Mariendarstellung in einem Geschäft in Kevelaer
Figuren mit Mariendarstellung
Jan Hendrik Stens
Jan Hendrik Stens

06.03.2018

Pfingstmontag künftig Mariengedenktag Ökumenische Kollision?

Der Pfingstmontag wird weltweit künftig als Gedenktag Marias begangen. Das entsprechende Dekret wurde im Auftrag von Papst Franziskus vorgestellt. In Deutschland steht dieser Tag eigentlich im Zeichen der Ökumene. Ein Problem?

DOMRADIO.DE: Der Pfingstmontag ist bei uns Feiertag, in einigen Bundesländern sogar mit Pfingstferien verbunden. Aber in der Weltkirche gibt es gar keinen Pfingstmontag?

Jan Hendrik Stens (Redaktion Liturgie): Das liegt daran, dass es die Pfingstoktav seit 1970 nicht mehr gibt. Als bei uns in Deutschland die gesetzlichen Feiertage festgelegt wurden, gab es noch die Weihnachtsoktav, die Osteroktav und die Pfingstoktav. Als Rumpf davon war jeweils noch der zweite Tag vom Staat als gesetzlicher Feiertag festgelegt worden. Als dann im Advent 1969 in Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils der neue Römische Generalkalender eingeführt wurde, gab es für den Pfingstmontag keine liturgische Grundlage mehr. Die deutschen Bischöfe entschieden jedoch, diesen vom Staat gestellten Feiertag mit kirchlichem Leben zu füllen. Deshalb gibt es bei uns in Deutschland noch den Pfingstmontag, obwohl er in der Liturgie gar nicht mehr existiert.

DOMRADIO.DE: Aber bei uns gibt es den Pfingstmontag als Feiertag - aus Tradition? Hat Deutschland da eine Insellösung?

Stens: Der Pfingstmontag ist auch in Österreich, den Benelux-Staaten, Frankreich, Ungarn, Dänemark sowie in weiten Teilen der Schweiz ein gesetzlicher Feiertag. Es ist also keine Insellösung.

DOMRADIO.DE: Aber Feiertag bedeutet dann doch: Pflicht in die Messe zu gehen?

Stens: Tatsächlich in der Pfingstmontag zumindest in Deutschland ein "kirchlich gebotener Feiertag". Das heißt, die Gläubigen haben – wie auch sonntags – die Pflicht, die Heilige Messe mitzufeiern.

DOMRADIO.DE: Im Grunde ändert sich durch einen Marien-Gedenktag am Pfingstmontag nichts. Die Messe-Pflicht für Katholiken bleibt. Könnten sich evangelische Christen trotzdem auf den Schlips getreten fühlen durch die päpstliche Festlegung?

Stens: Tatsächlich wird der Pfingstmontag in vielen Gemeinden genutzt, um gemeinsam mit Christen anderer Konfessionen die Einheit der Kirche voranzubringen. Daher werden am Pfingstmontag auch häufig ökumenische Gottesdienste gefeiert. Dabei kommt es nicht selten zu Konflikten mit der für Katholiken bestehenden Applikationspflicht. Denn kaum einer besucht die Heilige Messe und zusätzlich noch einen ökumenischen Gottesdienst. Der Konflikt ist also bereits schon vorhanden. Mit dem neuen Gedenktag dürfte es insofern für protestantische Christen schwierig werden, als dass unter "Kirche", als deren Mutter Maria verehrt wird, etwas anderes verstanden wird als die Katholiken es tun. Dazu kommt, dass Katholiken die Heiligen auch als Fürsprecher anrufen. Das lehnen Protestanten ab.

DOMRADIO.DE: Aber dass der Papst gegen Ökumene wäre und deswegen den Mariengedenktag auf den Pfingstmontag gelegt hat, diese Vermutung ist haltlos?

Stens: Man muss immer im Hinterkopf behalten, dass Papst Franziskus mit seinen Entscheidungen die ganze Weltkirche im Blick hat und nicht nur Deutschland oder Mitteleuropa. Ihm ist die Ökumene – allerdings auch die mit der Orthodoxie oder den Pfingstkirchen – durchaus ein großes Anliegen. Was nun die deutschen Bischöfe mit dem neuen Gedenktag machen werden, bleibt abzuwarten. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass der Montag nach Pfingsten im deutschsprachigen Raum auf den Dienstag gelegt wird.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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