Familienministerin Manuela Schwesig mit Mohammed Rahal
Familienministerin Manuela Schwesig mit Mohammed Rahal
Familienministerin Manuela Schwesig spricht mit Narisman Arab
Familienministerin Manuela Schwesig spricht mit Narisman Arab

07.01.2016

Schwesig besucht die ersten "Bufdi" des Sonderprogramms Flüchtlinge im Einsatz

Der Bund reagiert auch mit zusätzlichen Stellen im Bundesfreiwilligendienst auf die Flüchtlingskrise. Asylbewerber, die eine Bleibeperspektive haben, können sich auch selbst bewerben.

Die beiden syrischen Frauen sind zurückhaltend. Sie freuen sich, dass sie helfen können, erzählen sie leise. Eine Helferin übersetzt. Seit ein paar Tagen engagieren sich die beiden für einige Stunden am Tag in der Einrichtung "OffenSpielBar" der evangelischen Christengemeinde im brandenburgischen Schwedt. Dort können sich Einheimische und Flüchtlinge bei Brettspielen oder Tischtennis kennenlernen. Die Syrerinnen, Olfat Sahran und Narisman Arab, arbeiten dort als Bundesfreiwillige - "Bufdi". Sie gehören zu den ersten Flüchtlingen, für die ein solcher Einsatz möglich ist. 

Rund 140 Flüchtlinge arbeiten als Bundesfreiwillige

Den beiden jungen Frauen sitzt Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) gegenüber. Die Politikerin begrüßt an diesem Donnerstag die ersten neuen "Bufdis", die eine Stelle im Sonderprogramm bekommen haben. Seit Anfang Dezember gibt es zu den bestehenden rund 30.000 Freiwilligenplätzen rund 10.000 Stellen zusätzlich, die einen "Flüchtlingsbezug" haben sollen. Rund 900 dieser zusätzlichen Stellen sind bereits besetzt. Dazu gehören auch etwa 140 Flüchtlinge, die in verschiedenen Einrichtungen arbeiten.

Das Gefühl haben, gebraucht zu werden, sei für die Flüchtlinge eine wichtige Motivation, betont Schwesig. Sie könnten ihre Fähigkeiten einbringen, und die Gesellschaft könne unmittelbar von ihren Stärken profitieren. Schwesig hofft, dass sich weiterhin viele Asylbewerber mit Bleibeperspektive auf freie "Bufdi"-Stellen bewerben. Die Kandidaten erhalten einen Deutschkurs und sind in ein Team eingebunden. "Eine tolle Chance für eine gute Integration", findet Schwesig. Die beiden Syrerinnen, die seit eineinhalb Jahren in Deutschland leben, nicken bestätigend.

Flüchtlings-"Bufdis" bieten Unterstützung bei Verständigung

Bereits seit Dezember ist der 22-jährige Mohamed Rahal als "Bufdi" dabei. Er ist Deutscher mit einem palästinensischen Hintergrund. Rahal arbeitet in einer Willkommensklasse der Weddinger Leo-Lionni-Schule, in der Flüchtlingskinder Deutsch lernen. Ihm macht die Arbeit Spaß, und als künftiger Lehramtsstudent kann er seine ersten Erfahrungen sammeln. Lehrerin Ina Orbitz freut sich über die Unterstützung. Mit seinen Arabischkenntnissen könne er auch bei Verständigungsproblemen helfen.

Die Idee, zusätzliche Stellen zu schaffen und "Bufdis" auch in der Flüchtlingshilfe einzusetzen, kam schnell auf, als sich abzeichnete, dass die Zahl der Flüchtlinge zumindest mittelfristig nicht abnimmt und viele freiwillige Helfer gebraucht werden. Mit dem ersten Asylpaket verabschiedete der Bundestag Mitte Oktober auch die neuen "Bufdi"-Plätze. Die Maßnahme ist bis Ende 2018 befristet und kostet ab 2016 jährlich rund 50 Millionen Euro. Der Start für das Programm konnte vom 1. Januar 2016 auf den 1. Dezember 2015 vorverlegt werden.

Steigende Bewerberzahlen

Jetzt sollen die Stellen nach und nach besetzt werden, so Schwesig. Viele Einrichtungen könnten so entlastet werden, zugleich könnten Flüchtlinge "Sprach- und Kulturdolmetscher" für viele andere sein.

Der Pressereferent im Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, Peter Schloßmacher, berichtet von steigenden Bewerberzahlen. Es gebe einen regelrechten Ansturm auf die Stellen, auch von interessierten Trägern, Vereinen und Initiativen. Natürlich hakt es noch an der ein oder anderen Stelle. So hätten längst nicht alle Flüchtlinge wegen der Terminschwierigkeiten in den zuständigen Ämtern nach drei Monaten eine Arbeitserlaubnis, berichten etwa die Verantwortlichen für den Schwedter Spieletreff. Sie hoffen auf eine Besserung im Laufe des Jahres. Manches könne vielleicht auch unbürokratischer geregelt werden, meinen sie.

Birgit Wilke
(KNA)

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