Bruder Paulus Terwitte
Bruder Paulus Terwitte

20.08.2015

Bruder Paulus kritisiert slowakische Selektion bei Flüchtlingsaufnahme "Von Vorurteilen motiviert"

Bei der Umverteilung von Flüchtlingen auf EU-Staaten hat die Slowakei signalisiert, nur Christen aufnehmen zu wollen. Diese Entscheidung basiere auf Vorurteilen erklärte Kapuzinermönch Bruder Paulus Terwitte im domradio.de-Interview.

domradio.de: Die Slowakei will offensichtlich ausschließlich christliche Flüchtlinge aufnehmen und hat damit für Wirbel gesorgt. Wodurch kommt denn eine solche Haltung zustande?

Bruder Paulus Terwitte: Diese Haltung kommt einerseits dadurch zustande, dass sich Politiker ein friedliches Miteinander wünschen. Dabei hat man eher Vorurteile, dass das Zusammenleben von Christen, Muslimen und Nicht-Gläubigen schwierig ist. Da steht eine Art Fürsorge dahinter. Aber diese Fürsorge ist gleichzeitig auch Ausdruck von einem massiven Unglauben daran, dass Christen doch eigentlich diejenigen sein sollen, die die Integration aller Menschen - vor allem der Menschen in Not - vollbringen können. Ich glaube, Jesus hat nie gesagt, man solle nur Christen lieben. Vielmehr hat er gesagt, man solle alle unsere Nächsten lieben.

domradio.de: Das heißt, Sie meinen, dass es in den Köpfen vieler Menschen tatsächlich diese Unterscheidung zwischen Flüchtlingen erster und zweiter Klasse gibt?

Bruder Paulus Terwitte: Ich glaube nicht, dass man von den Köpfen vieler Menschen sprechen kann. Es gibt Heißsporne und es gibt auf der politischen Ebene Menschen, die würden gerne solche Unterteilungen machen. Ich weiß nicht genau, wie in der Slowakei gedacht wird. Aber in unserem Land existiert doch in den Kirchen, in den Vereinen, auf dem Land und in der Stadt eine große Welle der Hilfsbereitschaft. Hier sagen die Menschen, sie wollen jetzt zupacken.

domradio.de: Jeder, der selbst wenig mit Muslimen zu tun hat, der hört Nachrichten von Islamisten, von dem Islamischen Staat oder den Taliban. Wie können wir das auseinanderhalten? Wie können wir auf der menschlichen Ebene offen bleiben?

Bruder Paulus Terwitte: Dadurch, dass wir uns die Menschen in der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz als Gesprächspartner nehmen und mit ihnen über ihre Sichtweisen des Lebens reden. Dann wird man sehr schnell herausfinden, dass Christen, Muslime, Hindus, Buddhisten und Atheisten in vielen, vielen Dingen gleich ticken. Vielleicht auch deswegen, weil wir hier in Deutschland in einem vom Christentum geprägten Boden stehen, in dem wir ganz klar die Werte, die der Mensch in seinem Herzen hat, hervorheben: Die Würde des Menschen und auch die Gebote der Nächstenliebe und die Tatsache, dass wir Menschen in ihrer Not nicht allein lassen wollen.

domradio.de: Welche Herausforderung stellt das Zusammenleben von Menschen mit verschiedenem kulturellem und religiösem Hintergrund dar, wenn wir an die jüngste Flüchtlingswelle denken, die gerade nach Deutschland kommt?

Bruder Paulus Terwitte: Da beobachte ich beispielsweise in der Großstadt Frankfurt ein wunderbares Miteinander von Menschen unterschiedlichster Nationen. Ich habe eine andere Sorge. Es gibt noch sehr viele italienisch, spanisch oder philippinisch sprechende Leute, die untereinander bleiben wollen. Da wird noch sehr viel Heimat gepflegt. An der Stelle würde ich mir wünschen, dass gerade da, wo die katholische Kirche in ihrer Internationalität ist, ein viel größeres Miteinander stattfindet. Das sollte sich auch nicht nur auf große Festtage beschränken, sondern auch im Alltag gelebt werden. An eine Erstkommunion-Vorbereitung von Italienern, Spaniern und Philippinen ist ja noch überhaupt nicht zu denken. Da haben wir als Christen und Katholiken einen Nachholbedarf, wie Internationalisierung auf einem Flecken Erde möglich gemacht wird. Ich habe große Hoffnung, dass letztlich der Glaube an Jesus Christus uns dazu befördern wird. Vielleicht wird auch die Not, die von Menschen an uns herangetragen wird, zu einem gemeinsamen Engagement führen.

domradio.de: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Dr. Christian Schlegel.

(dr)

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