Symbolbild: Einreise in die Schweiz
Symbolbild: Einreise in die Schweiz
Robert Vitillo, Generalsekretär der Internationalen Katholischen Kommission für Migration (ICMC), spricht am 19. September 2016 bei den Vereinten Nationen in New York.
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Schweiz, Fideris: Die Gemeindepräsidentin, überwacht die Stimmabgabe am 27.09.2020
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27.09.2020

Migrationsexperte Vitillo über "Begrenzung von Einwanderung" "Flüchtlinge und Migranten haben die USA groß gemacht"

Der Welttag der Migranten und die Abstimmung der Schweizer zur Begrenzung der Einwanderung fallen beide auf den 27. September. Was denkt ein Priester, Einwanderer und Migrationsexperte am UN-Standort Genf darüber?

Robert Vitillo ist Migrationsexperte der katholischen Kirche am UN-Standort Genf. Der US-amerikanische Priester mit italienischen Wurzeln war unter anderem ab 2005 Leiter der Delegation von Caritas Internationalis. Im Interview des Schweizer KNA-Partnerportals kath.ch gibt der Generalsekretär der International Catholic Migration Commission (ICMC) Einblicke in politische und persönliche Themen.

KNA: Monsignore Vitillo, welche persönlichen Erfahrungen haben Sie mit dem Thema Migration?

Robert Vitillo (Generalsekretär der International Catholic Migration Commission): Meine Großeltern sind von Italien in die USA ausgewandert und haben mit ihren 14 Kindern hart dafür gearbeitet, damit sie im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ankommen. In den USA haben Flüchtlinge und Migranten das Land groß gemacht.

KNA: In der Schweiz wird Ende September eine Abstimmung zur Begrenzung der Einwanderung stattfinden. Heißt die katholische Antwort darauf, das Referendum abzulehnen?

Vitillo: Ich weiß, wie heilig das Stimmrecht in der Schweiz ist. Katholiken sollten ihre Stimme auf der Grundlage eines gut informierten Gewissens abgeben. Ich werde mir also nicht anmaßen, diese Frage direkt zu beantworten.

KNA: Und indirekt?

Vitillo: Ich bin dankbar, dass ich als US-Amerikaner in der Schweiz arbeiten kann. Die Schweizerinnen und Schweizer wissen, wie sehr sie von Migration profitiert haben und wie viele Ausländer zum Wohlstand des Landes beitragen, indem sie hier arbeiten und Steuern zahlen.

KNA: Vor fünf Jahren kochte in Europa das Wort "Flüchtlingskrise" hoch. Nun dominiert Corona alles. Was ist aus den Themen Flucht und Migration geworden?

Vitillo: Es gibt mehr als 80 Millionen Flüchtlinge und Binnenvertriebene auf der ganzen Welt. Wir können deren Schicksal nicht ignorieren und wir dürfen sie nicht als Problem oder Frage sehen, sondern als Menschen - so wie das Papst Franziskus auch häufig in Erinnerung ruft. Gerade Flüchtlinge leiden besonders unter der Corona-Krise: Sie haben nicht die Möglichkeit, auf Abstand zu gehen oder von zu Hause aus zu arbeiten. Sie kämpfen um das nackte Überleben.

KNA: Ihre Organisation arbeitet auf vielen Ebenen. Sie verhandeln mit UN-Organisationen - und engagieren sich für Flüchtlinge vor Ort. Wie sind Sie mit dem Lockdown umgegangen?

Vitillo: Wir haben alles getan, um auch während des Lockdown für die Flüchtlinge da zu sein. Viele Spitäler entlang der Grenze zu Pakistan und Afghanistan waren geschlossen - unseren Mitarbeitern in Pakistan ist es gelungen, die Kliniken für Flüchtlinge und die einheimische Bevölkerung offen zu halten.

KNA: Welches sind die größten Herausforderungen mit Blick auf Migration?

Vitillo: Angst, Ablehnung, Diskriminierung und Marginalisierung bereiten enorme Probleme. Und der zunehmende Nationalismus in Europa und in anderen Teilen der Welt.

KNA: Wie wirkt sich das konkret für Flüchtlinge aus?

Vitillo: Einzelne Familien werden oft gewaltsam getrennt oder sogar inhaftiert. Sie werden daran gehindert, einen Asylantrag zu stellen. Für meine Großeltern aus Italien hat harte Arbeit gereicht, um in den USA anzukommen. In der heutigen Zeit reicht harte Arbeit nicht immer aus. Viele sind zu ihrem Schicksal als Flüchtlinge verdammt. Sie haben kein Recht, in regulären Jobs zu arbeiten, viele Kinder können nicht zur Schule.

KNA: Wie gehen Sie mit dieser Ungerechtigkeit um?

Vitillo: Wenn ich die Programme unserer Organisation besuche, bricht mir buchstäblich das Herz. Die Menschen flehen mich an, mehr für ihre Situation zu tun. Und doch weiß ich, dass wir manchmal nur unmittelbar die Situation verbessern können - ohne wirklich in der Lage zu sein, ihnen eine positive langfristige Zukunft zu sichern. Es gibt aber auch andere Beispiele. Über das Resettlement-Programm ist es uns gelungen, Flüchtlinge aus Syrien auszufliegen. Manche davon haben jetzt einen Job und ein normales Leben.

Das Interview führte Raphael Rauch.

(KNA)

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