Flüchtling im "Dschungel" von Calais
Flüchtling im "Dschungel" von Calais

29.12.2018

Kölner unterstützen über Silvester Flüchtlingshelfer in Calais Helfen statt feiern

Sie sind mit der großen Hoffnung nach Calais gekommen, um ein besseres Leben zu finden. "Calais steht exemplarisch für Europas Flüchtlingspolitik", sagt die Kölnerin Chrissi Stühlen. Sie und ihre Freunde sind über Silvester vor Ort, um zu helfen.

DOMRADIO.DE: Seit Jahren ist Calais Anlaufpunkt und zugleich auch vorzeitige Endstation für viele Geflüchtete. Sie sind derzeit in Calais, um diesen Menschen zu helfen. Wie stellt sich die Lage denn dar?

Chrissi Stühlen (Kölnerin, die auf Privatinitiative in Calais hilft): In der Region Dünkirchen-Calais befinden sich etwa 1.200 geflüchtete Menschen. Das kann man nicht so genau sagen, weil die Zahlen variieren. Die Lage hier ist sehr schlecht: Es gibt sehr wenig Versorgung von staatlicher Seite. Die Leute haben wenig zu essen und schlafen tatsächlich auf der Straße unter freiem Himmel. Bei den Temperaturen ist das einfach kaum zumutbar.

DOMRADIO.DE: Sie haben mit einigen Freunden den Beschluss gefasst: Wir fahren über Weihnachten und Silvester nach Calais, um zu helfen. Wie können Sie sich vor Ort einsetzen?

Stühlen: Es gibt eine große Industriehalle von "Help Refugees", einer englischen Organisation, die Dachorganisation für insgesamt acht Unterorganisationen ist. Sie kümmern sich um Essen und geben 11.200 Essen am Tag raus. Ankommende Sachspenden müssen sortiert und gewaschen werden und gehen dann auch wieder raus an die Geflüchteten. Und wir stehen jetzt in der Küche und schneiden, spülen, kochen. Wir machen alles, was so anfällt.

DOMRADIO.DE: Wie kommt man auf die Idee, nach Calais zu fahren und Küchenkraft zu sein, anstatt gemütlich zu Hause auf dem Sofa zu sitzen?

Stühlen: Wir sind alle relativ politisch, und für uns ist Calais der Dreh- und Angelpunkt einer politischen Situation, die wir in Deutschland mittragen. Wir tragen mit Verantwortung, dass es so viele Menschen gibt, die auf der Flucht sind und hier unter menschenunwürdigen Bedingungen leben. Für uns steht Calais exemplarisch für Europas Flüchtlingspolitik. Wir möchten unseren Teil dazu beitragen, damit die Menschen das Nötigste haben.

DOMRADIO.DE: Wie viel Mut hat es euch gekostet, ins Auto zu steigen und tatsächlich nach Calais zu fahren?

Stühlen: Von meiner Seite aus hat es wenig mit Mut zu tun, weil wir uns eigentlich keinem großen Risiko aussetzen. Es kann eigentlich wirklich jeder machen, der das möchte. Es ist natürlich irgendwo ein Abenteuer, weil man da nicht die Leute kennt. Ich persönlich finde eher die Menschen mutig, die wir hier versorgen.

DOMRADIO.DE: Habt ihr denn das Gefühl, ihr könnt Mutmacher sein oder eher das Gefühl, dass die Menschen dort vielleicht auch von dieser Isolation entmutigt sind?

Stühlen: Mut machen würde ich nicht sagen. Was wir hier machen, ist absolute Nothilfe. Wir sorgen dafür, dass die Menschen etwas zu essen haben und vielleicht einen Schlafsack oder ein Zelt für die Nacht. Insofern glaube ich, wenn man nur so kurz da ist, ist es schwierig, Mut zu spenden - zumal wir uns ja auch in der privilegierten Situation finden, dass wir wieder zurückfahren nach Deutschland. Insofern weiß ich nicht, ob man da von Mut sprechen kann.

Es gibt einige, bei denen würde ich sagen, da ist noch Mut da. Gerade wenn sie noch nicht so lange hier sind, haben sie natürlich Hoffnung und Mut, nach England zu kommen. Es gibt aber auch Leute, die seit Jahren hier sind. Die überkommt natürlich irgendwann schon eine gewisse Hoffnungslosigkeit.

(DR)

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