Kinder spielen im Flüchtlingslager Moria auf der Ägäisinsel Lesbos
Kinder spielen im Flüchtlingslager Moria auf der Ägäisinsel Lesbos
Flüchtlingslager auf Lesbos
Flüchtlingslager auf Lesbos
Flüchtlinge in Lesbos
Flüchtlinge auf Moria

18.05.2019

Die "vergessenen" Flüchtlinge auf Lesbos Schaut Europa weg?

Im sogenannten Hotspot-Lager Moria auf der Insel Lesbos leben fast doppelt so viele Menschen wie ursprünglich vorgesehen. Die Bedingungen sind teilweise katastrophal, die Hoffnungen der Migranten schwinden. Schaut Europa einfach weg?

DOMRADIO.DE: Sie waren gerade mit einer Delegation des Vatikan auf der griechischen Insel Lesbos und warnen vor einer prekären humanitären Lage. Hat Europa oder Griechenland Lesbos im Stich gelassen?

Gernot Krauß (Caritas international): Man kam sich in diesen Flüchtlingscamps fast so vor, als wenn man dort eine große Aufgabe irgendwie vergessen hat. Immer noch kommen täglich etwa 60 bis 80 Personen neu auf Lesbos an. Im Grunde genommen ist das irgendwie aus dem Blickfeld verschwunden. Aber die Lage in diesen Flüchtlingscamps ist nach wie vor wirklich katastrophal. Es handelt sich vielleicht nicht mehr um so große Zahlen, aber es sind nach wie vor doch sehr, sehr viele Leute dort, die einfach wenig Unterstützung bekommen.

DOMRADIO.DE: Die Balkan-Route wurde geschlossen. Die Menschen sind gezwungen, Monate, teilweise Jahre in Griechenland zu warten. Wieso will Europa sie nicht?

Krauß: Die Leute möchten gerne nach Deutschland kommen. Das ist einer der großen Wünsche, wenn man sich dort als jemand zu erkennen gibt, der aus Deutschland kommt. Aber in der Situation liegt das Problem. Es sind sehr lange Verweilzeiten in einer Lage, die teilweise eher an Gefängnisse erinnert als an eine Situation, wo man sich als Geflohener registrieren kann und seine Rechte als Asylant in Anspruch nehmen kann.

DOMRADIO.DE: Kann mehr Aufmerksamkeit denn wirklich etwas an der Situation der Menschen auf Lesbos ändern? Mehr Medien und Presse garantieren ja keine politischen Entscheidungen.

Krauß: Ich glaube, das Vergessen ist einfach das Schlimmste. Wenn man dort ist, fühlt man sich vergessen und verloren, weil sich keiner wirklich kümmert. Ich glaube, dass es wichtig wäre, da einen politischen Druck aufzubauen, dass die Situation so nicht weiterbestehen sollte.

DOMRADIO.DE: Papst Franziskus hat der griechischen Caritas gerade 100.000 Euro gespendet. Vor drei Jahren hatte er selbst die Insel besucht. Wie kann die Kirche denn am besten mit staatlichen Einrichtungen zusammenarbeiten, um die Situation zu verbessern?

Krauß: Wir arbeiten auch mit der Caritas Griechenland zusammen. Wir sind in einem Flüchtlingscamp abseits des Camps Moria engagiert. Dieses Camp Moria und die Zustände dort werden viel in den Medien thematisiert.

Das Camp, in dem wir tätig sind, ist das von der Gemeinde Mytilini, der Hauptstadt von Lesbos, geführte Camp Kara. Da ist die Situation schon ein wenig besser, weil man sich dort freier bewegen kann und weil es dort Unterstützung in psychologischen Bereichen gibt. Es gibt dort soziale Arbeit, soziale Unterstützung sowie Integrationshilfen mit Griechisch-, Deutsch- und Englischunterricht. In dem Bereich kann man schon etwas tun, um das Leid ein bisschen abzumildern und den Menschen ein bisschen Hoffnung zu geben und Unterstützung angedeihen zu lassen.

Es ist nicht so, dass man nichts tun kann. Aber es ist natürlich ein Tropfen auf den heißen Stein. Im Vergleich waren vor zwei, drei Jahren noch etwa 80 Hilfsorganisationen in dem Camp tätig. Heute sind es noch elf. Das gibt ein bisschen auch einen Eindruck davon wieder, wie sich die Lage dort entwickelt hat.

DOMRADIO.DE: Die EU hat einen Deal mit der Türkei. Alle Asylsuchende, denen kein Schutz in der EU zusteht, werden von Griechenland zurück in die Türkei geschickt. Damit sollten auch die Wartezeiten der Geflüchteten verkürzt werden. Ist dieser Deal gescheitert?

Krauß: Ich glaube nicht, dass er gescheitert ist. Aber die Zahlen der Rückführungen sind marginal. Da passiert nicht wirklich viel. Man hat damit erreicht, dass die Flüchtlingszahlen, die sich in Richtung Norden bewegen, deutlich verringert haben. Das war aber nicht die eigentliche Intention, sondern eher eine mitgedachte Idee dabei. Aber eigentlich sollten auch Rückführungen vorgenommen werden.

Und das ist eines der Probleme, was man in diesen Camps in Lesbos sieht. Die Verweildauer beträgt mittlerweile sechs bis acht Monate. Es ist eine sehr schwierige Situation, ohne irgendeine sinnvolle Beschäftigung in diesen zum Teil traumatisierenden Umständen nur warten zu müssen.

Das Interview führte Julia Reck.

(DR)

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