Symbolbild: Betende Hände
Beten soll gegen Angst helfen

19.02.2016

Psychiater sieht Religion als Schutz vor Angst "Beten macht glücklich"

Religiöser Glaube kann nach Erkenntnissen des Göttinger Angstforschers Borwin Bandelow vor Angst schützen. "Beim Beten oder gemeinsamen Singen in der Kirche gibt es eine Endorphin-Ausschüttung im Gehirn, und das macht glücklich".

Das sagte der Präsident der Gesellschaft für Angstforschung. "Das kann aber auch heißen: Ängstliche Menschen sind gläubig, um sich vor der Angst zu schützen." Erforscht sei dies jedoch noch nicht und "nur eine These", räumte Bandelow ein, der stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen ist. Bandelow war an diesem Freitag Gastredner der Tagung "Angst, existenzielle Ängste und Angststörungen" der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Im Norden mehr ängstliche Menschen als im Süden

Fest stehe, dass Menschen im Norden ängstlicher seien als im Süden, erklärte Bandelow. "In Deutschland sind wir also vergleichsweise ängstlich - ein Erbe unserer Vorfahren, das uns noch immer in den Genen steckt." Ursache dafür sei, dass die ersten Menschen, die den Norden besiedelten, "vorausschauend denken" mussten, um zu überleben, da "die Umgebung so unwirtlich war". Dies zeige sich noch heute: Die Deutschen planten ihr Leben, "schließen verhältnismäßig viele Versicherungen ab".

Beste Therapie, sich der Angst zu stellen

Anders als häufig angenommen, werde die Angst der Deutschen im Laufe der Jahre aber nicht größer, betonte der Psychiater. Zwar habe die Zahl der Krankschreibungen wegen Angststörungen in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen. "Das liegt aber nur daran, dass man früher das Kind nicht beim Namen genannt hat: Aus der Angststörung wurde in der Krankschreibung die Magenverstimmung." Angststörungen seien zu etwa 50 Prozent genetisch bedingt und änderten "sich damit nicht innerhalb von ein paar Jahren." Umwelteinflüsse wie Alkohol oder emotional belastende Ereignisse spielten dagegen eine sehr viel geringere Rolle als früher angenommen.

Das beste Mittel gegen Angst ist laut Bandelow, sich den Herausforderungen zu stellen. "Etwa bei Flugangst in das nächste Flugzeug nach Mallorca steigen. Und bei Fremdenangst: Die Begegnung mit Flüchtlingen suchen." Eine tief sitzende Angststörung lasse sich dagegen nur durch Verhaltenstherapie und medikamentös behandeln.

(KNA)

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