Bischof Bernard Fellay
Bischof Bernard Fellay
Piusbrüder
Piusbrüder

30.06.2018 - 00:00

Seit 24 Jahren führt Bischof Fellay die Priesterbruderschaft Lefebvres Erbe

Nach dem Tod von Erzbischof Lefebvre wurde Bernard Fellay zum führenden Kopf der ultrakonservativen Piusbruderschaft. Der Bischof mit dem ungeklärten kirchenrechtlichen Status hält sich selbst für ganz und gar katholisch.

Als der erzkonservative Erzbischof Marcel Lefebvre im Alter von 82 Jahren seine Nachfolge sichern wollte und am 30. Juni 1988 vier Männern zu Bischöfen weihte, war der Schweizer Bernard Fellay unter ihnen der Jüngste. Eben 30 Jahre geworden, trat er in Econe mit Lefebvre und drei Mitgeweihten den Weg ins kirchliche Abseits an. Denn mit der Bischofsweihe, die gegen den ausdrücklichen Willen des Papstes stattfand, hatten sich alle Beteiligten die Strafe der Exkommunikation zugezogen.

Fellay war zugleich der sprachbegabteste und der intelligenteste unter den vier neuen Traditionalisten-Bischöfen. Und so war es nur logisch, dass er 1994, drei Jahre nach Lefebvres Tod, zum Generaloberen der Bruderschaft gewählt wurde, die trotz der Exkommunikation in allen Erdteilen weiter wuchs. Zweimal zwölf Jahre hat er die Gemeinschaft seither geleitet. Ob das Generalkapitel ihn in diesem Jahr Mitte Juli ein drittes Mal zum Oberen wählt, ist offen.

Zugeständnisse der Päpste

Fellays Bilanz kann sich aus Sicht der Piusbruderschaft sehen lassen. Auf mehr als 600 Priester und über 200 Seminaristen weltweit ist die Zahl der aktiven und der angehenden Priester unter seiner Leitung gestiegen. Den Päpsten hat er etliche Zugeständnisse abgerungen, seit er im Jahr 2000 in einer spektakulären Wallfahrt mit vielen hundert Anhängern in den Petersdom einzog und eine schrittweise Wiederannäherung an Rom begann. Benedikt XVI. kam ihm am weitesten entgegen: 2007 ließ er die alte, tridentinische Messe auf Latein wieder weltweit zu, 2009 hob er die Kirchenstrafe der Exkommunikation auf Bitten Fellays auf.

Seither wabert der kirchenrechtliche Status der Piusbruderschaft irgendwo in der Grauzone zwischen Schisma und Wiedervereinigung. Papst Franziskus hat die Grenze weiter aufgeweicht, indem er den Priestern der Piusbruderschaft zugestand, das Sakrament der Beichte zu spenden und bei katholischen Trauungen zu assistieren.

Gleichzeitig hat sich aber auf dogmatischem und moraltheologischen Gebiet der Graben weiter vertieft. Die römischen Lockerungsübungen mit der möglichen Kommunion für geschiedene Katholiken in zweiter Ehe oder, wie jüngst in Deutschland vorgeschlagen, für evangelische Ehepartner von Katholiken, zeigen aus Sicht Fellays und seiner Anhänger einmal mehr, auf welche "Irrwege" sich die katholische Kirche mit ihrer Anpassung an die Moderne und ihrem "Neo-Protestantismus" begeben hat.

Öffentliche Mahnung an Papst Franziskus

Wenn Fellay diese Entwicklungen kritisiert, tut er das selten polternd und ausfallend. Das überlässt er Mitbrüdern, die mehr auf Krawall und Polemik gebürstet sind. Der freundliche Schweizer wirbt am liebsten beharrlich und argumentierend für seine Sicht der Dinge: Nicht die Piusbruderschaft habe sich von der römischen Kirche entfernt, sondern vielmehr bewege sich Rom seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 - 1965) immer weiter von der eigenen jahrhundertealten Lehre und Tradition weg.

