Kardinal Marx besucht Flüchtlinge
Kardinal Marx besucht Flüchtlinge

04.09.2015

Kardinal Marx fordert "Globalisierung der Solidarität" Unbedingte Achtung der Würde

Angesichts wachsender Flüchtlingszahlen mahnt der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, eine "Globalisierung der Solidarität" an. Die Zahl der Flüchtlinge werde nicht zurückgehen, so lange Gewalt, Krieg, Terror und Hunger nicht zurückgehen.

In einem Radiobeitrag für die BR-Sendereihe "Zum Sonntag"sagte Marx, gefragt sei eine Mitverantwortung für soziale und politische Gerechtigkeit. Außerdem müssten der Schutz der Schöpfung und der Einsatz für Menschenwürde verstärkt werden.

Es gebe "keine einfachen Lösungen", räumte der Münchner Erzbischof ein. Die Herausforderungen verlangten einen langen Atem. Die drängendste Aufgabe aber sei es nun, Flüchtlinge und Asylsuchende menschenwürdig aufzunehmen: "Aufnehmen heißt, diese Menschen willkommen zu heißen, sie spüren zu lassen, dass sie nach entbehrungsreicher, oft lebensgefährlicher Flucht angekommen sind an einem Ort, wo ihnen mit Nächstenliebe und unbedingter Achtung ihrer Würde begegnet wird."

Respekt fürs Ehrenamt

Der Erzbischof zollte den vielen Menschen, die oft an Belastungsgrenzen arbeiteten oder sich ehrenamtlich engagierten, seinen Respekt. Diese Menschen, ob in Pfarreien, Verbänden, Behörden, Verwaltungen oder auch bei der Landes- und Bundespolizei, würden dazu beitragen, dass "Werte wie Solidarität, Nächstenliebe und Barmherzigkeit gelebt, nicht nur proklamiert werden". Zugleich verurteilte Marx jede fremdenfeindliche Haltung. Mit christlichen Werten seien Hass und Gewalt gegen Flüchtlinge unvereinbar: "Dagegen müssen wir entschieden aufstehen."

Zugleich plädierte der Kardinal dafür, "den Menschen, die zu uns kommen und von denen eine große Anzahl für längere Zeit oder auch für immer bei uns bleiben", Chancen auf Bildung, Ausbildung und Arbeit zu eröffnen. Damit werde im Grunde ein Stück Entwicklungshilfe geleistet. Marx verwies auf Studien, wonach Migranten, die in ihrer neuen Heimat Arbeit gefunden haben, einen nicht geringen Teil ihres Verdienstes in ihre Herkunftsländer überwiesen. Diese Geldtransfers überstiegen nach Schätzungen der Weltbank die Summe der weltweiten Entwicklungshilfe. Daneben kehrten nicht wenige Flüchtlinge als gut ausgebildete Fachkräfte in ihre Heimat zurück und leisteten dort einen Beitrag beim Aufbau der Wirtschaft.

 

(KNA)

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