Flüchtlinge warten in der Kälte
Viele Flüchtlinge sind nicht in Aufnahmeeinrichtung angekommen

26.02.2016

Zeitungsbericht enthüllt Defizite bei Flüchtlingsverteilung Mehr als jeder Zehnte nicht mehr aufzufinden

Bei der Registrierung und Verteilung von Flüchtlingen in Deutschland gibt es einem Zeitungsbericht zufolge deutliche Defizite. Mehr als jeder zehnte Flüchtling ist nicht dort angekommen, wo er ankommen sollte.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf eine Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Linken berichtet, sind rund 130.000 Menschen, die im vergangenen Jahr als Asylsuchende registriert wurden, nicht bei der zuständigen Aufnahmeeinrichtung angekommen. Insgesamt wurden 2015 etwa 1,1 Millionen Flüchtlinge erstmals im sogenannten Easy-System erfasst.

Mögliches Untertauchen in die Illegalität

Als mögliche Gründe nenne das Ministerium unter anderem Weiterreisen in andere Länder und ein Untertauchen in die Illegalität. 2015 stellten die deutschen Behörden dem Bericht zufolge nur noch bei jedem zehnten Asylbewerber die Anfrage an einen EU-Partner, diesen zurückzunehmen. Im Jahr 2014 sei das noch bei jedem fünften Bewerber der Fall gewesen. Laut dem derzeit de facto ausgesetzten Dublin-System der EU wäre derjenige Mitgliedsstaat für den Schutzsuchenden verantwortlich, in dem der Flüchtling erstmals nachweislich den Boden der Europäischen Union betritt.

Defizite bei Übernahmeersuchen an andere Staaten

Während Deutschland 2015 fast 45.000 sogenannte Übernahmeersuchen an andere Staaten gestellt habe, seien lediglich knapp 3.600 vollzogen worden. Zugleich hätten umgekehrt andere EU-Staaten gut 3.000 Asylsuchende in die Bundesrepublik geschickt, so dass in der Bilanz nicht einmal 600 Menschen aus Deutschland in die EU verteilt worden seien.

"Das Dublin-System ist nicht nur bürokratisch, sondern auch menschlich der reinste Alptraum: Es schikaniert und verunsichert schutzbedürftige Flüchtlinge und bindet erhebliche Arbeitskapazitäten im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und bei den Gerichten", sagte Ulla Jelpke, die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, die die Anfrage gestellt hatte, der "Süddeutschen Zeitung".

(epd)

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