Beim Dreh: Rosa Domm und Regisseurin Fee (v.l.)
Beim Dreh: Rosa Domm und Regisseurin Fee (v.l.)
Aufnahmen werden im PC-Schnittprogramm sortiert
Aufnahmen werden im PC-Schnittprogramm sortiert

20.08.2016

Videoprojekt der Bischofskonferenz über Kreuzweg Jesu "Gefühle zeigen statt Bibel inszenieren"

Ein Studio irgendwo in Köln: Grelles Licht weißer Scheinwerfer bahnt sich seinen Weg durch dichten Kunstnebel. Vor dem PC werden Aufnahmen sortiert, die jedoch nicht für den nächsten Fernsehstreifen dienen sollen, sondern für den Kreuzweg Jesu.

"Wir drehen hier Szenen für sieben Filmclips zum Ökumenischen Jugendkreuzweg, die so nächstes Jahr in allen deutschsprachigen Gemeinden gezeigt werden können", erzählt 'Fee' – wie sie im Filmteam genannt wird. Die junge Frau mit den blonden Haaren ist Regisseurin des Filmprojekts. Gemeinsam mit einem achtköpfigen Team aus jungen Filmemachern bastelt sie an den kleinen Videoclips. Je knapp zwei Minuten soll jede der sieben Kreuzwegstationen zusammenfassen. Für das Drehbuch haben die Jugendlichen jedoch eher in ihre eigene Lebenswelt geschaut, statt in der Bibel zu blättern, wie Darstellerin Rosa Domm erklärt: Wir haben im Wesentlichen mit dem Kreuzweg an sich gearbeitet. Dabei haben wir Situationen und Gefühle in unserem Leben gesucht, die vergleichbar mit den Erfahrungen Jesu sind.

Nähe zur Lebenswelt der Jugendlichen suchen

Hierzu wurde die biblische Vorlage mit Fingerspitzengefühl abgeklopft, erzählt Rosa:  "Bei der ersten Kreuzwegstation, der Verurteilung Jesu, haben wir überlegt: Wo findet Verurteilung in unserem Leben statt? Da sind wir dann zum Beispiel auf persönliche Vorurteile gekommen". An diesem Tag steht die zweite Kreuzwegstation auf dem Drehplan: Jesus nimmt das Kreuz auf sich. Regisseurin Fee gibt ihrer Schauspielerin Rosa letzte Instruktionen, dann fällt die Klappe zum Dreh. Von Spotlicht angestrahlt, zuckt Rosa mit dem ganzen Körper zusammen – unregelmäßig und plötzlich.

Gefühle zeigen statt Bibel inszenieren, ein Ansatz, der sich durch alle Kreuzweg-Clips zieht. Auftraggeber für das Videoprojekt ist die Deutsche Bischofskonferenz, genauer deren "Arbeitsstelle für Jugendseelsorge". Mit dem Medium Film betreten die Organisatoren neues Terrain, denn bislang erschienen zum Jugendkreuzweg nur Texte, Bilder und Musik.  Für den Leiter des Jugendkreuzweges, Alexander Bothe, ist die Ausrichtung ein Gebot der Zeit: "Wir sind mit dem Projekt hier verbunden, weil wir den Jugendkreuzweg so erzählen wollen, dass er im Dialog steht mit jungen Menschen und ihrer Art zu kommunizieren. Da spielen Filme heute eine alltägliche Rolle".

Der Jugendkreuzweg als App

Die sieben Videoclips können gemeinsam mit Begleittexten, Musik und Bildern ab ersten Advent erworben werden. Zudem wird für den Jugendkreuzweg 2017 erstmalig eine App erscheinen. Die Botschaft des Kreuzweges soll über viele Medien verbreiten werden. Das ist ein Ansatz mit einem klaren Ziel, wie Alexander Bothe erklärt: "Der Jugendkreuzweg berührt den Kern des Glaubens – sozusagen seine 'Kronjuwelen'. Damit müssen wir den Menschen so begegnen, dass er mit ihrer Lebenswirklichkeit zutun hat".

Wie die Jugendlichen auf den multimedialen Ansatz reagieren, wird sich zeigen. So darf man gespannt sein auf das nächste Jahr und die Premiere der Kreuzweg-Clips, deren Geschichte in einem kleinen Studio in Köln ihren Anfang nahm.

Marcel Krombusch

(DR)

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