Migranten in Griechenland
Migranten in Griechenland
Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer und Vorstandsvorsitzender des Bischöflichen Hilfswerks Misereor
Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer und Vorstandsvorsitzender des Bischöflichen Hilfswerks Misereor

22.03.2020

Misereor-Chef über Flüchtlingspolitik und Hoffnungen nach Corona "Solidarität ist nicht teilbar"

Die Lage in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln spitzt sich zu – und der Kampf gegen Corona macht es noch schwieriger, in die EU zu gelangen. Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel appelliert an die Solidarität der Europäer.

KNA: Herr Spiegel, angesichts der Corona-Pandemie setzt Europa die Aufnahme von Flüchtlingen aus. Finden Sie das zynisch oder halten Sie das für vorausschauend?

Pirmin Spiegel (Hauptgeschäftsführer Misereor): Das Coronavirus darf nicht Legitimation dafür sein, Mauern noch höher zu ziehen. Solidarität ist nicht teilbar - und jetzt sehr vulnerable Menschen vor den Toren Europas ihrem Schicksal zu überlassen, entspricht nicht dem Gebot der Mitmenschlichkeit. Die großartige argentinische Sängerin Mercedes Sosa hat sinngemäß gesungen: Gott, ich bitte Dich, dass mir das Leid anderer nicht gleichgültig werde.

KNA: Das heißt, Sie halten einen Stopp oder eine Verzögerung bei der Aufnahme für den falschen Schritt?

Spiegel: Schon aus europäischem Eigeninteresse wäre es geboten, die zumeist Verletzlichsten, Kinder und ältere Menschen, aus den griechischen Flüchtlingslagern herauszuholen. Wenn das Virus dort eindringt und sich ausbreitet ist das eine weitere humanitäre Katastrophe.

KNA: Wäre es abgesehen von solchen Sofortmaßnahmen nicht spätestens jetzt geboten, sich endlich auf eine einheitliche europäische Flüchtlingspolitik zu verständigen?

Spiegel: Die Corona-Epidemie könnte ein Katalysator dafür sein, nationale Alleingänge zu beenden und nach einer gemeinsamen Strategie zu suchen.

KNA: Für wie realistisch halten Sie das?

Spiegel: Die Sorge lässt mich nicht los, dass eine Tendenz zum Egoismus zunimmt. Gleichzeitig nehme ich wahr, wie unglaublich viel Solidarität es gibt: zwischen Generationen, zwischen Ländern, zwischen ärmeren und reicheren Menschen. Das gibt Hoffnung und wird sich durchsetzen.

KNA: Deutschland und andere EU-Staaten stellen derzeit enorm viel Geld bereit, um die Wirtschaft zu unterstützen. Befürchten Sie, dass im Gegenzug die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit heruntergefahren werden?

Spiegel: Nein. Es wäre davon abgesehen auch ein falsches Zeichen, in Zeiten von Corona und den sich dadurch verstärkenden humanitären Krisen die Mittel herunterzufahren.

KNA: Sie haben unlängst angedeutet, dass Sie in der Zeit nach Corona auf eine grundsätzliche Kehrtwende im konsumorientierten Lebensstil der westlichen Gesellschaften hoffen. Wie könnte eine solche Wende aussehen?

Spiegel: Ein Ergebnis könnte sein, dass eine bestimmte Art des Wirtschaftens nicht mehr oberste Priorität hat - sondern die Bewahrung der Schöpfung und das Ausgleichen einer zunehmenden Ungleichheit. Vielleicht werden wir 2050 zurückblicken und feststellen: 2020 war eine wirksame Unterbrechung. Ein Wendepunkt, der uns vom Streben nach immer mehr Wachstum abgebracht hat.

KNA: Was könnte sich bei Misereor nach Corona ändern?

Spiegel: Dass wir noch mehr die Stimme indigener Völker wahrnehmen. Ein Beispiel: Der Amazonas-Regenwald gilt als eine Lunge des Planeten. Seit langem wissen wir, nicht zuletzt von seinen Bewohnern, dass er massiv bedroht ist. Wir müssen nicht nur die Lungenkrankheit Corona heilen. Sondern auch die Lungenentzündung auf unserem Planeten angehen und die Beziehung zur Schöpfung neu gestalten.

Joachim Heinz
(KNA)

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