Kinder auf der Flucht im Sudan
Kinder auf der Flucht im Sudan

20.06.2021

440 tote Kinder in eineinhalb Jahren "Lost in Europe"

Nach Recherchen des Verbundes "Lost in Europe" sind von Januar 2018 bis Juni 2019 mindestens 440 Kinder und Jugendliche auf der Flucht in ein Land der Europäischen Union gestorben. Darunter 35 Babys.

Das meldet der Sender rbb am Sonntag unter Berufung auf Daten des Rechercheverbundes "Lost in Europe". Die meisten Kinder seien durch Ertrinken gestorben, wie es weiter hieß. Sie versuchten allein oder in Begleitung, von der Türkei, Libyen oder Marokko über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) machen die im Mittelmeer ertrunkenen Kinder etwa ein Viertel aller auf der Flucht gestorbenen Kinder weltweit aus.

Identität oft ungeklärt

Für "Lost in Europe" zählen laut Angaben auch Kinder zu den Opfern, die bei Schleusungen innerhalb Europas oder in Flüchtlingslagern ums Leben kamen. Dies betrifft etwa Personen, die in LKW durch Europa transportiert und bei Autounfällen tödlich verletzt wurden. Bei einem Drittel der ums Leben gekommenen Kinder konnte die Identität bis heute nicht aufgeklärt werden, hieß es.

Mehr Schutz für Kinder angemahnt

Ein Sprecher der EU-Kommission sagte dem Sender, die Verantwortung für das Wohlergehen der Kinder liege letztlich bei den lokalen und nationalen Behörden der Mitgliedsstaaten. Dort gebe es erheblichen Nachholbedarf: "Wir erkennen an, dass viel mehr getan werden muss, um Kinder, die nach Europa kommen, zu schützen. Es gibt grundsätzliche Lücken, was den Schutz der Kinder angeht, und die Kommission hat sich dazu verpflichtet, diese Lücken anzusprechen, etwa über die EU-Kinderrechts-Strategie und andere EU-Initiativen."

Spätfolgen der Flucht eingerechnet

Die Analyse fußt den Angaben zufolge auf Daten der internationalen Nichtregierungsorganisation United for Intercultural Action, die sie in Zusammenarbeit mit über 500 Partnerorganisationen in 45 europäischen Ländern erhebt. Neben direkten Meldungen der Partnerorganisationen fließen die Auswertungen von Medienberichten, Meldungen der Küstenwachen sowie Erhebungen der IOM in die Statistik ein. "Lost in Europe" berücksichtige - anders als andere Organisationen - bei der Erhebung auch die Spätfolgen von Flucht.

(KNA)

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