterferien
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff