Kongress "Freude am Glauben" in Fulda
Kongress "Freude am Glauben" in Fulda
Kardinal Müller und Bischof Algermissen in Fulda
Kardinal Müller und Bischof Algermissen in Fulda

28.07.2014

1.000 Teilnehmer bei Fuldaer Kongress "Freude am Glauben" Neuevangelisierung und Kritik an Bildungsplänen

Seit 14 Jahren organisiert das "Forum deutscher Katholiken" seinen dreitägigen Kongress "Freude am Glauben". Im Mittelpunkt stand diesmal in Fulda die Frage, wie sich der Glaube in einer "entchristlichen" Gesellschaft entwickeln kann.

Es ist das wohl größte bundesweite Treffen von konservativen katholischen Gruppen. Seit 14 Jahren organisiert das "Forum deutscher Katholiken" seinen dreitägigen Kongress "Freude am Glauben". Im Mittelpunkt standen an diesem Wochenende in Fulda die Diskussionen, wie in einer als "entchristlicht" kritisierten Gesellschaft neue Aufbrüche für Kirche und Glaube entstehen könnten.

Der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Müller, sagte im Fuldaer Dom, er sehe in der "Entchristlichung" und "Aushöhlung der kulturellen und ethischen Identität Europas" durchaus Chancen zu einem Neuanfang im christlichen Glauben. Dabei müsse jeder Christ an sich selbst arbeiten, und seinen Glauben in Treue zur kirchlichen Lehre und zu Rom offen leben und so in die Gesellschaft ausstrahlen. Auch der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen rief die Katholiken dazu auf, in der säkularen Gesellschaft offensiver für christliche Werte einzutreten, etwa im Widerstand gegen eine Freigabe aktiver Sterbehilfe.

Bildungspläne überprüfen

Die rund 1.000 Teilnehmer der Tagung appellierten an alle Katholiken, sich weniger mit innerkirchlichen Streitthemen und Strukturdebatten auseinanderzusetzen, als vielmehr ihren Glauben in überzeugender Weise zu verkünden und weiterzugeben. "In einer Zeit, in der sich kulturelles Leben und Glaube immer weiter voneinander entfernen, bleiben Christen herausgefordert, erkennbar an einer christlichen Neugestaltung der Welt mitzuwirken", heißt es in einer am Sonntag verabschiedeten Resolution.
Zugleich forderte die Versammlung in einer zweiten Resolution, in mehreren Bundesländern diskutierte neue Bildungspläne und schulische Leitlinien kritisch zu prüfen. "Bildungspläne, Gender-Vorgaben und eine bestimmte Form des Sexualkundeunterrichts sollen die Kinder in eine enge, vorgegebene Richtung formen." Die Erziehungsverantwortung der Eltern dürfe nicht durch "ideologische Curricula" untergraben werden.

Kritik am Sexualkundeunterricht

Mehrere Redner riefen die katholischen Bischöfe auf, gegen eine "für die deutsche Gesellschaft verheerende Gender-Ideologie" zu protestieren. "Wir brauchen endlich ein klares Wort gegen die derzeitige Verunglimpfung von Ehe und Familie und den Versuch, alle Unterschiede zwischen Mann und Frau zu verleugnen", so der ehemalige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Werner Münch.
Scharfe Kritik gab es auch am schulischen Sexualkundeunterricht. Eltern sollten das Recht haben, ihre Kinder vom Aufklärungsunterricht abzumelden, forderte der Leiter einer Freiburger christlichen Privatschule, Michael Hageböck: "Es ist doch pervers, wenn Kinder beispielsweise angehalten werden, sich in Rollenspielen in die Situation eines Homosexuellen zu versetzen und sich vorstellen müssen, sich gegenüber ihren Eltern zu outen." Der derzeit in Baden-Württemberg diskutierte neue Bildungsplan in der Schule wolle Schüler zudem auch mit "abartigen" Formen der Sexualität konfrontieren.

Sich gegenseitig stärken

Der Vorsitzende des Forums Deutscher Katholiken, Hubert Gindert, zog eine positive Bilanz der Tagung. "Es ist wichtig, einmal im Jahr zusammenkommen, um zu spüren, nicht alleine dazustehen und uns gegenseitig im Glauben zu stärken." Von Papst Franziskus gehe derzeit große Hoffnung aus, auch für die Kirche in Deutschland. Diesen Impuls gelte es zu nutzen. Die Gründerin der Initiative "Deutschland pro Papa", Sabine Beschmann, sagte, Benedikt XVI. habe während seines Pontifikats Theologie gelehrt, "jetzt lasst uns mit Franziskus zu den Menschen in die Seelsorge gehen!".

(KNA)

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