Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen
Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen

07.06.2018

Ein Kommentar zur Kommuniondebatte Schweigen ist Gold

Bischöfe im Clinch, verunsicherte Gläubige und geleakte Geheimdokumente. Die Situation im Kommunionstreit ist verfahren. Für Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen ist klar: Die Bergpredigt liefert die Lösung.

Herrliche Zeiten sind das für Journalisten: Der Streit um den rechten Kommunionempfang für konfessionsverschiedene Ehepaare in der katholischen Kirche hat alles, was eine gute Story braucht: Da gibt es zunächst eine lange Vorgeschichte. Denn die Frage, ob zwei Eheleute, die beide als Christen getauft sind, auch gemeinsam zum Tisch des Herrn treten dürfen, entzweit nicht erst seit gestern die Gemüter. Hinzu kommt, dass es kein Randthema ist: "Es geht um Leben und Tod", wie es der Kölner Kardinal an Fronleichnam ausdrücklich noch einmal betonte. Hier wird sehr deutlich, es ist ein hoch emotionales Thema.

Emotionen aber lieben nicht nur wir Journalisten. Wenn dann noch dieser handfeste Streit unter den "Brüdern im bischöflichen Amt" in aller Öffentlichkeit ausgetauscht wird, sind Schlagzeilen garantiert. Und da in dieser Auseinandersetzung um die Kommunion auch die beiden amtierenden deutschen Kardinäle heftig über Kreuz liegen, lässt sich die Frage auch noch wunderbar personalisieren. Wenn dann noch abwechselnd von den hilfreichen Adjutanten eigentlich streng vertrauliche Papiere im Original an die jeweilig genehmen Medien durchgestochen werden, taugt die Auseinandersetzung gar für eine schöne Serie, wo man nach jeder neuen Folge schon gespannt ist, wie diese Geschichte weiter geht. Unglücklicherweise kommt, quasi als kostenlose Zugabe von ganz oben, noch hinzu, dass der Papst höchstselbst in dieser Kernfrage, nun ja, man darf wohl sagen, keine eindeutigen Antworten gibt.

Aber selbst wenn man als Medienmensch hofft, dass man hier ein wunderbares Sommerthema hat, weil keine Ende in Sicht ist, so wünscht man sich doch als einfacher Christ, dass es jetzt bitte genug ist. Ja, der offene Streit um den richtigen Weg der Christusnachfolge ist bisweilen hilfreich und notwendig. Aber wenn selbst Bischöfe erklären, es gehe hier leider wie bei den Kindern dieser Welt auch um unnötige Machtfragen, dann darf man mit Faust ausrufen: "Genug der Worte sind gewechselt!" Wer es lieber als Jesuswort hätte: "Bei Euch soll es nicht so sein!" Gerade wenn es doch um das Allerheiligste geht, darf man den nötigen Respekt nicht nur unten in den Kirchenbänken und vor der Kommunionbank erwarten. Es geht doch gerade um das Sakrament der KOMMUNION - der Gemeinschaft mit Gott und untereinander.

"Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder!", diese Worte der Bergpredigt mögen jetzt bitte alle beherzigen. Ja, es gibt eine Zeit für den Streit und das Gerede - aber jetzt, da wirklich alle Argumente auf dem Tisch liegen, könnten vielleicht mal alle schweigen. Einfach mal die Klappe halten. Wie wäre es, wenn die Bischöfe all ihre Termine über Bord schmeißen, sich einfach mal hinter die berühmten verschlossenen Türen zurückziehen und erst wieder hinauskommen, wenn sie sich geeinigt haben? Vielleicht darf man an dieser Stelle auch an den Begriff Konklave ("verschlossener Raum") erinnern. An die guten alten Zeiten, in denen das einfache Bodenpersonal ihre hohen Kirchenmänner einmauerte, gegebenenfalls auch mal die Essensrationen kürzte, um nötige Entscheidungen zu beschleunigen.

Das kirchliche Fußvolk, wenigstens diese Erfahrung wird von allen Bischöfen in großer Einmütigkeit so gesehen, hat nämlich längst Fakten geschaffen.

(DR)

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