Erzbischof Ludwig Schick
Erzbischof Ludwig Schick
Die Bischöfe beim Eröffnungsgottesdienst in der Klosterkirche St. Josef
In Schöntal verabschiedete die Deutsche Bischofskonferenz Leitsätze für den Umgang mit Flüchtlingen

20.02.2016

Erzbischof Schick: Mehr Unterstützung für christliche Flüchtlinge "Alles für Leib und Seele"

Die katholische Kirche in Deutschland will sich künftig verstärkt um christliche Flüchtlinge kümmern. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sprach in diesem Zusammenhang von einer besonderen Verpflichtung.

"Wir waren für die Situation der Christen in den Erstaufnahmeeinrichtungen nicht aufmerksam genug", sagte Schick am Samstag in Nürnberg. "Inzwischen sind wir es." Den Gläubigen solle im Prozess der Asyl-Anerkennung und bei der Integration der Rücken gestärkt werden, ergänzte Schick, der die Weltkirche-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz leitet. Die Flüchtlinge müssten alles erhalten, was sie für Leib und Seele bräuchten.

Es dürfe nicht sein, dass Asylsuchende in Deutschland erneut "um ihres Glaubens willen leiden", betonte der Erzbischof mit Blick auf religiöse Konflikte in Aufnahmeeinrichtungen. Dies betreffe aber nicht nur die Christen, sondern auch andere Religionen. Die Kirche müsse den Menschen helfen, ihren Glauben leben und frei bezeugen zu können, erläuterte Schick. Es gebe Ausgrenzung und auch Übergriffe, teils durch Muslime. "Aber das ist nicht der Normalfall." Er selbst habe im Bamberger Aufnahme- und Rückführungszentrum (ARE) viele Menschen getroffen, die christliche Kreuze trugen.

"Nicht einfach Grenzen schließen"

Zur Kritik katholischer Würdenträger aus Syrien und dem Irak an der EU-Politik der offenen Grenzen sagte Schick, dies sei kein Widerspruch zur Haltung der deutschen Bischöfe. "Wir sagen: Wir locken niemanden an, aber wir müssen offen sein", so der Bamberger Erzbischof. "Wir dürfen nicht einfach Grenzen schließen, weil das gegen die Menschenrechte wäre." Beide Sichtweisen hätten ihre Berechtigung.

Der Patriarch von Bagdad, Louis Raphael I. Sako, und der Bischof von Aleppo, Antoine Audo, hatten am Freitag vor einer fortgesetzten christlichen Abwanderung aus ihren Ländern gewarnt. Dabei griffen sie die Politik von EU und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an.

Mit den Augen Gottes sehen

"Es muss alles dafür getan werden, dass jeder heimkehren kann, sofern das möglich ist", unterstrich Schick. Der Westen müsse alles tun, um die Fluchtursachen zu beseitigen: "Krieg, Hunger, Menschenrechtsverletzungen." Der Erzbischof rief dazu auf, Asylsuchende zuerst als Menschen zu betrachten, nicht als Gefahr oder Bedrohung. "Wer Flüchtlinge nur als Belastung sieht, sieht sie nicht mit den Augen Gottes."

Der Theologe verwies auf die jüngst von der Deutschen Bischofskonferenz beschlossenen "Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge". Darin heißt es, das bisherige Engagement für Asylsuchende solle fortgesetzt und ausgeweitet werden. Christen setzten sich "mit Entschiedenheit für die Anliegen der Flüchtlinge und Asylsuchenden ein". Die Kirche habe aber zugleich "immer auch das Wohl der gesamten Gesellschaft und insbesondere die Bedürfnisse der benachteiligten Menschen in unserem Land im Blick".

Schick äußerte sich bei einem Studientag zur Seelsorge für christliche Flüchtlinge in deutschen Pfarreien unter dem Titel "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein".

(KNA)

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