Altar mit Brot und Wein
Altar mit Brot und Wein
Bischof Stephan Ackermann
Bischof Stephan Ackermann

29.09.2017

Neuer Chef der Liturgie-Kommission will Laien mehr beteiligen "Gottesdienst ist vielen fremd geworden "

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann ist bei der DBK-Herbstvollversammlung zum neuen Vorsitzenden der Liturgie-Kommission gewählt worden. Im Interview spricht er über ungenutzte Kirchen und neue Wege in der Liturgie.

KNA: Welche drängenden Aufgaben kommen jetzt auf Sie zu, wenn es um die Liturgie der katholischen Kirche in Deutschland geht?

Stephan Ackermann (Bischof von Trier): Ich sehe vor allem zwei wichtige Fragen. Die eine betrifft die Feier des Sonntagsgottesdienstes in den größer gewordenen pastoralen Räumen. Wie können wir die Feier der Sonntagsmesse so organisieren und gestalten, dass sie wirklich auch eine Sammlung für die Gläubigen wird, die zu einem pastoralen Raum gehören? Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass es besser ist, aus mehreren kleinen Orten in einer Kirche zusammenzukommen als an vielen Orten mit jeweils nur ganz wenigen Menschen Gottesdienst zu feiern.

KNA: Und die zweite drängende Frage?

Ackermann: Wie können wir den Menschen, denen der Gottesdienst fremd geworden ist, den Zugang zur Liturgie, das Verständnis für die Symbole und Handlungen neu erschließen. Wie fremd vielen die Eucharistie geworden ist, erleben wir verstärkt bei besonderen Anlässen, etwa bei Hochzeiten, Begräbnissen oder Taufen. Das ist ein Geschehen, das vielen Menschen verschlossen bleibt. Da müssen wir neue Zugänge schaffen.

KNA: In Zeiten des Priestermangels und der Pfarreizusammenlegungen wird der Ruf nach mehr Wortgottesdiensten unter Leitung von Laien lauter. Ist das ein Modell für die Zukunft?

Ackermann: Auf jeden Fall wird die Leitung von Gottesdiensten durch Laien wichtiger. Das gilt vor allem für die Werktage. Die Kirchen sollten ja nicht unter der Woche einfach ungenutzt sein. Hier müssen wir mehr Fantasie entwickeln, was Laien da machen können. Sei es mit Psalmengebet, mit Rosenkranz oder anderen, neueren Formen des gemeinsamen Gebets. Etwas anderes ist die Sonntagsmesse. Hier muss ganz klar bleiben, dass die Eucharistiefeier mit dem Priester die eigentliche Form des Sonntagsgottesdienstes ist. Alles andere kann nur ein Ersatz oder eine Hinführung sein. Ich sage das ganz bewusst, ohne die anderen Formen damit abwerten zu wollen.

KNA: Die Zahl der Gottesdienstteilnehmer ist in Westeuropa seit langem rückläufig. Warum zieht die Liturgie die Menschen hier nicht mehr in so großer Zahl an wie früher?

Ackermann: Die Anziehung ist durchaus noch da. Das gilt auch für den Kirchenraum an sich. Es gibt viele Menschen, die diese andere Dimension suchen. Für die müssen wir neue Angebote entwickeln, die sie zum Verstehen der Liturgie hinführen.

KNA: In Osteuropa habe ich den Eindruck, dass die Anziehungskraft der Liturgie, auch die der komplizierten byzantinischen Liturgie, ungebrochen ist. Fehlt uns da im Westen etwas?

Ackermann: Natürlich ist das bei uns häufig ein wenig verkopft. Für viele ist entscheidend, ob die Predigt gut war. Es geht aber um viel mehr. Und deshalb ist es wichtig, eine gute Qualität der gottesdienstlichen Feier zu haben, so dass die Menschen spüren, hier öffnet sich in den liturgischen Handlungen ein Raum, der über die Welt hinausweist. Aber es wäre verfehlt, dem Bedürfnis nach mehr Sakralem entgegenzukommen, indem man auf mehr Weihrauch und Mysteriöses setzt. Mysterium um der Geheimnishaftigkeit willen kann nicht der Weg sein, im Kern geht es doch immer um die Botschaft von Jesus Christus.

KNA: Papst Franziskus hat unlängst den Bischofskonferenzen eine wichtigere Rolle bei der Übersetzung liturgischer Texte zugestanden. Hat das Auswirkungen für Deutschland?

Ackermann: Es ist gut, dass mit dem Dekret eine neue Grundlage der Zusammenarbeit zwischen Rom und den Bischofskonferenzen geschaffen wurde. Aber die Sache ist natürlich immer noch sehr komplex. Einerseits muss die weltweite Einheit des Ritus gewahrt bleiben.

Andererseits haben die nationalen Bischofskonferenzen Verantwortung für die qualitätvolle Übersetzung in die Volkssprachen. Wir müssen abwarten, welche neue Verfahrensordnung sich die vatikanische Gottesdienst-Kongregation geben wird. Und dann müssen wir ja auch immer jede Veränderung im gesamten deutschsprachigen Raum abstimmen, bis hin nach Südtirol. Es gibt keinen Grund, da etwas überstürzen zu wollen.

Das Interview führte Ludwig Ring-Eifel.

(KNA)

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