Philippinische Bischöfe reagieren uneins zum möglichen Frauendiakonat
(Noch) Männern vorbehalten: Diakonen- und Priesterweihe
Irmentraud Kobusch
Irmentraud Kobusch

28.04.2017

Forderungen zum "Tag der Diakonin" "Die Stunde ist gekommen"

Die Diskussion um das Diakonat der Frau ist nicht neu. Bereits seit 20 Jahren beschäftigt sich das Netzwerk "Diakonat der Frau" mit diesem Thema - an diesem Samstag auch wieder mit einem Aktionstag und einem eindeutigen Ziel.

domradio.de: Einen Tag der katholischen Diakonin, wie kann man sich den vorstellen? Vom Begriff her ist das ja eigentlich erst einmal ein Widerspruch, da es keine Diakoninnen gibt. Warum gibt es dennoch einen Tag dafür?

Irmentraud Kobusch (Vorsitzende des Netzwerks "Diakonat der Frau" und Stellvertretende Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland/kfd): Weil wir uns gemeinsam wünschen, dass es das Diakonat der Frau in der katholischen Kirche geben soll. Wir sind fest davon überzeugt, dass die Kirche die Möglichkeit hätte, das Diakonat der Frau als eigenständiges Amt, so wie er seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil für Männer möglich ist, einzuführen. Da wir alle überzeugt sind, dass das Diakonat als eigenständiges Amt Frauen ermöglicht werden könnte, begehen wir seit 20 Jahren diesen Tag der Diakonin in einer immer größer werdenden Koalition von Institutionen, Verbänden und Netzwerken.

domradio.de: Wie stellen Sie sich denn das Amt der Diakonin konkret vor?

Kobusch: Wir stellen uns das genauso wie das Diakonat für die Männer vor. Das heißt, es ist ein Kirchenamt, das durch das Weihesakrament übertragen wird, in dem Männer und Frauen, die sich zum Diakon oder zur Diakonin berufen fühlen, gemeinsam den Dienst am Nächsten in der Kirche sichtbar machen.

domradio.de: Sie begehen den Tag der Diakonin seit 20 Jahren. Nun sind die Diskussionen um das Amt brisanter geworden, seitdem der Papst eine Kommission zur historischen Bedeutung des Frauendiakonats eingesetzt hat. Hat diese Tatsache etwas an der Auseinandersetzung mit dem Thema geändert?

Kobusch: Eigentlich nicht. Wir freuen uns sehr, dass der Papst diese Kommission eingerichtet hat, weil dadurch die nie verstummende und immer lauter gewordene Diskussion um das Diakonat der Frau vonseiten des Papstes neuen Schwung bekommen hat. Was bei der Kommission herauskommt, werden wir sehen. Es ist sicher gut, die Geschichte dieses Amtes in der frühen Kirche noch einmal zu untersuchen. Aber uns ist es auch wichtig, dass deutlich wird, dass sich Ämter im Verlauf der Kirchengeschichte verändert haben. So hat sich das Diakonen-Amt auch seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil verändert. Wir wünschen uns, dass Frauen genauso wie Männer in Verkündigung, Liturgie und im heilenden, helfenden Handeln die diakonische Dimension der Kirche in diesem Amt sichtbar machen.

domradio.de: Das Thema ist aber erst durch die Einsetzung der Kommission durch den Papst wieder richtig an die Öffentlichkeit gekommen, oder?

Kobusch: Das ist ohne Zweifel so. Voriges Jahr haben die Ankündigung des Papstes und die Einrichtung der Kommission durch den Papst großen Nachhall in der Öffentlichkeit gefunden. Damit zeigt sich, dass die Frage nach der Teilhabe von Frauen am kirchlichen Handeln in der Öffentlichkeit immer wieder diskutiert wird und auf großes Interesse stößt. Es ist eben nicht nur eine Diskussion, die von einigen wenigen kirchlichen Insidern geführt wird, wie manchmal behauptet wird.

domradio.de: Hört die Diskussion denn da beim Diakonat der Frau auf, oder würden Sie sich im weiteren Schritt auch ein Priesteramt für Frauen wünschen?

Kobusch: Es handelt sich um unterschiedliche Berufungen. Es gibt Menschen, die sich zum Priesteramt berufen fühlen und es gibt Menschen, die sich zum Diakonat berufen fühlen. Wir sind überzeugt, dass die Kirche die Möglichkeit hätte, das Diakonat der Frau einzuführen. Für das Priesteramt sieht es anders aus. Wir sind darüber hinaus überzeugt, dass jetzt die Stunde ist, die diakonische Dimension der Kirche deutlich zu stärken und sichtbar zu machen, um die Glaubwürdigkeit der Kirche zu untermauern. Das geschieht mit dem Amt des Diakonats und damit auch mit dem Diakonat der Frau. Alles andere überlassen wir getrost Gottes heiligem Geist.

domradio.de: Seit 20 Jahren gibt es das Netzwerk "Diakonat der Frau". Würden Sie sagen, man hat im Hinblick auf die momentanen Diskussionen um das Diakonat etwas in den vergangenen Jahren erreicht?

Kobusch: Ganz ohne Zweifel haben wir etwas erreicht. Wir haben vor allem erreicht, dass in den Jahren zwischen 2000 und 2010, in denen die Diskussion um das Diakonat der Frau nicht in der Öffentlichkeit präsent war, das Netzwerk "Diakonat der Frau" das Thema immer wieder wach gehalten hat. Es hat Frauen begleitet, die sich zur Diakonin berufen fühlen. Es hat ihnen Kompetenzen vermittelt, die eine zukünftige Diakonin braucht. Es hat damit ein Profil erstellt und erarbeitet, welche Kompetenzen eine zukünftige Diakonin in der Kirche braucht. Das ist ein großer Fortschritt, denn es wird oft gesagt, es gebe noch gar kein Profil für dieses Amt. Das Netzwerk "Diakonat der Frau" ist überzeugt, dass wir einen Beitrag dazu leisten, ein solches Profil zu entwickeln.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(dr)

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