Festivalbesucher jubeln vor der Hauptbühne bei "Rock am Ring"
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Renardo Schlegelmilch
Renardo Schlegelmilch

17.09.2017

Buch über Religion und Glaube in der Popmusik If you believe ...

Wie viel Glaube steckt in der Popmusik? Autor und Radiomoderator Renardo Schlegelmilch hat sich auf die Suche gemacht. In seinem Buch "If you believe" berichtet er von seinen überraschenden Entdeckungen und den Glaubensgeschichten der Popmusik.

domradio.de: "If you believe" heißt das Buch. Worum geht es darin?

Renardo Schlegelmilch (Autor und Radiomoderator): Jedes Kapitel in dem Buch befasst sich mit einem Lied, das wir hier in der Regel auch aus dem domradio kennen. Das fängt bei den Beatles und den Rolling Stones an, geht aber bis in die aktuelle Musik der letzten Jahre. Ich glaube, das aktuellste Lied war von Rag 'n' Bone Man "Human", das wir hier auch immer spielen. Es geht einerseits darum, was wir für religiöse Bezüge in den Texten haben. Da findet man zum Beispiel viele Lieder, die die Bibel zitieren. "Turn, Turn, Turn" von den Byrds macht das zum Beispiel. Das ist fast eins zu eins aus dem Alten Testament übernommen. Auf der anderen Seite steht aber auch die Frage, warum die Künstler das eigentlich geschrieben haben. Warum ist Bruce Springsteen zum Beispiel katholisch, hat aber ein riesiges Problem damit und ist in seiner ganzen Musikkarriere damit beschäftigt, seine Beziehung zur katholischen Kirche irgendwie ins Reine zu bringen?

domradio.de: Ist das so ein roter Faden, dass sich viele Künstler an Religion reiben. Oder ist das mit Springsteen eine Ausnahme?

Schlegelmilch: Ich würde noch nicht mal sagen reiben, aber ich würde sagen, dass es für jeden, den ich mir angeguckt habe, in gewissem Sinne eine Rolle spielt. Bei vielen war es mir gar nicht so bewusst. Robbie Williams zum Beispiel ist ein ziemlich religiöser Künstler. Sein Hit "Angels" von 1998 ist nicht metaphorisch gemeint, sondern ein Lied, in dem es wirklich um die Bedeutung von Engeln geht. Und das geht in der aktuellen Musik von ihm genauso weiter. "Bodies" hat er an US-Präsident George Bush geschrieben, in dem er sagt: "Jesus ist nicht für dich gestorben." Auf der anderen Seite hat er später gesagt: "Was für ein Schwachsinn. Was habe ich da für ein Bild im Kopf gehabt?" Oft ist es eben so, dass Lebenserfahrung rüberkommt, was aber auch Religion beinhaltet.

domradio.de: Gibt es denn eine Geschichte, die dich wirklich total überrascht hat?

Schlegelmilch: John Lennon ist in vielerlei Hinsicht die große Ikone der Atheisten. "Imagine" ist ein atheistisches Lied. Lennon hat selbst darüber gesagt, das Lied sei inhaltlich genau das Gleiche wie das "Kommunistische Manifest". Also, kein Besitz, alle sollen das Gleiche haben und eben keine Religion. "Imagine there's no heaven", singt er. Deswegen wird John Lennon von vielen atheistischen Verbänden als großes Vorbild betrachtet. John Lennon hat sich aber in seiner späten Lebensphase tatsächlich eine Zeit lang als bekehrten Christen bezeichnet, weil er eine Fernseh-Doku über Jesus von Nazareth gesehen hat. Da war er so begeistert, dass er mit der ganzen Familie am nächsten Tag in einen katholischen Gottesdienst gegangen ist und sich in Interviews eben eine Zeitlang als bekehrten Christen bezeichnet hat, bis Yoko Ono kam und gesagt hat: "Lass mal lieber, Ostasiatisches ist mehr was für dich".

domradio.de: Ganz viele Geschichten hast du ausgegraben. Gibt es so eine Essenz von dem, was du herausgefunden hast?

Schlegelmilch: Dass das tatsächlich für jeden in gewissem Sinne eine Rolle spielt, auch wenn du es überhaupt nicht denkst. Titellied ist "If you believe", ein Popsong von Sasha von 1998. Wir haben viel darüber diskutiert, ob wir das Buch so nennen sollen. Weil ich vorher gedacht habe, dass es da überhaupt keine wirkliche Beziehung zu Religion und Glauben gibt. Im Endeffekt habe ich aber den Liedtext von "If you believe" mit dem letzten Papstschreiben von Papst Franziskus zu Liebe, Beziehungen und Sexualität verglichen und im Prinzip steckt da das Gleiche drin.

Das Gespräch führte Heike Sicconi.

(dr)

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