Die Kurie bei Papst Franziskus
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Franziskus mit jungen Menschen, die ihm das Abschlussdokument der Jugend-Vorsynode übergeben haben
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Junge Frauen und Männer bringen ihre Anliegen bei der Jugend-Vorsynode in Rom ein
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13.04.2018

Studie belegt: Jugendliche glauben an Gott Hausaufgaben für die Kirchen

Jugendliche sind im Gottesdienst eher selten dabei. Doch der Autor einer neuen Studie sagt: Jugendliche wollen zwar nicht religiös sein, glauben aber zum großen Teil. Woran könnte das liegen? Autor Reinhold Boschki mit einer Erklärung.

DOMRADIO.DE: Nur etwas mehr als 20 Prozent der Jugendlichen in Deutschland sagen, sie seien religiös, aber über 40 Prozent bezeichnen sich als "gläubig". Wie verstehen Sie das?

Prof. Dr. Reinhold Boschki (Abteilungsleiter Religionspädagogik, Kerygmatik und kirchl. Erwachsenenbildung an der Kath.-Theol. Fakultät der Universität Tübingen): Das ist etwas Überraschendes, was wir in dieser Studie festgestellt haben: Jugendliche trennen ganz klar zwischen diesen Begriffen. Das hätten wir so nicht erwartet. Denn das Wort "religiös" steht für sie für die Institutionen, für die überlieferten Religionsgemeinschaften. Aber das Wort "gläubig" steht für sie für etwas, was sie selbst in ihrem Innersten haben. Sie selbst wollen diesen eigenen Glauben leben, sich nicht durch andere fremd bestimmen lassen und können sehr gut in einem Verhältnis zu Gott leben und das auch pflegen.

52 Prozent sagen: "Ich glaube an Gott". Aber sie wollen eben nicht religiös sein, im Sinne von "Ich muss dann regelmäßig irgendwelche Riten einhalten oder bestimmten Pflichten nachgehen". Sondern der Glaube ist etwas Persönliches, was sie selbst und ihre Beziehung zu Gott betrifft.

DOMRADIO.DE: Mehr als die Hälfte der jungen Menschen findet es gut, dass es die Kirchen gibt. Dennoch bleibt eine gewisse Distanz zur Institution. Was stört die Jugendlichen?

Boschki: Sogar 61 Prozent finden gut, dass es die Kirchen gibt und diese sehr viel Gutes für die Menschen leisten. Jugendliche sehen durchaus, dass die Institutionen und insbesondere die Kirchen sich für andere Menschen einsetzen – im karitativen Bereich, in den Krankenhäusern und für Obdachlose. Aber die Jugendlichen setzen sich selbst auch ganz stark in Distanz zur Institution. Das ist ja nicht unbedingt überraschend. Sie sagen: "Kirche muss sich ändern" und "Ich sehe eher kritisch, was Kirche sagt und Kirche muss jugendgemäßer werden". Das haben wir in vielen Umfragen schon gehört und es ist natürlich ein berechtigtes Anliegen der Jugendlichen, dass Kirche sich tatsächlich auf die Lebenswelt der jungen Menschen zubewegt.

DOMRADIO.DE: Welche religiösen Themen interessieren die Jugendlichen überhaupt? Redet die Kirche an den Bedürfnissen der jungen Menschen vorbei?

Boschki: Sicher treffen sich viele Schnittpunkte. Es geht um die Sprache der Kirche. Vielen ist diese Sprache zu altmodisch und zu weit weg von ihrer eigenen Sprache. Die Kirche selbst muss lernen, die Sprache der Jugendlichen zu verstehen. Die sich ja auch ganz stark momentan durch den Einfluss der Medien verändert. Um dann mit den Jugendlichen auf einer gleichen Sprachebene in Kontakt kommt.

Interessanterweise sind die Themen, die junge Menschen beschäftigen, die klassischen. Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist nach wie vor ganz hoch im Kurs. 70 Prozent der Jugendlichen sagen, es ist wichtig, dass man darüber nachdenkt. Und nur acht Prozent sagen: "Was nach dem Tod kommt, ist unwichtig für mich." Also, anders herum ausgedrückt: Den meisten ist es wichtig, über den Tod und das Leben danach zu sprechen. Dafür brauchen sie natürlich Gesprächspartner, die mit ihnen auf jugendgemäße Art in Kontakt kommen.

DOMRADIO.DE: Was empfehlen Sie angesichts Ihrer Studie den Kirchen in Bezug auf junge Menschen?

Boschki: Wenn man sieht, dass ein großer Teil der Jugendlichen durchaus sagt: "Für mich ist Gott eine Wirklichkeit, die wichtig ist. Ich glaube an Gott, das ist etwas, was für mein Leben bestimmend ist". Sogar 75 Prozent aller Jugendlichen gab an, dass sie zumindest gelegentlich, wenn auch nicht oft, beten. Es gab auch Befragte, die mehrfach in der Woche und mehrfach am Tag beten. Das heißt, sie wissen, was ein Gebet ist. Aber sie brauchen dazu jemanden, der mit ihnen darüber spricht, was eigentlich ein Gebet ist. Damit sie nicht nur auf die Medien angewiesen sind oder auf das Internet und dort irgendwelche Informationen herauszuholen. Dazu brauchen wir gute Gesprächspartner/innen, sowohl in den Gemeinden als auch in den Schulen.

Es gibt nämlich auch eine große Gruppe von Jugendlichen, die zweifeln und sagen: "Die religiöse Frage lasse ich noch offen". Wir könnten sie positiv deuten und sagen, dass diese jungen Menschen auf der Suche sind. Und für die sollte jemand da sein und es einen Raum geben, in dem sie kommunizieren können und über religiöse Fragen diskutieren können. Im Sinne von Auseinandersetzung, bei der man auch mal über Themen streiten kann. Aber nicht im Sinne von Vorgaben wie "So ist es und das müsst ihr übernehmen."

DOMRADIO.DE: Oft heißt es, muslimische Jugendliche seien religiöser als christliche. Können Sie das bestätigen?

Boschki: Das haben wir auch nachgewiesen. Muslimische Jugendliche sind einfach noch stärker religiös sozialisiert. Sie erkennen die Bedeutung der Religion und wollen im Prinzip auch diesen Anforderungen genügen. Aber kaum einer der Jugendlichen hat gesagt, dass er fünfmal am Tag betet. Sondern sie wissen, dass sie das eigentlich tun sollten. Aber im Alltag lässt sich das nicht realisieren. Mit Blick auf das Gottesbild, ihrer Zustimmung zu Gott und allgemein auch zu den religiösen Praktiken sind sie viel stärker noch sozialisiert. Und versuchen auch an dieser Praxis anzuknüpfen.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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