Umfrage: Nur noch jeder Vierte bevorzugt klassisches Sarggrab

Sarg adé?

Laut einer Umfrage bevorzugt nur noch jeder vierte Bundesbürger das klassische Sarggrab auf einem Friedhof. Andere Bestattungsarten werden hingegen immer beliebter, etwa Einäscherungen, Seebestattungen oder Beisetzungen in Wäldern.

Eine Amsel auf einem Grab / © Harald Oppitz (KNA)
Eine Amsel auf einem Grab / © Harald Oppitz ( KNA )

Das ergab eine am Mittwoch in Königswinter veröffentlichte Umfrage der Verbraucherinitiative für Bestattungskultur Aeternitas. Aktuell sprachen sich 24 Prozent für eine Erdbestattung aus, 5 Prozent weniger als 2013 und sogar 15 Prozent unter dem Wert von 2004. Für ein Urnengrab auf dem Friedhof würde sich derzeit jeder fünfte (19 Prozent) entscheiden.

Alternative Bestattungsformen

Am beliebtesten sind dagegen laut Studie Einäscherungen mit pflegefreien Beisetzungsmöglichkeiten. Diese präferiert fast jeder zweite (47 Prozent), 8 Prozent mehr als 2013. Dazu zählen etwa Beisetzungen in Bestattungswäldern, Seebestattungen oder Ascheverstreuungen in der Natur, aber auch Gemeinschaftsgräber, Urnenwände, anonyme Gräber oder Baumbestattungen auf Friedhöfen.

Der Wunsch nach einer Urnenbeisetzung zu Hause oder im eigenen Garten ist im Vergleich zu 2013 von 9 auf 5 Prozent gesunken. "Vielleicht zeigt sich hier eine Folge der zunehmenden Angebotsvielfalt, auch auf Friedhöfen", sagte der Aeternitas-Vorsitzende Christoph Keldenich.

Grabpflege: Bereicherung oder Belastung?

Trotz der steigenden Vorliebe für pflegefreie Bestattungsformen schätzen weiterhin 47 Prozent der Befragten Grabpflege als Bereicherung ein, 44 Prozent aber auch als Belastung. 58 Prozent der Befragten zwischen 40 und 49 Jahren sehen eher die Belastung im Vordergrund, für 55 Prozent der Älteren ab 60 Jahren ist es hingegen häufiger eine Bereicherung, sich um ein Grab zu kümmern. Als belastend empfindet dies in dieser Altersgruppe nur ein Drittel.

Für jeden zweiten (52 Prozent) Umfrageteilnehmer ist der Friedhof mehr als ein Bestattungsort. Am häufigsten wurde der Friedhof als Ort der Ruhe, der Besinnung oder inneren Einkehr und als Platz zum Spazierengehen und zur Erholung genannt. Für die repräsentative Studie befragte das Institut TNS-Emnid im Auftrag von Aeternitas Ende März 1.005 Bundesbürger.

Karl der Große verbot Einäscherung

Für Katholiken war die Einäscherung seit dem Edikt von Paderborn 785 durch Karl den Großen verboten. Begründet wurde dies mit dem Alten Testament, das die Feuerbestattung als schwere Schande bezeichnete. Zudem sah die Kirche eine Leugnung der leiblichen Auferstehung. Erst am 5. Juli 1963 erlaubte der Vatikan auch katholischen Christen die Einäscherung.


Quelle:
KNA