Frau im Gebet
Gläubige betet für Julia Greeley

07.06.2018

Sklavin Julia Greeley auf dem Weg zur Seligsprechung "Engel der Nächstenliebe"

Die frühere US-Sklavin Julia Greeley hat eine wichtige Etappe auf dem Weg zu ihrer Seligsprechung zurückgelegt. Zu ihrem 100. Todestag nach ihrem Tod wurde sie in der Kathedrale von Denver neu beigesetzt.

Das einzige Foto von ihr zeigt sie mit einem kleinen weißen Mädchen auf dem Arm und ihrem Erkennungszeichen: einem großen Schlapphut. Ihre Biografie ist so außergewöhnlich wie ihre tätige Hilfe. Julia Greeley, die am 7. Juni 1918, vor 100 Jahren, starb, rangierte gesellschaftlich am untersten Rand.

Doch wegen ihrer praktizierten Nächstenliebe flogen ihr schon zu Lebzeiten die Herzen zu. Heute ist die einstige Sklavin auf dem Weg, von der katholischen Kirche seliggesprochen zu werden.

"Engel der Nächstenliebe"

Schon lange vor ihrem Tod war sie in Denver im US-Bundesstaat Colorado eine Legende. Die Menschen nannten sie den "Engel der Nächstenliebe". Selbst bettelarm, kümmerte sich die gläubige Frau, die 1880 zum Katholizismus übertrat, um jene, denen es noch schlechter erging als ihr, der früheren Sklavin tief aus dem Süden.

Über die Anfänge des "guten Engels" ist nicht viel bekannt. Geboren irgendwann zwischen 1833 und 1848 auf einer kleinen Farm in Hannibal, Missouri, verlor sie als kleines Kind ihr rechtes Auge. Ein Sklavenhalter hatte sie beim Auspeitschen ihrer Mutter mit dem Lederriemen im Gesicht erwischt.

Letzte Ruhestätte in Kathedrale von Denver

Nach dem Bürgerkrieg (1861-1865) erlangte sie ihre Freiheit. Seitdem verdingte sie sich als Haushaltshilfe für reiche weiße Familien in verschiedenen US-Bundesstaaten. So kam sie auch nach Denver, wo sie nun, 100 Jahre nach ihrem Tod, am Mittwoch ihre letzte Ruhestätte in der Kathedrale fand. Der Bischof von Denver, Jorge Rodriguez-Novelo, segnete ihre sterblichen Überreste und sagte: "Julia Greeley ist die erste Person, die hier beigesetzt wird. Kein Bischof, kein Priester - sondern eine Laiin, eine frühere Sklavin".

Greeley arbeitete die meiste Zeit für die katholische Familie Gilpin, deren Patriarch, William Gilpin, zum Gouverneur des Bundesstaates Colorado aufstieg. Das verschaffte auch ihr Zugang zu den wohlhabenden Kreisen der Stadt, wo sie regelmäßig Spenden für die Armen und für die Kirche sammelte. Von ihrem kargen Lohn als Haushälterin gab die "einäugige Julia" das meiste den anderen Armen.

Eigenes Grab verschenkt

Sogar ihr eigenes Grab verschenkte sie, um einem Schwarzen das anonyme Massengrab zu ersparen.

Weil Greeley wusste, wie peinlich es den weißen Armen war, von einer Schwarzen Almosen zu empfangen, ging sie so taktvoll wie taktisch vor. Sie suchte die Notleidenden tief in der Nacht auf, damit die Nachbarn davon nichts mitbekamen. Im Schutz der Dunkelheit zog sie mit ihrem roten Holzkarren zu den Mittellosen, denen sie Essen, Kleidung, aber auch Kohle brachte. Manchmal sogar eine Matratze, die sie auf dem Rücken herbeischleppte.

Bei ihrem Tod spendierten ihr wohlhabende weiße Familien ein neues Grab. Hunderte Menschen - Weiße wie Schwarze, Reiche wie Arme - kamen bei ihrer Beerdigung zusammen. Ein so außergewöhnliches Ereignis, dass Zeitungen in New York darüber berichteten.

Selbstlose Hingabe

"Sie war eine Frau mit einem weitläufigen Geist", schrieb die Reporterin der "Denver Post", Frances Wayne, damals. Sie habe selbstlose Hingabe gelebt und ihre materiellen Güter geteilt. Ein Schriftsteller nannte sie anerkennend eine "Ein-Personen-Gesellschaft".

Im Herbst 2016 wurde auf Bistumsebene ein Seligsprechungsprozess in Gang gebracht. Für die Umbettung in die Kathedrale gaben die US-Bischöfe Grünes Licht. Erneut unter großer öffentlicher Anteilnahme wurden Greeleys Gebeine am Mittwoch in der Bischofskirche ausgestellt.

Die Präsidentin der "Julia-Greeley-Gilde", Mary Leisring, erinnerte daran, dass nicht jeder eine Mutter Teresa sein müsse. "Aber Julia hat jedem gezeigt, dass man als gewöhnlicher Mensch außergewöhnlich werden kann, wenn man selbstlos ist und teilt."

Thomas Spang
(KNA)

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