Höhn: "#metoo-Kampagne riskant aber notwendig"
Höhn: "#metoo-Kampagne riskant aber notwendig"
Generalvikar Msgr. Klaus Pfeffer
Generalvikar Msgr. Klaus Pfeffer
ZdK-Präsident Thomas Sternberg
Thomas Sternberg

12.10.2018

Theologe fordert MeToo-Kampagne zur Unterstützung Wucherpfennigs "Wir müssen das Stillhalten beenden"

In der Debatte um den Frankfurter Hochschulrektor Ansgar Wucherpfennig rufen deutsche Theologen zu Protest auf. Der Kölner Theologieprofessor Hans-Joachim Höhn fordert im "Kölner Stadtanzeiger" ein "katholisches #MeToo". 

Wucherpfennig war im Februar für eine dritte Amtszeit als Rektor der Hochschule Sankt Georgen wiedergewählt worden. Wegen liberaler Äußerungen zur Homosexualität steht eine Unbedenklichkeitserklärung ("Nihil obstat) des Vatikan für den Jesuiten aber aus.

Er selbst kenne eine Reihe von Fällen, in denen der Vatikan ähnlich vorgehe wie gegen Wucherpfennig, sagte Höhn. Das Hauptproblem sei die mangelnde Klarheit der Kriterien für eine Ablehnung des "Nihil obstat".

Wahrscheinlich hohe Dunkelziffer

Hinzu komme die Scham der Betroffenen, die nicht öffentlich darüber redeten. Die Dunkelziffer vergleichbarer Fälle sei wahrscheinlich hoch. Bei einem möglichen Widerstand gegen den Vatikan hätten allerdings nicht nur die Betroffenen, sondern auch deren Schüler zu leiden, sagte Höhn. "Eine katholische #MeToo-Kampagne wäre also riskant, aber notwendig."

Wucherpfennig selbst hatte erklärt, er wolle seine Aussagen nicht widerrufen. "Ich sehe meine Äußerungen zur Homosexualität und zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare auf dem Boden der katholischen Lehre", so der Theologe.

Sorge um Austritte

Zustimmung für Höhn kam vom Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller. Der Fall Wucherpfennig sei "ein Angriff auf die theologische Wissenschaft insgesamt", sagte er der Zeitung. "Wir müssen das Stillhalten beenden."

Der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer sagte dem Blatt, es sei jetzt an der Zeit, offen zu reden. "Intransparenz, Denunziantentum, abgrundtiefes Misstrauen und Machtmissbrauch müssen aufgedeckt und überwunden werden." Andernfalls habe er "größte Sorge, dass sich auch die treuesten Katholiken von einer solchen Kirche abwenden".

"Ausdruck von Fundamentalismus"

Ungehalten zeigte sich auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg. Der Papst spreche von Liberalität und Dezentralisierung während die Kurie die Zügel anziehe. So könne das nicht weitergehen.

Der emeritierte Tübinger Dogmatiker Peter Hünermann sprach von einem Ausdruck von Fundamentalismus. Roms Vorstellung von Homosexualität ignoriere die Forschung der jüngeren Zeit.

(KNA)

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