Menschen beten miteinander
Menschen halten sich an den Händen und beten das Vaterunser

07.12.2017

Schweizer Bischöfe sehen Neuübersetzung des Vaterunser positiv "Lass uns nicht in Versuchung geraten"

Das Vaterunser sorgt für Wirbel. In der Schweiz mehren sich die Stimmen für die Übernahme einer Neuübersetzung. Es gibt aber auch kritische Stimmen: Werden hier die Worte Jesu verfälscht?

Nach Kantonalkirchen wie der Evangelisch-Reformierten Kirche im Kanton Waadt (EERV) spricht sich nun auch die theologische Kommission der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) für die neue Version aus, wie das Portal kath.ch am Donnerstag berichtet. Sie könnte zu Ostern 2018 nach Beratungen der zuständigen Gremien eingeführt werden.

Die französischen Bischöfe hatten beschlossen, die offizielle Übersetzung der Vaterunser-Bitte "führe uns nicht in Versuchung" zu ändern. In katholischen Gottesdiensten in Frankreich lautet die betreffende Bitte seit dem ersten Adventssonntag: "Lass uns nicht in Versuchung geraten".

"Verfälschung der Worte Jesu"

Papst Franziskus kritisierte die alte Fassung am Mittwochabend in einem Interview des italienischen Senders TV2000. Es sei nicht Gott, der den Menschen in Versuchung stürze, um zu sehen, wie er falle. "Ein Vater tut so etwas nicht; ein Vater hilft sofort wieder aufzustehen. Wer dich in Versuchung führt, ist Satan", so der Papst.

Im Zusammenhang mit der französischen Initiative hatten auch Theologen im deutschen Sprachraum eine Anpassung verlangt. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer warnte hingegen vergangene Woche vor einer "Verfälschung der Worte Jesu". Die Vaterunser-Bitte "führe uns nicht in Versuchung" sei genau so bei den Evangelisten Matthäus und Lukas überliefert. Es gehe nicht an, Jesus diesbezüglich zu korrigieren, so der frühere Dogmatikprofessor. Gleichwohl müssten und könnten diese Worte so erklärt werden, "dass das Gottesbild nicht verdunkelt wird".

(KNA)

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