Familien im Gottesdienst
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12.07.2017

Neusser "Chaos-Kirche" für Neu- und Wiedereinsteiger Spielen, basteln, beten

Der Name klingt nach wildem Durcheinander. Aber die katholische "Chaos-Kirche" in Neuss bietet mehr als kirchliches Wirrwarr. Es ist ein kreatives Angebot für Kinder und Erwachsene – Gottesdienst inklusive, wie Mitinitiator Markus Rischen erklärt.

domradio.de: Was ist denn so chaotisch an Ihrer Chaos-Kirche?

Markus Rischen (Pastoralferefent beim Katholischen Familienzentrum Neuss-Norf/Rosellen): Das ist schon wuselig. Wir hatten am vergangenen Wochenende ein Treffen mit rund 50 Kindern und 50 Erwachsenen. Da ist dann schon etwas rund um die Kirche los. Der Name ist im Grunde der Versuch einer Übersetzung. Und zwar stammt die Idee aus dem englischsprachigen Raum, hat also quasi einen Migrationshintergrund. Dort nennt sich das "Messi-Church". Nun kann man sich hier in Deutschland unter dem Begriff wahrscheinlich nicht viel vorstellen.

Dann habe ich mit einigen jungen Müttern von Kindergartenkindern, mit denen ich das gemeinsam vorbereite, überlegt, wie das bei uns heißen könnte. Eine Idee lautete "Ü-Kirche". Das "Ü" sollte in dem Fall wie bei den Schokoeiern für "Überraschung" stehen. Es gibt etwas zu essen, zu basteln und zu spielen. Das fanden wir aber letzten Endes etwas zu langweilig. "Chaos-Kirche" fanden wir dann etwas peppiger und prickelnder. Eine evangelische Gemeinde in Köln, die etwas Ähnliches macht, nennt das auch "Chaos-Kirche". Da haben wir uns gedacht, dass wir damit die Leute bestimmt ansprechen, die einmal etwas anderes von Kirche sehen und erleben wollen.

domradio.de: Nun ganz konkret: Sie bieten bei diesem Angebot eine kreative Phase für Kinder mit Spielen und Bastelangeboten. Danach gibt es auch einen kurzen Gottesdienst in der Kirche. Zum Abschluss wird auch gemeinsam gegessen. Wie kommt das denn an?

Rischen: Das finden die Leute ganz toll. Die Rückmeldungen, die wir bekommen, sind überaus positiv. Die Menschen sagen, dies sei endlich einmal eine ansprechende Art für Familien mit Kindern. Da versuchen wir durchgängig zu schauen, dass wir die Leute willkommen heißen. Ein kleines Detail möchte ich noch hinzufügen. In den Kindergärten hängen kleine Listen aus, in denen man sich eintragen kann. Da steht auch nicht "Teilnehmerliste" drauf, sondern "Gästeliste". Damit sollen die Leute wissen, dass sie willkommen sind und nicht einfach nur teilnehmen. Wir freuen uns, wenn sie kommen.

domradio.de: Wie schafft man es denn, dass das Ganze auch nachhaltige Wirkung hat und sich nicht nur wie ein Event anfühlt und eine kindgerechte Aufbereitung religiöser Themen stattfindet?

Rischen: Zum einen schauen wir schon, dass die Struktur immer gleich bleibt und die Kinder merken, dass das, was da passiert, nicht nur zufällig ist. Die Reihenfolge der Dinge, die da passieren, also das Willkommenheißen, Basteln, den Gottesdienst besuchen und miteinander essen, ist immer gleich. Es gibt einen relativ großen Stamm von Müttern, mit denen wir das zusammen vorbereiten. Bei den Vorbereitungen schauen wir nicht nur darauf, was wir denn beim nächsten Mal basteln, sondern sprechen auch darüber, warum es beispielsweise Ostereier gibt, warum Licht an Ostern so eine große Rolle spielt oder was eigentlich der brennende Dornbusch bedeutet.

domradio.de: Zuletzt ging es bei Ihnen in der Chaos-Kirche um Symbole wie Feuer und Wasser in der Bibel. Haben Sie schon eine Idee, was Sie beim nächsten Mal machen wollen?

Rischen: Das nächste Mal ist erst Ende November. Da bietet sich jahreszeitlich Advent und Weihnachten an. Ich vermute, das wird in die Richtung gehen.

Das Interview führte Verena Tröster.

(dr)

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