Auslage von Kondolenzkarten
Auslage von Kondolenzkarten

04.11.2018

Kondolenzkarten werden immer säkularer und bunter Naturaufnahmen lösen christliche Motive ab

Bei der Oster- und Weihnachtspost ist es zu beobachten, aber auch bei Trauerkarten – es wird zunehmend schwieriger, Karten mit christlichen Bildmotiven und Gedanken zu finden.

Ein schlichtes Kreuz oder eine Darstellung betender Hände, dazu vielleicht noch ein Psalm oder tröstender Spruch aus der Bibel - lange entsprachen Trauerkarten dieser Optik. Wer heute eine Kondolenzkarte sucht, steht vor einer Vielfalt an Motiven und Stilrichtungen. Karten mit christlicher Botschaft sind im gängigen Kartensortiment von Kaufhäusern und Drogeriemärkten immer seltener zu finden.

Im Trend sind stimmungsvolle Naturaufnahmen – die untergehende Sonne, ein auf dem See ruhendes Boot, fallendes Herbstlaub, eine Pusteblume, Zugvögel, oft ergänzt von weltlichen und philosophischen Sinnsprüchen oder einem schlichten "In stiller Anteilnahme", "Mein Mitgefühl" oder "Zum Abschied". Einer der Marktführer, die "Grafik Werkstatt" Gütersloh, setzt in ihrem Kartenprogramm auf "neutrale" Herzensbotschaften. "Damit hoffen wir, alle Kunden – quasi konfessionsübergreifend – anzusprechen", erklärt Marketing-Mitarbeiterin Kartini Diapari.

Die deutliche Sprache der Verkaufszahlen

"Christlich angehauchte Motive werden immer weniger gekauft", beobachtet Werner Lippels, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Hersteller und Verleger von Glückwunschkarten (AVG). Die Karten würden deshalb "allgemeiner gehalten". Die Verlage orientieren sich laut Lippels schlicht am "Feedback vom Markt". Und die Verkaufszahlen sprechen eine deutliche Sprache. Entsprechend werden die Trauerauslagen allmählich umgestellt. "Der direkte Bezug zum christlichen Glauben geht auch in den Familien verloren." Das sei auch bei den klassischen Osterkarten zu beobachten, "man entfernt sich von der ursprünglichen Idee". Während auf dem Land lebende Menschen noch einen größeren Bezug zur Kirche und dem Pfarrer hätten, gehe dieser in der Stadt zunehmend verloren, sagt der AVG-Vorsitzende.

Erika Giebel, Einkäuferin im Kölner Schreibwarenunternehmen Ortloff, verweist auf die zunehmende Motiv- und Farbvielfalt bei Trauerpost. Diese sei "mehr als eine weiße Karte mit schwarzem Kreuz; es darf auch mal eine Blume sein". Auch in der Domstadt stünden beim Kartenkauf zunehmend der persönliche Geschmack und Vorlieben im Vordergrund. Beliebt seien auch Trauerkarten mit Zitaten von Albert Schweitzer, Johann Wolfgang von Goethe oder einem Auszug aus Herbert Grönemeyers "Mensch". "Wenn ich diese Karte einräume, ist sie sofort wieder weg", erklärt Giebel. Gerade die jüngere Generation greife zu solchen weniger konventionellen Karten. Immerhin. Denn, so sagt Lippels, selbst im Zeitalter der sozialen Medien schrieben sogar junge Leute noch eine Trauerkarte. "Eine SMS oder Mail geht im Todesfall nicht."

Gestiegene Nachfrage nach christlichen Motiven

Eine andere Option sind selbst gestaltete Karten, für die es im Internet zahlreiche Anbieter gibt. Ähnlich wie für Hochzeiten und Geburtstage gibt es auch hier viele Möglichkeiten, sehr individuelle Trauerkarten – beispielsweise mit Fotos des Verstorbenen und persönlichen Texten – zu entwerfen.

Im Holzkirchener Magdalenen-Verlag findet man derweil neben anderen auch weiterhin christliche Trauerkarten. Auch wenn sich viel verändert habe, sei Deutschland noch immer ein christliches Land, sagt Verlagsinhaber Clemens Kopp. Er beobachtet sogar eine gestiegene Nachfrage nach explizit christlichen Motiven. Auch wenn sich viele Menschen von der Kirche abwendeten, spürten sie gerade bei einem unvorhergesehenen Todesfall den Ernst der Lage. Bei einer Kondolenzkarte "kann man nicht einfach hinlangen"; der Käufer sollte sich einfühlen in das, was die Trauernden brauchen. Gerne würden inzwischen auch Trauerkarten ohne Text gekauft, etwa mit einem schönen alten Baum.

Dabei beobachtet Kopp, dass Trauerkarten zunächst nach dem eigenen Bedürfnis des Käufers ausgewählt werden. "Das ist auch eine Art Trauerbewältigung, damit tröstet er zunächst sich selbst." Denn der Käufer werde dabei mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert, "das ist wichtig beim Umgang mit der Situation". Die Auswahl einer Trauerkarte sei damit "mehr als ein Kauf zum Kondolieren und zum Ausdrücken der Anteilnahme: Der Käufer beschäftigt sich mit dem Tod - was ein Mensch normalerweise nicht tut."

Angelika Prauß
(KNA)

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