13.04.2016

Polnisches Bistum will Hostie nach angeblichem Wunder ausstellen "Merkmale eines Wunders"

Polnische Rechtsmediziner wollen Merkmale von menschlichem Gewebe auf einer geweihten Hostie aus dem niederschlesischen Liegnitz festgestellt haben. Die Hostie soll nun zur Verehrung ausgestellt werden.

Die Kardiologin Barbara Engel sagte laut polnischen Presseberichten (Mittwoch), es handle sich "höchstwahrscheinlich um Gewebe des Herzmuskels". Das hätten Untersuchungen an den Medizinischen Universitäten von Breslau und Stettin ergeben. Der Liegnitzer Bischof Zbigniew Kiernikowski sprach von "Merkmalen eines eucharistischen Wunders". Nach Rücksprache mit der vatikanischen Glaubenskongregation empfahl er dem Priester, der die unerklärlichen Veränderungen an der Hostie festgestellt hatte, diese an einem geeigneten Ort als Reliquie auszustellen, damit sie von Gläubigen verehrt werden könne.

Pfarrer Andrzej Ziombra hatte die geweihte Hostie, die während eines Gottesdienstes am 25. Dezember 2013 auf den Boden gefallen war, gemäß der Kirchenvorschriften in ein mit Wasser gefülltes liturgisches Gefäß gegeben. Die Oblate habe sich jedoch nicht aufgelöst, sondern sich stattdessen nach einiger Zeit rot verfärbt. Darauf setzte der damalige Ortsbischof Stefan Cichy eine Kommission ein, die das Phänomen untersuchen sollte.

Verfärbte Hostie in den USA war von Brotschimmel befallen

Im November hatten ähnliche rote Verfärbungen einer Hostie im US-Bistum Salt Lake City für Aufsehen gesorgt. In diesem Fall stellte die Kirchenleitung allerdings nach einer Untersuchung fest, die Ursache sei ein roter Brotschimmel des Typs Neurospora crassa. Die blutähnlichen Flecken hatten sich gebildet, nachdem ein Priester in der Kirche Saint Francis Xavier in Kearns die versehentlich an ein Kind ausgeteilte und später zurückgegebene Hostie in Wasser eingelegt hatte, um sie liturgisch korrekt zu entsorgen. "Die Kirche geht davon aus, dass die meisten Vorgänge, die als außergewöhnliche Phänomene erscheinen, in Wirklichkeit das Ergebnis natürlicher Ursachen sind", erklärte das US-Bistum seinerzeit. Deshalb liege die Prüflatte für Wunder hoch.

Blutwunder wurden in der katholischen Kirche im Zuge der eucharistischen Frömmigkeit des Spätmittelalters immer wieder bekannt. Die Nachricht von einem solchen Ereignis im italienischen Bolsena führte 1264 zur Einführung des Fronleichnamsfestes; dieses hat die Verehrung Jesu Christi in der geweihten Hostie zum Gegenstand.

(KNA)

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