Papst Franziskus und Beata Szydlo beim WJT in Krakau
Papst Franziskus und Beata Szydlo beim WJT in Krakau

29.10.2017

Polen und Frankreich streiten um Kreuz an Papststatue "Vor der Zensur retten"

Eine Gemeinde in der Bretagne muss auf richterliche Anordnung das Kreuz von einem Denkmal für den früheren Papst Johannes Paul II. entfernen. Das sorgt nun für Spannungen zwischen Frankreich und Polen.

Die von der französischen Justiz angeordnete Entfernung eines großen Kreuzes an einem Denkmal für Papst Johannes Paul II. (1978-2005) sorgt für politische Irritationen zwischen Warschau und Paris. Polens Regierungschefin Beata Szydlo will das Denkmal ihres Landsmanns vor "der Zensur retten" und aus Ploermel in Nordwestfrankreich nach Polen holen, wie sie am Wochenende ankündigte.

"Das Diktat der politischen Korrektheit - der staatlichen Laizität - schafft Platz für Werte, die für unsere Kultur fremd sind und zu einer Terrorisierung des täglichen Lebens der Europäer führen", sagte sie der polnischen Nachrichtenagentur PAP. "Unser großer Pole und großer Europäer ist ein Symbol des Christentums und des vereinten Europas."

Klage des Freidenker-Verbandes

Das oberste französische Verwaltungsgericht hatte am Mittwoch in Paris entschieden, dass das mehr als ein Meter große Kreuz binnen sechs Monaten von einem Bogen über der Papststatue entfernt werden müsse. Das Kreuz verstoße gegen das Gesetz zur Trennung von Staat und Kirche. Religiöse Symbole seien an öffentlichen Orten verboten. Gegen das Denkmal hatte der Freidenker-Verband geklagt. Der Fall erregte sowohl in Frankreich als auch in Polen viel Aufsehen.

Das insgesamt 7,50 Meter hohe Monument wurde 2006 auf einem Platz der 10.000-Einwohner-Gemeinde errichtet. Der Moskauer Bildhauer Surab Zereteli, Präsident der Russischen Akademie der Künste, schenkte es dem Ort, nachdem Johannes Paul II. im Jahr 1996 den benachbarten Wallfahrtsort Sainte-Anne-d'Auray besucht hatte.

"Touristischer Trumpf"

Ein Gericht hatte 2015 zunächst entschieden, dass das Denkmal ganz entfernt werden müsse. Ein Berufungsgericht hob das Urteil auf. Die obersten Verwaltungsrichter beanstandeten schließlich nur das prominente Kreuz.

Der Bürgermeister von Ploermel, Patrick Le Diffon, erwägt laut französischen Presseberichten, gegen die höchstrichterliche Anordnung vor den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof zu ziehen. "Das Denkmal ist seit zwölf Jahren Teil des Gemeindebilds und stört die Bewohner nicht", so Le Diffon. Es sei vielmehr ein "touristischer Trumpf" für die Gemeinde. Das Denkmal war allerdings schon vor seiner Errichtung Ende 2006 umstritten.

Kopftücher seit 2004 verboten

Immer wieder sorgen religiöse Symbole in Frankreich für Diskussionen. 2004 wurden Kopftücher und andere religiöse Symbole an Schulen verboten. 2016 entschied das oberste Verwaltungsgericht, dass Weihnachtskrippen nur unter bestimmten Bedingungen in öffentlichen Gebäuden aufgestellt werden dürfen.

(KNA)

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