Heilige Kommunion
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KNA-Chefredakteur Ludwig Ring-Eifel
KNA-Chefredakteur Ludwig Ring-Eifel

25.09.2017

KNA-Chefredakteur über die erneute Kritik zu "Amoris laetitia" "Dauerfeuer aus der konservativen Ecke"

Das päpstliche Schreiben "Amoris laetitia" von 2016 erregt immer noch die Gemüter. Konservative Kreise behaupten jetzt: Papst Franziskus verbreite Irrlehren. Kein neuer Vorwurf, so KNA-Chefredakteur Ludwig Ring-Eifel.

domradio.de: Es sind heftige Worte, die die 62 Unterzeichner in ihrer förmlichen "Zurechtweisung" formulieren. Dem Papst werfen sie Irrlehren vor. Worauf genau beziehen sich die Kritiker?

Ludwig Ring-Eifel (Chefredakteur der Katholischen Nachrichtenagentur): Es geht bei diesem Schreiben - wie schon bei dem "Dubia"-Schreiben der vier Kardinäle, wieder mal um das päpstliche Schreiben "Amoris laetitia" von 2016. Darin deutet der Papst an, dass Katholiken auch zur Kommunion zugelassen werden können, die zum zweiten Mal verheiratet sind und deren erste Ehe noch nicht für nichtig erklärt ist. Papst Franziskus lockert das auf und eröffnet so eine Möglichkeit, diese Menschen auch wieder zur Kommunion zu zulassen. Dagegen laufen die konservativen Kritiker Sturm. Los ging es mit den vier Kardinälen und ihrem "Dubia"-Schreiben, in dem sie ihre Zweifel an der Lehre formuliert haben. Jetzt unterstützen 62 überwiegend Theologen und Philosophen, die aus unterschiedlichen Ländern kommen, die Kritik. Sie alle sind ausgewiesene konservative Kritiker des Papstes.

domradio.de: Schauen wir doch mal auf die Form des Briefes, denn die ist außergewöhnlich. Die Ermahnung heißt "Kindliche Zurechtweisung über die Verbreitung der Häresien". Zuletzt gab es die im Jahr 1333. Was sagen Sie dazu?

Ring-Eifel: Man hat natürlich nach einem historischen Vorbild gesucht und das auch gefunden. Im Jahr 1333 gab es gegen den damaligen Papst Johannes XXII. schon mal eine ähnliche Aktion von Theologieprofessoren. Papst Johannes XXII. hatte etwas gelehrt, was Heilige betraf. Nämlich ob Heilige nach ihrem Tod bereits bei Gott sind oder ob sie erst das Endgericht am Ende der Zeiten abwarten müssen. Und da hat dieser Papst eben etwas gelehrt, was nach Überzeugung der Theologen falsch war (Anm. d. Red.: Papst Johannes XXII. lehrte zunächst, dass erst nach der Auferstehung des Fleisches und dem Jüngsten Gericht die Heiligen von Gott zur Anschauung seiner Göttlichkeit erhoben würden.) Auf dem Sterbebett hat der Papst dann tatsächlich dem Druck nachgegeben und seine falsche Lehre widerrufen. Einen solchen Widerruf erwarten auch die 62 konservativen Kritiker von Papst Franziskus in der Frage zum Verständnis von Ehe und bezüglich der Sakramentenlehre.

domradio.de: Sind denn unter den Unterzeichnern auch Personen aus dem Vatikan dabei?

Ring-Eifel: Es ist niemand direkt aus dem Vatikan dabei. Der ranghöchste der in Vatikannähe zu verorten wäre, ist der ehemalige Dekan der päpstlichen Lateranuniversität, Professor Antonio Livi. Und Ettore Gotti Tedeschi, der lange Zeit Präsident der Vatikanbank war. Dann gibt es noch einige andere, beispielsweise ehemalige Dozenten von päpstlichen Hochschulen. Also, es haben schon einige B-Promis unterschrieben, aber keine aktiven Kardinäle oder Bischöfe.

domradio.de: Wir reden hier ja über eine ganz bestimmte Szene, die den Papst heftig angeht. Wie ernst muss man diese sehr konservative Szene innerhalb der katholischen Kirche nehmen?

Ring-Eifel: Das ist die große Frage. Man kann nicht genau beziffern, wie stark diese Strömung ist. Sicherlich ist sie eine Minderheit. Man muss zudem feststellen, dass es sich bereits um den dritten Vorstoß dieser Art handelt. Es gab den Versuch der vier Kardinäle sowie zwischendrin noch einen weiteren Vorstoß von 45 Theologen, die an den Kardinaldekan, Kardinal Sodano, eine Beschwerde zu "Amoris laetitia" geschrieben haben. Also, es ist so ein Dauerfeuer, das jetzt aus der konservativen Ecke kommt. Den Menschen ist es sehr ernst. Aber man muss auch deutlich machen, dass der Text sehr höflich geschrieben ist und nicht polemisch oder aggressiv. Die Absender orientieren sich tatsächlich auch am geltenden Kirchenrecht: Im Kanon 212 Absatz 3 gibt es etwa eine Bestimmung, wonach die Gläubigen eine Pflicht trifft, ihre Meinung zu dem, was das Wohl der Kirche angeht, den geistlichen Hirten mitzuteilen. Genau auf diese Pflicht berufen sich die Kritiker jetzt und fordern eine Korrektur der päpstlichen Lehre. Aber welches Gewicht das hat, das bleibt abzuwarten.

domradio.de: Das heißt, sie können auch nicht wirklich einschätzen, ob es tatsächlich zu einem Machtkampf zwischen den konservativen Kritikern und Papst Franziskus kommen wird? Oder würden sie sagen, dass wird nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Der Papst kann das auch ganz gut unbeschadet durchstehen…

Ring-Eifel: Entscheidend ist letztlich, wie es im Kardinalskollegium aussieht und wie viele Anhänger die konservativen Kritiker unter den rund 200 Kardinälen haben. Ich würde sagen, dass da nicht mehr als vielleicht eine Handvoll oder ein Dutzend zusammenkommen. Aber sicher wird es irgendwelche Auswirkungen haben. Bei der nächsten Papstwahl zum Beispiel wird man wahrscheinlich überlegen, ob man dann vielleicht einen Kandidaten wählt, der etwas weniger Unruhe in die katholische Kirche bringt, als das bei Franziskus der Fall war.

domradio.de: Blicken wir mal auf den Adressaten des Schreibens: Papst Franziskus. Wissen Sie, wie er damit umgegangen ist oder umgehen will?

Ring-Eifel: Bisher hat er auf alle Versuche mit Schweigen reagiert. Weder hat er den vier Kardinälen noch den 45 Theologen geantwortet. Und auch auf dieses Schreiben, das bereits seit einigen Monaten existiert, überreicht wurde und nur erst jetzt veröffentlicht wurde, hat der Papst nicht reagiert. Das ist seine Linie. Er sagt, man habe in zwei Synoden ausführlich darüber debattiert. Er habe dann anschließend die Ergebnisse zusammengefasst und es verkündet. Nach dem Motto: Ich bin der Papst und ich sage, wo es lang geht. Deshalb glaube ich nicht, dass er von dieser Linie abrücken wird.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(dr)

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