Horst Seehofer hat Redebedarf
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Jesuitenpater Stefan Kiechle
Jesuitenpater Stefan Kiechle

04.12.2015

Seehofer reagiert auf offenen Brief der Ordensleute Ein konstruktives Gespräch

Nachdem Katholische Ordens-Vertreter den CSU-Politiker Seehofer für seine Flüchtlingspolitik in einem Brief scharf kritisiert hatten, lud er sie zu einem Gespräch. Wie es abgelaufen ist, erzählt Pater Stefan Kiechle im domradio.de-Interview.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat am Freitag mit fünf katholischen Ordensoberen knapp zwei Stunden über Flüchtlingspolitik gesprochen. Der deutsche Jesuitenprovinzial Pater Stefan Kiechle sprach im Anschluss im domradio.de-Interview von einem differenzierten und konstruktiven Gespräch. Dabei hätten die Ordensleute ihre beiden Kernanliegen noch einmal vorgebracht. Zum einen, alle nach Deutschland kommenden Flüchtlinge menschenwürdig zu behandeln und zum anderen, in der öffentlichen Diskussion auf die Sprache zu achten. Formulierungen wie "massenhafter Asylmissbrauch" seien unangebracht.

"Wir waren uns einig, dass man nicht beliebig Unmengen an Flüchtlingen aufnehmen kann. Da gibt es Grenzen, auch der Integrierbarkeit", sagte Kiechle im domradio.de-Interview. Sie hätten auch darüber einen Konsens gefunden, dass besonders auf europäischer Ebene geschaut werden müsse, wie man Flüchtlinge besser verteilen könne. "Die Politik tut sich da im Moment etwas schwer. Vor allem, weil in anderen Ländern, vor allem in Osteneuropa, sehr gemauert wird", so Pater Kiechle. Trotzdem sei die Politik diesbezüglich in der Verantwortung.

Knapp zwei Stunden "konstruktives" Gespräch

Die Würzburger Franziskanerin Mirjam Schambeck sagte, politische Rhetorik könne Menschen mitnehmen, aber auch verunsichern. Wenn die konstruktiven Kräfte gebündelt würden, sei in Deutschland "ganz viel möglich". Mit dieser Botschaft hätten die Ordensleute beim Ministerpräsidenten auch "Nachdenklichkeit erzeugt". Seehofer habe unter anderem eingeräumt, dass die Situation für Deutschland "wirtschaftlich gut zu schaffen" sei.
Dem Gespräch war ein offener Brief von 45 Ordensoberen aus Bayern an Seehofer vorausgegangen. In dem am 11. November veröffentlichten Schreiben kritisierten die Unterzeichner eine politische Rhetorik, die Geflüchtete ins Zwielicht stelle, anstatt sie zuerst als Mitmenschen zu betrachten, die "unsere Solidarität" bräuchten. Außerdem sprachen sich die Ordensleute gegen Transitzonen, Auffanglager und die Einschränkung von Einzelfallprüfungen in Asylverfahren aus.

 

(KNA, dr, KNA)

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