Aus diesem Grund unterzeichnete Fellay im September 2017 gemeinsam mit zahlreichen mehr oder weniger prominenten Theologen und Intellektuellen die "correctio filialis". In dieser öffentlichen Mahnung wird Papst Franziskus aufgerufen, mutmaßliche Irrlehren im Zusammenhang mit der Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene zu widerrufen. In seiner Begründung erklärte Fellay: "Mit jeder Faser unseres Seins sind wir Rom verbunden, der Mutter und Lehrmeisterin. Wir wären nicht mehr römisch, wenn wir ihre zweitausendjährige Lehre zurückweisen würden. Im Gegenteil. Dann würden auch wir zu Handlangern der Zerstörung, mit einer Situationsmoral, die sich in gefährlicher Weise auf eine aufgeweichte Theologie stützt."

Trotz gravierender theologischer Meinungsverschiedenheiten hält Fellay an der Anerkennung des Papstes fest, dessen Bild hängt auch in den Räumen der Piusbruderschaft-Zentrale. Damit grenzt der Generalobere Fellay seine Truppe konsequent ab von den traditionalistischen Ultras. Diese haben inzwischen unter Mitwirkung des radikalen Ex-Piusbruders Richard Williamson eine «Priestergemeinschaft Marcel Lefebvre» mit eigenen (exkommunizierten) Bischöfen gegründet.

Ludwig Ring-Eifel
(KNA)

Live: Loss mer Weihnachtsleeder singe!

DOMRADIO.DE überträgt am 23. Dezember das große Mitsingkonzert im RheinEnergie-Stadion live im Web-TV.

Programm im Advent und an Weihnachten

Das volle Programm im DOMRADIO und auf DOMRADIO.DE!

Themenwochen im Advent: Mut tut gut

Drei Buchstaben haben es in sich: In Interviews und Reportagen sprechen wir über den Mut zum Glauben, zum Entscheiden und Handeln. 

Die schönsten Lieder des Mitmach-Chorfestivals

Das Mitmach-Chorfest in der Kölner Lanxess-Arena mit 15.000 Teilnehmern aus allen kirchenmusikalischen Gruppen des Erzbistums. Jetzt alle Videos verfügbar!

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Mit Willibert in die Heilige Stadt

Im November 2019 ist es soweit: Erkunden Sie das ehrwürdige Rom auf dieser Pilgereise mit dem Rom-Kenner Willibert Pauels, Karnevalsfreunden und DOMRADIO.DE Besuchern auch bekannt als "ne Bergische Jung"!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 18.12.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Willkommen! - Internationaler Tag der Migranten
  • Philosophie - Kann nur der mutige Mensch glücklich werden?
  • Meilenstein - Gründung der Salesianer am 18. Dezember 1859
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Wie katholisch war die Politik 2018? Jahresrückblick mit Politologen
  • Krisenherd in Europa: Ukrainisch-orthodoxe Kirche spaltet sich von russisch-orthodoxer Kirche ab
  • "Wir sind die Sattesten": Timur Vermes über sein Buch, Flüchtlinge und Europa
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Wie katholisch war die Politik 2018? Jahresrückblick mit Politologen
  • Krisenherd in Europa: Ukrainisch-orthodoxe Kirche spaltet sich von russisch-orthodoxer Kirche ab
  • "Wir sind die Sattesten": Timur Vermes über sein Buch, Flüchtlinge und Europa
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Katholische Arbeitnehmerbewegung Deutschlands zum Feiertagsschutz an Weihnachten
  • Zum Internationalen Tag der Migranten: Integration durch Ausbildung
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Katholische Arbeitnehmerbewegung Deutschlands zum Feiertagsschutz an Weihnachten
  • Zum Internationalen Tag der Migranten: Integration durch Ausbildung
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Programmtipps

  • Lukasevangelium
    19.12.2018 07:50
    Evangelium

    Lk 1,5–25

  • "Da haben die Dornen Rosen getragen"
    19.12.2018 08:00
    DOMRADIO Morgenimpuls im Advent mit Schwester Katharina

    "Rosen des tiefen Gottver...

  • Schwarz-gelber Engel in der Dreifaltigkeitskirche
    19.12.2018 09:10
    Anno Domini

    Ballsportverein Borussia Dortm...

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.