Migranten an der Grenze zu Mexiko
Mittelamerikanische Migranten an der Grenze zu Mexiko
Joe Biden, Präsident der USA, unterzeichnet eine Executive Order zur Einwanderung im Oval Office des Weißen Hauses
Joe Biden, Präsident der USA, unterzeichnet eine Executive Order zur Einwanderung im Oval Office des Weißen Hauses

03.02.2021

Biden will Zusammenführung von Flüchtlingsfamilien Hoffnung für Migranten aus Lateinamerika

Joe Biden macht die Zusammenführung getrennter Einwandererfamilien zur Chefsache. Am Dienstag setzte der US-Präsident dafür eine Arbeitsgruppe ein. Die Kirchen stehen in dieser Frage voll hinter ihm.

Alejandro Mayorkas steht vor einer gewaltigen Aufgabe. Der am Dienstag an der Spitze des Heimschutzministeriums bestätigte Latino-stämmige Minister muss mit Hochdruck den Verbleib hunderter Kinder und Ihrer Eltern klären, die US-Grenzer im Flüchtlingssommer 2018 im Rahmen der sogenannten "Null Toleranz"-Politik getrennt hatten.

Aus Sicht von Migrantenorganisationen eines der düstersten Kapitel in der Geschichte der abgewählten US-Regierung. Unvergessen bleiben die Bilder von Kindern in Käfigen, verzweifelten Müttern, denen US-Grenzer ihre Söhne und Töchter wegnahmen, und überforderten Beamten, die es versäumten, die Personalien der getrennten Familien aufzunehmen.

Unterstützung bei der Flüchtlingshilfe

Die katholische Bischofskonferenz (USCCB) und der lutherische Einwanderer- und Flüchtlingsdienst (LIRS) halfen 2018 auf freiwilliger Basis und eigene Rechnung, dieses Unrecht wieder gutzumachen. Jetzt bekommen sie offizielle Unterstützung vom neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten, der die Zusammenführung getrennter Familien zur Chefsache erklärte.

Möglich macht das eines von insgesamt drei Dekreten Bidens, die darauf abzielen, die drastischen Maßnahmen der Vorgängerregierung in der Einwanderungspolitik einzudämmen und rückgängig zu machen. "Mit der Gnade Gottes und dem guten Willen unserer Mitmenschen, lasst uns diese Kinder mit ihren Familien zusammenbringen", erklärte Joe Biden bei Unterzeichnung der Exekutivbefehle. "Lasst uns unsere Reputation als Hafen für Menschen in Not neu errichten."

Schwierige Aufgabe

Wie schwierig die Aufgabe ist, veranschaulicht der Umstand, dass es nicht einmal genaue Angaben darüber gibt, wie viele der etwa 5.000 zwangsgetrennten Familien noch auseinandergerissen sind. Deshalb soll die Taskforce über Ressort- und Behördengrenzen hinweg mit den Betroffenen arbeiten.

Das Dekret sieht vor, dass auf Einzelfallbasis entschieden wird und die Familien eine Mitsprache erhalten, ob sie in den USA oder in den Heimatländern zusammengeführt werden. Ashley Feasley, die bei der USCCB für Flüchtlingsfragen zuständig ist, hofft, dass die neue Arbeitsgruppe unter Heimatschutzminister Mayorkas mit Organisationen in Zentralamerika zusammenarbeitet, die mithelfen können, die Familien zusammenzuführen. Feasley erinnert daran, dass Erwachsene wie Kinder gleichermaßen "ein massives Trauma erlitten haben". Sie setzte auf Hilfe, "die Rechtsbeistand, soziale Leistungen und mentale Gesundheitsfürsorge mit einschließt".

LIRS und die USCCB verfügen aus ihrem freiwilligen Einsatz über viel Erfahrung. Sie haben zusammen mehr als 1.100 getrennte Familien wieder vereint. Bidens Dekret sei "ein monumentaler erster Schritt, die vorrangige Aufgabe anzugehen, diesen Familien zur Heilung zu verhelfen", sagt LIRS-Direktor Krish O'Mara Vignarajah.

Dekrete gegen Verschärfungen in der Flüchtlingspolitik

Die beiden anderen Dekrete zielen darauf ab, Verschärfungen in der Flüchtlingspolitik, bei der legalen Zuwanderung und Einbürgerung sowie der Hilfe für ausländische Regierungen rückgängig zu machen. Dafür sollen in einem ersten Schritt ausfindig gemacht werden, wo der dringendste Handlungsbedarf besteht. Experten erwarten, dass es noch einige Wochen dauern wird, bevor sich die Dinge konkret ändern. Dazu gehört zum Beispiel auch die verzweifelte Lage der Flüchtlinge, die Präsident Donald Trump zwang, auf der anderen Seite der Grenze in Mexiko oftmals unter gefährlichen Bedingungen auf den Bescheid ihrer Asylanträge zu warten.

Der Bischof von San Diego, Robert McElroy, mahnte seine Amtskollegen, im Umgang mit dem neuen Präsidenten den Fokus nicht nur auf dessen liberale Haltung zur Abtreibung zu reduzieren, die nach Bidens Sieg scharfe Proteste unter den katholischen Hirten ausgelöst hatte. Er plädiere dafür, die einfache Frage zu stellen, was Jesus tun würde, sagte der Bischof an der jesuitischen Georgetown University in Washington. Gewiss kämpfte Jesus für das ungeborene Leben, sagte McElroy, "aber er kämpft auch für die Kinder an der Grenze und die Flüchtlinge".

Bernd Tenhage
(KNA)

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