Bischof Gebhard Fürst
Bischof Gebhard Fürst
Statue des heiligen Martin von Tours
Statue des heiligen Martin von Tours

11.11.2015

Rottenburgs Bischof Fürst über den heiligen Martin von Tours "Leitfigur der Seelsorge"

2016 wird der 1.700 Geburtstag des heiligen Martin von Tours gefeiert. Federführend ist das Bistum Rottenburg-Stuttgart, das den Martin zum Patron hat. Im Interview erläutert Bischof Gebhard Fürst, was der Heilige für ihn bedeutet.

KNA: Herr Bischof Fürst, verbinden Sie mit dem heiligen Martin eigene Kindheitserinnerungen?

Fürst (Bischof von Rottenburg-Stuttgart): Natürlich. Wie die anderen Kinder bin auch ich mit einer Laterne in der Hand im Martinszug mitgegangen. Das behält man in Erinnerung.

KNA: Nächstes Jahr steht der 1.700. Geburtstag des Heiligen an. Doch was wissen wir wirklich von Martin?

Fürst: Sehr viel. Martin ist kein Mythos. Der christliche Schriftsteller Sulpicius Severus verfasste Ende des vierten Jahrhunderts eine Biografie. Wir kennen Martins Geburtsort im heute ungarischen Szombathely, seine Missionsreisen, sein Grab in Tours. Er muss ein außergewöhnlicher Mensch gewesen sein. So gut wie historisch gesichert ist die Geschichte der Mantelteilung - allerdings nicht vom hohen Ross herunter - Martin ging zu Fuß. Er quittierte den Militärdienst und ließ sich gegen den Willen der Eltern taufen. Später gründete er in Frankreich das erste Kloster im Abendland und wurde gegen seinen Willen Bischof von Tours. Denn Martin lebte sehr zurückgezogen und einfach, half vielen Kranken. Papst Benedikt XVI. nannte ihn ganz zu Recht eine "Ikone der Nächstenliebe". Sicher ist: Martin stand am Anfang des christlichen Europas.

KNA: Wie erklären Sie, dass eine säkulare Institution wie der Europarat vor zehn Jahren eine Martins-Route quer durch Europa als Kulturweg zertifizierte?

Fürst: Das kam damals auch für die katholische Kirche recht überraschend. Es entspricht in jedem Fall der Idee des früheren EG-Kommissionspräsidenten Jacques Delors, Europa eine Seele zu geben. Martin steht für diese Seele. Insgesamt haben sich die Pilgerwege zu den Adern Europas entwickelt. Und die Martinswege verbinden den Osten mit dem Westen Europas. Als wir vor zwei Jahren mit 500 Christen nach Szombathely gepilgert sind, haben uns die Menschen gesagt: Es ist schön, dass ihr euch an einem Heiligen aus dem Osten orientiert und wir nicht nur nach Westen schauen müssen.

KNA: Das Bistum Rottenburg-Stuttgart gehört zu den wenigen Martinsdiözesen.

Fürst: Ja, wir sind Martinsland. Martin ist die Leitfigur unserer Seelsorge. Darauf haben viele reagiert, und es ist viel passiert. Allein in Württemberg sind 150 katholische Kirchen und mehrere heute evangelische nach dem Heiligen benannt, und inzwischen haben wir bei uns rund 1.200 Kilometer Martinswege. Wir können uns den Heiligen auf diesen Wegen neu erschließen. Im Regionalteil des 'Gotteslob' gibt es eine Martinsandacht, die wir noch mehr ins Gespräch bringen wollen. Auch dass auf dem Martinsberg in Weingarten Flüchtlinge untergebracht sind - das passt. Schließlich verleiht die Diözese seit vielen Jahren Martinusmedaillen an Menschen, die sich karitativ besonders engagieren.

KNA: Was ist zum Festjahr geplant?

Fürst: Eröffnen haben wir die Feiern am 8. November mit einem Gottesdienst. 2016 sind dann Bistumswallfahrten nach Szombathely und Tours geplant. In beiden Städten sind ebenso wie in Rottenburg große Konzerte in den Bischofskirchen vorgesehen. Spielen soll ein Orchester unter Leitung von Justus Frantz. Ich möchte auch Einrichtungen besuchen, die im Geiste Martins arbeiten: etwa Hospize, Fair-Trade-Läden, Obdachlosenheime, Behinderteneinrichtungen. Das alles passt gut zum Jahr der Barmherzigkeit, das Papst Franziskus für 2016 ausgerufen hat.

Das Interview führte Michael Jacquemain.

(KNA)

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